Alle Artikel mit dem Schlagwort: Kunst

Salz und Zucker

Auf dem Einkaufszettel so manchen Hamburgers steht seit einiger Zeit nicht nur mehr Milch, Brot und Mülltüten. Nein, er sieht in etwa so aus: »Äpfel, Kartoffeln, Bananen, Pastinaken, Kunst«. Praktisch dabei ist, dass man dafür in der Hansestadt gar nicht weite Wege zurücklegen muss, all das gibt es unter einem Dach. Der Kunst- und Kulturverein »LINDA« ist nicht nur Galerie und Ausstellungsraum, sondern bietet immer mittwochs von 16:30 bis 21:30 Uhr Biotüten auf Bestellung an. Zwischen dem Shoppen von knackigem Gemüse also kann sich der interessierte Weltenbürger auch noch Kunst anschauen. Eine ungewöhnliche aber scheinbar erfolgreiche Mischung. Zurzeit und leider nur noch bis Ende Januar stellen hier »The Shramps« ihre »Musik für Taube« aus. Am 10. Februar eröffnet dann Yukari Kosakai seine Ausstellung »Bringen Sie bitte Salz und Zucker mit«. Klingt lecker.

artstübli die Zweite

Sie haben es tatsächlich wahrgemacht, respektive auf die Beine gestellt: Bibbo, Brogli und Konsorten präsentieren dieser Tage die zweite Ausgabe des Swiss-Art-Magazins »artstübli«. Randvoll mit schicken Geschichten über die Wordless-Ausstellung in Zürich, feiste holländische Grafik-Designer wie Joost Korngold oder die Gestalten-Neuerscheinung »Blood, Sweat & Tears«. Besonders beeindruckend sind die Arbeiten des Reisefotografen Nico Schärer. Alles in allem 42 MB, die sich wieder lohnen und noch ein wenig fescher daherkommen, als »Heftchen« Nummer eins. Nicht nur für Schweizer ein wirklicher Leckerbissen!

Augen, Ohren, Herzen

Ab morgen findet die vierte Berner Biennale statt, ihres Zeichens ein Festival der Künste. Bis zum 21. Oktober bekommt das wohlgesonnene Publikum Musik, Theater, Kunst und Beiträge aus den »transdisziplinären Zwischenbereichen« zu Augen, Ohren und Herzen. Thema beziehungsweise Motto der diesjährigen Veranstaltung ist die Zeitgenossenschaft Einsteins sowie Modewelten in und zwischen Kunst und Wissenschaft. Es haben sich illustre Gäste wie Ulrike Grossarth, das Schönberg-Ensemble oder die Künstlerin Tyyne Claudia Pollmann angekündigt. Gastgeber ist die Berner Hochschule der Künste.

Kreativer Protest

Wenn Parteien die Wahlwerbung der Kontrahenten kopieren oder ausschlachten, so mag das den ein oder anderen Bürger über die nicht vorhandenen Inhalte hinwegtäuschen, mag so manches Ablenkungsmanöver funktionieren. Wenn aber der Bürger selbst zur Tat schreitet und Wahlwerbung verändert, dann kann das schonmal eine Ausstellung füllen. So wie die Fotografien von FC Gundlach, auf denen er zerstörte, bemalte, verfremdete Wahlplakate aus 30 Jahren Bundestagswahlkampf festgehalten hat und die noch bis zum 29. September im Hühnerposten am Hamburger Hauptbahnhof zu sehen sind. Adbusting heißt die Prozedur im heutigen Sprachgebrauch, die sich inzwischen zu einer Art Subkultur entwickelt hat. Ganze Teams arbeiten die Umgestaltungen aus, nicht das einfache Zerstören, sondern das Ironisieren ist vorrangiges Ziel der Adbuster. Und so sind die Politiker auch nur das momentane, weil dankbare Lieblingsziel der Adbuster, die sonst auch vor kommerzieller Werbung nicht zurückschrecken. Gefährlich bleibt dieses »Hobby« nach wie vor, stellt es doch keine bloße Sachbeschädigung dar, sondern im Falle der Wahlwerbung gar eine politisch motivierte Straftat, die den Staatsschutz auf den Plan rufen könnte. Subersives Deutschland, so kurz vor der …

The Bench

Heute abend eröffnet der Bonner Kunstverein seine neue Ausstellung »The Bench«, die vom Leiter der St. Galler Neuen Kunsthalle, Gianni Jetzer kuratiert worden ist. Drei Künstler, Phoebe Washburn, Katarzyna Józefowicz und Michael Beutler zeigen Installationen über den Raum, die Zeit und das Sehen an sich. Vier Arbeiten zwischen pragmatisch kleinteilig und monumental raumgreifend. Der Titel der Ausstellung ist eine Anlehnung an die Bank in Thomas Bernhards Roman »Alte Meister« im Wiener Kunsthistorischen Museum, auf die sich jeden zweiten Tag der Protagonist Reger setzt, weil er dort so gut denken kann. Im Bonner Kunstverein jedoch ist diese Bank nur noch Metapher für eine Rezeption von Kunst, die jenseits von Zeit- und Verständnisdruck funktioniert. Sie steht aber auch für die Einladungen, die alle drei vertretenen Künstler aussprechen. Und doch ist keine der Arbeiten auf Verständnis aus, alle vernichten ihre Botschaften, bevor sie übermittelt werden können. Sie wollen einen Moment generieren, in dem wahre, intensive Betrachtung möglich wird. Am Ende wird die nicht vorhandene Bank ersetzt durch den Sieg des Sehens über das Weitergehen. Eine Ausstellung zum Innehalten.