Author: Trotzendorff

Bla-Bla-Blogger

Kri­tik an Blog­gern hat es immer gegeben, es wird sie auch immer geben, inter­es­san­ter­weise aber kommt sie immer von zwei Seit­en: Von Ver­weiger­ern oder den Medi­en. So auch am ver­gan­genen Woch­enende, als die Schweiz­er Son­ntagszeitung mit dem Artikel «Bla-Bla-Blog­ger — Die Rebellen versinken im Mit­tel­maß» mal wieder ver­sucht hat, etwas Staub aufzuwirbeln. Zumin­d­est in der Blo­gosphäre scheint das geklappt zu haben, wie unter anderem die Reak­tion auf medienlese.com zeigt. Die Gegen­wehr von Ron­nie Grob: «Ich glaube, etwas Empörung ist von Leser­seite, von Blog­ger­seite schon ange­bracht, wenn etablierte Medi­en, die viel Geld hin­ter sich haben und behaupten, immer Jour­nal­is­mus zu betreiben, Blödsinn produzieren.»

No Milchschaum today

Wer glaubt, die Jugend lauere da draußen auf den Straßen, Kau­gum­mi kauend und auf den Gehsteig rotzend, der irrt. Und über­haupt, die Jugend lauert nicht, sie «faulen­zt» auch nicht oder «gam­melt rum». Wie lange es wohl her ist, dass ich diese Worte irgend­wo gehört habe? Schöne Worte, aber vom Ausster­ben bedro­ht, seit irgendw­er das «Prokras­tinieren» zum Trend aus­gerufen hat. Schon seit mehreren Jahren scheinen sich zwei Kün­stler damit auseinan­derzuset­zen, ohne vielle­icht je davon gehört zu haben: Markus Muntean und Adi Rosen­blum. Noch bis zum 1. Feb­ru­ar wid­met ihnen die Samm­lung Essl in Klosterneuburg bei Wien die Ausstel­lung «Between what was and what might be» mit teils eigens für diesen Anlass ent­stande­nen Gemälden sowie den Fil­men «Shround» und «Run», zweit­er­er eine Welt­premiere. Eine Ausstel­lung auch über die Jugend.

Die neue Hamburger-Schule

Es hat mal eine Zeit gegeben, da hat­ten die Schnell­restau­rants mit dem gold­e­nen «M» den Charme der Sty­ro­porver­pack­un­gen, in denen ihre Burg­er verkauft wur­den. Presss­chaum­mö­bel für die Gäste, ein skur­ril­er Clown als Wer­be­fig­ur und Toi­let­ten, für die sich sog­ar die Bahn in Grund und Boden geschämt hätte. In diesen Zeit­en waren Burg­er noch fet­tig und die Cola bestand noch zu 90 Prozent aus Eis. Eine Keramik­fig­ur des Kün­stlers Barn­a­by Bar­ford ist eben der Reklame­clown Ronald McDon­ald, der sich am Straßen­rand mit Dosen­bier besäuft. Bar­ford wird es vielle­icht nicht gewollt haben, aber es gab Zeit­en, da wäre das als Real­is­mus durchge­gan­gen. Die Jeans der Verkäuferin­nen sind noch diesel­ben, die Junk-Zeit­en aber sind vor­bei. Denn irgend­wann kamen Inte­ri­or-Design­er, Pro­duk­ten­twick­ler und der Ökotrend. Und so ver­speist man heute nicht mehr nur Burg­er, Pommes & Co, son­dern auch Obst oder Joghurt und wird gle­ichzeit­ig auf den Tablet­tauslegern über aktives Leben informiert. Das Ganze find­et in loungeähn­lichen Hallen statt, in denen man auch noch Kaf­fee bekommt, der mit dem Siegel der «Rain­for­est Alliance» zer­ti­fiziert ist, und die mit Gym&Fun-Ecken für …

Hey, Mr. Brightkite!

Zugegeben, bei vie­len der Net­zw­erke, Tools und Spiel­ereien, die das Inter­net so her­vorge­bracht hat, habe ich einen zweit­en, manch­mal sog­ar einen drit­ten Blick gebraucht, um den Reiz dahin­ter zu ent­deck­en. Bei twit­ter war das so, bei flickr auch, beim Bloggen sowieso. Vielle­icht habe ich mir nicht genug Zeit genom­men, vielle­icht erschließt sich vieles aber auch erst im Laufe der Zeit. Mal sehen, wir mir das mit Brightkite geht, einem sozialen Net­zw­erk, dass ähn­lich funk­tion­iert wie ein ortsab­hängiges twit­ter und das derzeit noch im Beta-Sta­­tus steckt. «The basic idea is sim­ple. When you’re out and about in the real world, you tell Brightkite where you are by check­ing in at places (you can do this on your phone). Brightkite can then tell you who else is there, who’s been there, what’s hap­pened there, who is near­by etc. Addi­tion­al­ly you can post notes and pho­tos at places that oth­ers near­by will see.» (Aus der FAQ) Derzeit ist die Anmel­dung zu Brightkite nur nach vorheriger Ein­ladung möglich, Patrick Kempf war allerd­ings so nett, mir eine von seinen zu überlassen. …

Profil los (Und es hat «Xxxiiinnnng» gemacht)

Ich weiß schon, Sie wer­den jet­zt sagen: «Das ist sowas von 2007!» Ich bin zu spät, schon klar. Den­noch: Ich habe meine Pro­file gelöscht, bei Face­book und bei Xing. Eigentlich hätte mir schon vor einem Jahr klar sein kön­nen, das das passieren würde. Als ich gemerkt habe, wie sehr mich Stu­di­VZ lang­weilt, wie schnell ich ermüde in diesen sozialen Net­zw­erken. Am Ende war es nur eine Kleinigkeit, die den Auss­chlag gegeben hat: Die Tat­sache, dass nicht zahlende Nutzer bei Xing inzwis­chen anscheinend vol­lkom­men aus­ge­bremst wer­den. Sie dür­fen nichts mehr, keine Nachricht­en schreiben, keine vernün­ftige Suche aus­führen. Sie sind de fac­to hand­lung­sun­fähig. Alle anderen dür­fen 5,95 Euro zahlen. Nun habe ich das sog­ar noch in Kauf genom­men, habe eine Gruppe geleit­et, habe Kon­tak­te gepflegt, Nachricht­en geschrieben, Kol­le­gen akquiri­ert. Und doch ist es bei all diesen Net­zw­erken nach ein­er gewis­sen Zeit das­selbe: Der Bewe­gungsra­dius ist zu ger­ing, die Funk­tio­nen schlicht lang­weilig, die Ange­bote zu wenig indi­vidu­ell. Viel wichtiger aber sind die Auswirkun­gen auf den All­t­ag: Wie viel Zeit habe ich mit sinnlosen Din­gen ver­bracht? Damit, nachzuschauen, wer …