Über mich

Fischstäbchen und Content sind für mich untrennbar miteinander verbunden. Obwohl man Content, als das mit den Fischstäbchen passierte, noch nicht so nannte. Erst recht nicht ich. Man nannte ihn noch Inhalt — in gewissen Kreisen auch Substanz. Ich aber verkehrte nicht in Kreisen, sondern hatte gerade ein Gedicht geschrieben. Wie substanziell es war, weiß ich heute nicht mehr, doch ich gewann damit beim Wettbewerb eines größeren deutschen Fischstäbchenherstellers eine türkisfarbene Taucheruhr, die ich stolz trug, bis sie in unserer Badewanne absoff.

Die Geschichte hätte hier zu Ende sein können. Doch auch wenn das Wort »Fischstäbchen« danach nachweislich nie wieder in einem meiner Texte auftauchen sollte, blieb ich dem Inhalt treu. Ich trug ihn in Gestalt unseres Gemeindeblättchens durch die Straßen und steckte ihn bergauf, bergab in Briefschlitze. Ich schubste ihn in Grafikprogrammen hin und her und belichtete ihn auf Druckplatten. Und später — als ich wusste, was ich ausreichend ins Herz geschlossen hatte, um damit mein Geld zu verdienen — befüllte ich mit ihm Zeitungsspalten und Magazinseiten, WYSIWYG-Editoren und Assets. Ich schrieb, was das Zeug hält.

Genauso allerdings, wie sich Inhalt zu Content verändert hat, kamen auch für mich neue Zeiten. Irgendwann waren nicht mehr nur die Menschen in meinen Geschichten wichtig; auch die Menschen um mich herum wurden es. Aus Fortschritt wurde Digitalisierung, Wachstum und Rendite wichen Sinn und Gefühl und Ideen wurden wichtiger als Geschäftsmodelle. Führung und Arbeitsprozesse wurden neu geordnet und oft ich saß mittendrin. Wie der kleine Junge mit der Taucheruhr in einem großen Haufen aus Legosteinen, mit denen sich ganze Welten erschaffen lassen.

Und so wird es weitergehen, auch wenn manche das Gefühl haben, nicht mithalten zu können mit den Beschleunigungen der digitalen Welt, wie Peter Glaser 2009 auf der re:publica feststellte. »Aber wir befinden uns in einem Übergang und die Beschleunigung gehört zu den Symptomen dieses Übergangs.« Auch zehn Jahre später ist diese Übergangsphase nicht vorbei, und was wir erleben, ähnelt immer noch einem flimmernden Bildschirm, »der so lange nervt, bis die Bildfrequenz über 72 Hertz steigt. Dann wird das Bild ruhig und klar. Beschleunigt man weiter, wird das Bild nur noch ruhiger und klarer«.

Mich haben flimmernde Bildschirme ohnehin noch nie genervt — ebenso wenig wie Tempo. Mit beidem bin ich aufgewachsen, und ein ordentlicher Antritt entspannt mich bis heute. Ich schreibe schnell — manchmal zu schnell —, und ich denke schnell. Von mir aus also kann diese Übergangsphase gerne anhalten.

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