Jahr: 2006

Einheitstagsbrei

Die Adolf-Hitler-Straße, die früher durch die Leipziger Südvorstadt führte, heißt heute Karl-Liebknecht-Straße. Darüber kann man sich freuen, wenn man ein demokratisch gesinnter Mensch ist. Trifft das nicht zu, kann man sich daraus ein politisches Welt-, respektive Stadtbild zusammenzimmern und ausgerechnet am 3. Oktober quer durch die Stadt und eben auch diese Meile herunter in Richtung Connewitz marschieren. So geschehen des öfteren in den letzten Jahren, wenn sich das rechte Spektrum in Leipzig getroffen hat. Dazu gesellten sich dann auch immer einige Gegendemonstranten, die nicht nur zeigen wollten, dass ihnen Faschismus stinkt, sondern auch, dass es unglaublich viel Spaß macht, Autos und Müllcontainer anzuzünden und die Polizei als verhassten Vertreter der Staatsmacht mit Steinen zu beschmeißen. Auch heute war eine Demonstration angemeldet, von 12 bis 20 Uhr durfte der braune Pöbel marschieren, krakelen und sich produzieren, Gegenveranstaltungen gab es auch. Doch die Karl-Liebknecht-Straße, gleich hier um die Ecke und somit auch die Südvorstadt, soweit sie sich aus den Fenstern dieser Wohnung überblicken lässt, blieb ruhig. Christian Worch und seine »Mannen«, wie es das Einsatzteam der Polizei …

Back auf Mac

War klar, allzu lange hält es auch das Schnitzel nicht ohne selbstvermarkterisches Bloggen aus. Und so hat sich der Kollege aus dem Bett geschält, sich in sein schönstes Sonntagshemd geworfen und ist zum nächsten Gravis-Store gelaufen. Verdammt, warum haben alle schon einen Mac, nur ich nicht?! Wo bleibt mein Weihnachtsgeld? Na gut, soll mir recht sein, wenigstens ist so der Schnitzelteller wieder auferstanden. Besser, schneller, schöner, informativer, leckerer und vor allem: In Version 2! So kriege ich hoffentlich bald schicke Nachrichten aus der Heimat (Bestimmt waren das Schnitzel und Baltasar mit Videokriegsgerät auf Pützchens Markt). In einer Woche geht es auch hier wieder ein wenig belebter zu, ist versprochen, denn dann wird das neue Heim in Leipzig bezogen, wo es auch die elementaren Zivilisationskrankheiten wie Telefon, Internet und fließendes Wasser gibt. Bis dahin Geduld, liebe Leser, sucht Euch einen der vergangenen 245 Beiträge aus, lernt ihn auswendig und macht Euch eine schöne Woche. P.S.: Liebes Schnitzel. Solche hämischen Bemerkungen wie das mit dem Eingabefeld unter Firefox auf Mac… Tsstsstss… Auch noch Salz in die Wunden …

Neues aus Nord

Ja, ich weiß, es ist elends lange her, und ich schäme mich ja auch. Aber man möge verzeihen, dass ein Ortswechsel, ein neuer Job und die Dinge drum herum ein wenig Zeit in Anspruch nehmen. Nun aber gibt es endlich Neues aus Nord, dem schönen Plattenbaustadtteil in Altenburg, der seit knapp vier Wochen meine Zwischenlösungsheimat ist. Denn erstens wurde mir aus dem erwandernswerten Österreich in Person desKonsumkindchens ein Stöckchen zugeworfen, dass ich nach etlichen Tagen endlich zurückschmeißen will und zweitens hat sich das Blogstipendium der Süddeutschen bei mir gemeldet und verlangt nach Aufmerksamkeit. Nun denn, sollen sie haben. Der liebe Herr von Gehlen, seines Zeichens Redaktionsleiter von jetzt.de schickte mir kürzlich nicht nur beste Grüße, sondern auch noch das Folgende: Na, das geht natürlich runter wie Gose, weckt aber auch böse Erinnerungen an das hundsmiserable Versagen beim Blogwettbwerb der Zeit. Zudem kommt die Jetzt-Redaktion mit solchen Sachen natürlich ausgerechnet in einer Zeit, in der hier Ebbe herrscht und die Flut im Urlaub ist. Na danke auch! Aber gut, machen wir das Beste draus. Eine Blogskizze …

Tauschgeschäfte

Ich werde doch noch weggehen. Nach 27 Jahren in Bonn — vom Kindergarten bis zum Magister — zieht es mich nach Osten. Leipzig lockt in Form eines Volontariats bei der Leipziger Volkszeitung, ein lang gehegter Wunsch geht in Erfüllung, der jedoch auch seinen Preis hat. Ich werde Abschied nehmen von lieb gewonnenen Orten, Menschen und Gewohnheiten und mich in eine neue Stadt mit neuen Menschen einleben. Es ist wie auf dem Basar und Trotzendorff macht seine Tauschgeschäfte: Dafür werde ich mir bald eine schöne Altbauwohnung leisten können, der Leipziger Wohnungsmarkt gibt so einiges her. Wenn übrigens jemand was an der Hand hat, ich bin für Tipps immer dankbar. Genauso suche ich noch einen guten Bioladen in Leipzig, von mir aus auch einen Biosupermarkt. Bevorzugte Einkaufs-, Wohn- und Freizeitgegend: Südvorstadt. Eine schöne Joggingstrecke zwischen 8 und 12 Kilometern wäre auch toll, gerne am Wasser lang, ein wenig schattig und kühl. Ansonsten bin ich wunschlos glücklich, am 1. August geht’s los. Bemühen wir in diesen Stunden noch einmal Trude Herr, die das alles so vortrefflich in Worte …

Klebt Euch was …

Längst hat die sogenannte Streetart und allen voran Cut Outs und Stickerkunst das klassische Graffiti als öffentliche Kunst abgelöst. Sie gilt als kritischer, witziger und meistens auch als politischer. In diesem Jahr findet nun zum wiederholten Mal der international ausgeschriebene Stickeraward statt. Arbeiten können bereits eingesendet werden — man hofft, eine Entscheidung über die Preisvergabe bis Ende September getroffen zu haben. »Man«, das sind Alain Bieber von rebelart.net, Chris Sauve von den Adbusters, Dom Murphy (Stickernation), Andreas Ullrich von Stickma und Oliver Vodeb (Memefest). Einsendungen sind als Fotos und als Grafiken möglich, Hauptsache, sie zeigen »Eingriffe in den öffentlichen Raum«. Dabei geht es weniger alleine darum, den besten oder die beste Stickerkünstler zu finden, sondern vor allem um eine Gesamtschau der internationalen und recht unübersichtlichen Szene. Zu gewinnen gibt es natürlich — Aufkleber. Bisher sind 193909 Fotos und 53 525 Grafiken eingesandt worden. Und es ist noch ein wenig Zeit bis September.