Author: Trotzendorff

Ein Tag am See

Was so alles vorüberzieht, wenn einem das Leben ein wenig Zeit schenkt und der Wind nur kräftig genug weht. Mar­o­des Laub, Kinder mit Ahorn­nasen, Schil­fgeruch. Und Fra­gen. Kann man an einem radel­nden Pärchen erken­nen, wie ihre Beziehung funk­tion­iert? Spielt es eine Rolle, dass sie vorne wegfährt? Und er hin­ten Fax­en macht? Kann man bei den bei­den da vorne von den Anziehsachen auf den All­t­ag schließen? Von den Rollschuhen über den Wind­break­er bis zur Son­nen­brille der per­fek­tion­ierte Part­ner­look. Und ob die keifende Alte da ihren hüft­lah­men Mann vielle­icht doch liebt? Manche Men­schen genü­gen an solchen Tagen sich selb­st, manche brauchen ihre beste Fre­undin, den Hund, Sport. Manche hören an einem solchen Tag das Plätsch­ern der Wellen, manche nur das Hun­dege­bell, manche die keifende Alte hin­ter sich. Und an manchen weht ein Duft, eine vage Erin­nerung … vor­bei. Es ist lange her, dass ich Kinder mit Ahorn­nasen gese­hen habe. Von drüben, vom brüchi­gen Aus­flugs­dampfer, schwappt wie in Wat­te gepackt die Stimme des Ansagers ans Ufer. Der richtige Moment, das Leben neu zu ver­messen, darüber nachzu­denken, warum ich …

Memento mori et MacBook

Wohl kaum jemand, der in den ver­gan­genen Jahren das Mac­Book bere­its als Design-Klas­sik­er beze­ich­net hat, wusste, wie recht er damit hat. Zumin­d­est mit dem «Klas­sik­er». Die Geschichte spricht auch mal wieder dafür, wie gut Apple darin ist, die kleinen Geheimnisse sein­er Fir­mengeschichte für sich zu behal­ten. Das Foto, das wir hier sehen, hat der flickr-User pat­a­p­at aufgenom­men, und zwar im Kun­st­mu­se­um Basel, das Orig­i­nal des 1620 von einem deutschen Meis­ter gemal­ten «Memen­to mori» hängt jedoch im Frank­furter Städel (Inven­tar Nr. 2236). Und es zeigt: Den ersten Entwurf für eben das Stück Com­put­ergeschichte, das heute als Mac­Book bekan­nt ist. 388 Jahre alt! «Sehr tra­di­tionelle und all­ge­mein als über­holt ange­se­hene The­o­rien sahen im Design die reine For­mge­bung von Objek­ten zum Zwecke der ‹Ver­schönerung› und Verbesserung der prak­tis­chen Funk­tion­al­ität», lesen wir bei Wikipedia zum Stich­wort Design. «Ger­adezu tele­ol­o­gisch strebten sie als Endzweck nach ein­er endgülti­gen, nicht mehr zu verbessern­den Form der Dinge, als seien diese nicht stets durch Mate­ri­alien, Tech­nolo­gien, Gebrauch­sweisen, Bedürfnisse und Funk­tio­nen lim­i­tiert und vor­läu­fig. Betont wurde der Vor­bild­charak­ter bes­timmter Entwürfe.» Was auf diesen wohl bis auf …

