Wort & Tat
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»Heißt das, ich kann nicht mehr zurück?«

Call­cen­ter haben einen — sagen wir — beschei­de­nen Ruf. Und wer heute bei ein­er Hot­line anruft, weiß nicht, wo auf der Welt sein Gegenüber sitzt, das mit ihm über die Ver­sicherungspo­lice, den Fes­t­net­zan­schluss oder die let­zte Bestel­lung redet. Die Glob­al­isierung hat längst auch in diesem Dien­stleis­tungs­bere­ich Einzug gehal­ten. Einem Prob­lem, dass sich unter dieser Ober­fläche abspielt, hat sich die Filmemacherin Mar­ti­na Priess­ner in »Wir sitzen im Süden« angenom­men. Denn einige der­jeni­gen, mit denen Deutsche Tag für Tag tele­fonieren, melden sich mit falschem Namen: Deutsch-Türken, die in Call­cen­tern für deutsche Fir­men arbeit­en. In Istan­bul. Und das nicht etwa frei­willig, son­dern weil sie auf­grund der herrschen­den Geset­ze nicht mehr nach Deutsch­land zurück­dür­fen. Men­schen, die sich mehr als Deutsche, denn als Türken sehen, die der aktuellen Inte­gra­tions-Debat­te und all den sar­razin­schen und merkelschen Argu­men­ta­tionsver­suchen den Spiegel vorhal­ten. Oder, wie es ttt vor kurzem aus­drück­te: » Während die Poli­tik­er dauernd über Migranten reden, die sich ange­blich nicht inte­gri­eren wollen, erlebt der Zuschauer im Film Türken, die längst Deutsche sind, aber nicht in Deutsch­land leben dür­fen.« Derzeit tourt »Wir sitzen im Süden« von Fes­ti­val zu Fes­ti­val. Wird Zeit, dass er endlich in die deutschen Kinos kommt.

4 Comments

  1. martina priessner says

    Danke! Lei­der haben wir keinen Ver­leih gefun­den, aber wir brin­gen den Film jet­zt selb­st ins Kino — zumin­d­est ins FSK und Licht­blick-Kino in Berlin. Start: 11.11.2010

    die Ter­mine gibts hier: http://www.wir-sitzen-im-sueden.org

  2. Das ist doch schon­mal ein Anfang, wie schön! Vielle­icht kommt ja dann doch noch ein Ver­leih auf den Geschmack. Ist denn eine TV-Ausstrahlung irgend­wann geplant? Oder eine DVD?

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