Monate: Januar 2006

Werden Sie Held!

Vor einigen Tagen habe ich bei eBay eine durchaus bemerkenswerte Auktion entdeckt, sie jedoch für das Werk eines notleidenden Amateurs gehalten. Da wird die Chance versteigert, einem noch nicht existierenden Romanhelden seinen Charakter zu leihen. O-Ton: »Ich bin ein deutscher Schriftsteller und versteigere an den Höchstbietenden die Rolle in einem Roman. Die Rolle kann Ihren Wünschen entsprechen und Ihren Namen tragen; Sie können etwas sein, was Sie immer schon sein wollten.« Nun gut, die Idee ist nicht schlecht. Außerdem handelt es sich interessanterweise zwar tatsächlich um einen notleidenden Autor, jedoch keineswegs um einen Amateur, wie ich gestern aus der FAZ erfahren durfte. Die Idee zu dieser Auktion stammt von Alban Nikolai Herbst, der eigentlich Alexander Michael von Ribbentrop heißt, einem Großneffen Joachim von Ribbentrops, des deutschen Außenministers unter Hitler. Das zumindest erklärt die explizite Zusatzbemerkung »Gestaltungswünsche, die gegen bestehendes Recht verstoßen oder in irgend einer Weise nationalsozialistisches Gedankengut zu transportieren helfen, werden nicht berücksichtigt.« Anscheinend, und da wird es interessant, ist aber noch gar nicht so sicher, ob der so erfundene Romanheld, respektive die Heldin …

Nam June Paik †

Nam June Paik, einer der bedeutenden Künstler der letzen 50 Jahre, ist gestern in Miami gestorben, wie auf seiner Internetseite zu lesen ist. Der 1932 in Seoul geborene Paik gehörte als Komponist, Medien- und Performancekünstler zu den wenigen echten Allroundtalenten der Kunst des 20. Jahrhunderts. Berühmt geworden durch seine teilweise raumfüllenden Monitor-Installationen war er seit 1996 an den Rollstuhl gefesselt. Einen guten Überblick über das Werk bietet Wikipedia. Wer eine der Arbeiten live erleben möchte, dem sei das 1993 angekaufte »Brandenburger Tor« im Museum Ludwig in Köln empfohlen. Nachtrag | Dienstag, 31.01.2006 — 10:51:11 Uhr: Das »Brandenburger Tor« befindet sich zurzeit im Depot. Aufgrund fehlender Ersatzteile für die verwendeten Monitore scheint es den Restauratoren Schwierigkeiten zu machen.

ARTig

Das »artstübli« ist fleißig. Nach der Veröffentlichung von Magazin-Nr. 2 folgt nun die erste Ausstellung. Im »unternehmen mitte« in Basel zeigt das Team vom 20.-26. Februar 2006 die Schau »ARTig« mit Arbeiten von Hausgrafik, pformance, Balance Photography, Sein, Microbot, Smash, modul-grafikdesign, Pixelfarm, Machtgrafik, Stubbings, artstübli und, und, und. Die Vernissage findet am 20. Februar statt. Es kündigt sich ein Mix aus »Street Art, Graffiti, Fotografie, Grafikdesign und Film/Animation« an. Die Lounge lädt ein, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen, über die eigenössische Szene zu plaudern oder das artstübli-Projekt zu beschnuppern. Apropos: Bringt mir jemand einen schicken ARTikel aus dem Shop mit?

Finnish Fashion

Denkt man an Mode, so tut man das dieser Tage wahrscheinlich mit Bildern von Mailand im Kopf, unter Umständen auch von New York oder Paris. Aber Helsinki? Nun gut, ich bin — sollte es das denn geben — ohnehin recht finnophil (wie ich auch austriophil und eidgenossophil bin). Und so kann ich mich ganz gut für Ittala-Geschirr und finnisches Design begeistern, gute finnische Mode aber hab ich bis jetzt auch nocht nicht gekannt. »Ivana Helsinki« hat mich eines besseren belehrt. Schöne einfache Prints, tolle Farben und Stoffe und mindestens genauso tolle Preise. Was bedeutet, dass ich erstens meine Freundin nicht guten Gewissens alleine nach Helsinki fahren lassen kann und zweitens, dass ich für den nächsten Urlaub wohl eine etwas größere Reisekasse einplanen muss. Vielleicht genügt aber auch schon ein Wochenendausflug nach Berlin. Im »Best Shop« auf der Alten Schönhauser Straße soll es die Kollektion auch geben.

Salz und Zucker

Auf dem Einkaufszettel so manchen Hamburgers steht seit einiger Zeit nicht nur mehr Milch, Brot und Mülltüten. Nein, er sieht in etwa so aus: »Äpfel, Kartoffeln, Bananen, Pastinaken, Kunst«. Praktisch dabei ist, dass man dafür in der Hansestadt gar nicht weite Wege zurücklegen muss, all das gibt es unter einem Dach. Der Kunst- und Kulturverein »LINDA« ist nicht nur Galerie und Ausstellungsraum, sondern bietet immer mittwochs von 16:30 bis 21:30 Uhr Biotüten auf Bestellung an. Zwischen dem Shoppen von knackigem Gemüse also kann sich der interessierte Weltenbürger auch noch Kunst anschauen. Eine ungewöhnliche aber scheinbar erfolgreiche Mischung. Zurzeit und leider nur noch bis Ende Januar stellen hier »The Shramps« ihre »Musik für Taube« aus. Am 10. Februar eröffnet dann Yukari Kosakai seine Ausstellung »Bringen Sie bitte Salz und Zucker mit«. Klingt lecker.