Herrenmagazin, live @ Moritzbastei

Bei allem Respekt, Herr Deniz Jaspersen. Erzählen Sie keinen Müll. Eine Band, die sich mit Hän­den und Füßen dage­gen wehrt, sich verorten zu lassen? Ham­burg­er Schule. Ein Sänger, «der sagt, dass er Rand­si­t­u­a­tio­nen mag, kör­per­liche, men­schliche Extreme, Boris Jelzin, den Ghet­to Tanz Krump­ing. Aber wenn man das gerne schreiben möchte, wehrt er mit bei­den Hän­den ab. Bloß nicht so greif­bar wer­den»? Schnickschnack. Ein­fach ein großar­tiges Konz­ert. Weit ab von Weltverbesser­ern und Seichtköpfen wie Tomte oder Blum­feld. Eine Band, bei der Karo­hem­den noch erlaubt sind, Farin-Urlaub-Pon­nys auch und solide Musik sowieso. Eine Band, die sich nicht scheut, vor ger­ade ein­mal 100 (wohlwol­lend geschätzten) Gästen in der Moritzbastei zu rock­en. Eine Band, die man für die Vor­band hal­ten kön­nte. Hut ab. Wie Her­ren­magazin auf Ihrer Home­page so schön schreiben: «Es ist an der Zeit, dieses Sys­tem jet­zt mal zu per­son­al­isieren: Deniz Jaspersen (der übri­gens eher auss­chaut wie ein Optik­er, Anm. d. R.) hat­ten wir ja schon, Halbtürke, kocht gern, isst gern. Philip Wild­fang, eben­falls Halbtürke, isst noch mehr, spielt Gitarre. Paul Konopac­ka, Bass­gi­tarre, jung. Kocht am besten. Und …

So sehen Feuchtgebiete aus

Die Suche nach «YouTube» liefert keinen Tre­f­fer. Die nach «Anna Netre­bko» ger­ade­mal 321. Das «iPhone» immer­hin schnei­det etwas bess­er ab, 28.600. Und das, obwohl es das Apple-Gerät noch gar nicht gibt. Was ist passiert? Wir sind im Jahr 2001 bei der Google-Suche gelandet. Zum Geburt­stag der Such­mas­chine haben die Betreiber ihr inzwis­chen zum Stan­dard gewor­denes Tool zurück­ge­set­zt, auf den ältesten ver­füg­baren Stand (inzwis­chen offline). Und doch, obwohl das nur sieben Jahre her ist, betritt man eine andere Welt. Bloß zum Ver­gle­ich: Für Frau Netre­bko bekomme ich heute 1.040.000 Tre­f­fer, für das iPhone 348.000.000 und für YouTube spuckt Google sat­te 908.000.000 Seit­en aus. Eine schöne Spiel­erei, die sich Google da hat ein­fall­en lassen. Vor allem aber zeigt sie, wie ras­ant sich das Inter­net verän­dert. Und auch Google. Waren es vor sieben Jahre «ger­ade ein­mal» 1,3 Mil­liar­den Seit­en, die das Unternehmen durch­suchen kon­nte, sollen es heute schon 40 Mil­liar­den sein. Gerüchte sprechen sog­ar von der dreifachen Anzahl. Der Blick zurück auf das Jahr nach der Jahrtausendwende tut vor allem der Seele gut. Suchen Sie ein­fach mal ein wenig, …

Wundervolle Bankenkrise

Für den Deutschen an sich hat es wohl seit vie­len, vie­len Jahren kein schöneres Ereig­nis mehr gegeben als die aktuelle Finanzkrise, die ihr kle­briges Netz rund um den Globus spin­nt. Sich­er, sie kostet Ner­ven, Geld und am Ende wohl auch tausende von Arbeit­splätzen. Doch sie nutzt uns mehr, als wir vielle­icht denken. Denn: Jed­er von uns — glaubt man Schuld­ner­ber­ater Peter Zwe­gat — hat durch­schnit­tlich 8500 Euro Schulden. Gut, mit Sicher­heit nicht die ganze Summe bei der Haus­bank, aber einen gewis­sen Teil doch sicher­lich. Als Dis­­po- oder Ratenkred­it, als Hypothek, als Dar­lehen. Den Rest, für den ein­mal in der Woche die Buben von Moskau Inkas­so vor der Tür ste­hen, ver­nach­läs­si­gen wir für unsere Rech­nung der Ein­fach­heit hal­ber ein­mal. Nun wäre es doch wün­schenswert, wenn die US-Krise auch die deutschen Banken mit in den Abgrund reißen würde. Mit einem Schlag wären wir alle ein Stück unser­er Sor­gen los. Und die, auch das weiß Zwe­gat, führen schließlich nicht nur zu Ebbe im Porte­mon­naie, son­dern auch zu psy­chis­chen und sozialen Prob­le­men. Bis hin zu Dro­genkon­sum, Selb­st­mord oder gar …