Author: Trotzendorff

Alles in schönster Ordnung

Es soll Men­schen geben, die gehen ohne Lis­ten nicht mehr aus dem Haus. Und da geht es nicht nur um Klas­sik­er, die Einkauf­s­liste etwa. Es soll Men­schen geben, die haben für alles Lis­ten, sog­ar für Lis­ten. Vielle­icht sog­ar nach Pri­or­itäten geord­net und zur Not noch eine Prio-Liste für die Prio-Lis­ten. Lange Zeit gab es, wenn ich mich an etwas unbe­d­ingt erin­nern musste, ein pro­bates Mit­tel. Es war preiswert und prak­tisch, sog­ar ästhetisch akzetabel und mobil: Post-Its. Heute aber schreiben Men­schen keine Lis­ten mehr. Sie betreiben Selb­st­man­age­ment. Eigentlich bedeutet das nichts anderes, als sich selb­st in den Arsch zu treten. Das Man­age­ment zu nen­nen, ist clever, denn es klingt mod­ern, effek­tiv, sauber. Und natür­lich kann man das nicht mehr mit Stift und Zettel machen. Also haben find­i­ge Erfind­er Tools erfun­den, die das Mod­ell »Get­ting Things Done« von David Allen für den Selb­st­man­ag­er in die Real­ität umset­zen. Ein­fach gesprochen: Der von seinen Auf­gaben und Ideen über­forderte Men­sch notiert sich alles Wichtige, und ein entsprechen­des Sys­tem stellt für ihn Verknüp­fun­gen und Kon­texte her. Und: Es tritt ihm in …

Marshmallows und Haarausfall

Das ist Nik­ki. Nik­ki Gra­hame. Nik­ki wurde — das erken­nt man an ihrem reizen­den Akzent — nord­west­lich von Lon­don geboren, war vor zwei Jahren bei der britis­chen Aus­gabe von «Big Broth­er» dabei und wurde spätestens mit ihrer eige­nen Fernsehshow «Princess Nic­ci» zur Insel­berühmtheit. Und Nik­ki hat Fra­gen. Zum Beispiel diese: Wer erfind­et eigentlich was und vor allem: warum? Oder diese: Wie kann es eigentlich sein, dass ein Tele­fon funk­tion­iert, eine MMS oder ein Flugzeug? Nik­ki macht sich Gedanken über Erfind­un­gen, und zwar auf der neuen Plat­tform «Wor­dia», die in Zusam­me­nar­beit mit so promi­nen­ten Insti­tu­tio­nen wie Harp­er Collins oder dem Nation­al Lit­er­a­cy Trust ent­standen ist. Über allem ste­ht der etwas prahlerische Slo­gan «We’re redefin­ing the dic­tio­nary». Prahlerisch deshalb, weil Wor­dia eigentlich genau­so funk­tion­iert wie Wikipedia. Das Ganze ist ein Mit­mach­wörter­buch, es wächst durch die Beiträge der Nutzer. Und doch gibt es einen entschei­den­den Unter­schied. Denn Wörter­buch ist nicht gle­ich Wörter­buch. Bei Wor­dia heißt das Prozedere: Dich inter­essiert ein Begriff? Ein bes­timmtes Wort hat eine ganz beson­dere Bedeu­tung für Dich? Schnapp Dir eine Videokam­era, «definiere» den Begriff …

Unterwegs

Das Leben ist immer woan­ders, einen Häuserblock, eine Hal­testelle, ein Land weit­er. Vielle­icht auch deshalb sind Men­schen so gerne unter­wegs, weil sie ständig suchen. Nach einem Leben. Und da Men­schen ihr Leben derzeit auch noch unheim­lich gerne anderen mit­teilen, ist — ganz pro­saisch gesprochen — das mobile Bloggen so beliebt. Denn so wird diese Suche zum Plot für das eigene Drehbuch, und an diesem Leben da draußen kön­nen plöt­zlich mehr oder weniger viele Fremde teil­haben. Da draußen lauert aber nicht nur das eigene Leben, son­dern auch das Leben von Mil­lio­nen anderen, es lauern Begeg­nun­gen, Geschicht­en, Beobach­tun­gen. Auch für das iPhone, sozusagen die Eier leg­ende Wollmilch­sau des mod­er­nen Men­schen auf Achse, gibt es eine kleine Anwen­dung, die das Bloggen mit­tels Word­Press erlaubt. Und obwohl ich das Platzieren selb­st geschossen­er Fotos in einem Artikel noch nicht hin­bekom­men habe (sie lan­den immer unter dem Artikel und zer­schießen mir mein ohne­hin noch frag­iles Lay­out), bin ich ganz hin und weg. Bis auf Weit­eres gibt es also ein Sym­bol­fo­to für Geschicht­en von unter­wegs, die Hoff­nung auf das näch­ste Update und …

Ab heute

Es wird Herb­st und ich fange wieder an zu bloggen. Eigentlich kann da kein Zusam­men­hang beste­hen. Herr und Frau Langeweile ste­hen derzeit recht sel­ten vor mein­er Tür, und selb­st an kalten, trüben Tagen liegen meist noch genü­gend Dinge auf einem mein­er Tis­che, als dass ich unbe­d­ingt auch noch in mein­er Freizeit schreiben müsste. Und doch: Da ist es, dieses neue, so her­rlich leere, inzwis­chen dritte Weblog. Vielle­icht sollte ich gar nichts hinein­schreiben, vielle­icht ist sein Charme umso größer, desto mehr noch vor mir liegt. Doch das ist wohl die Her­aus­forderung, diesen Punkt hin­auszuzögern, an dem die Zeit, die Ideen und die Aus­dauer nicht mehr reichen, um diesem nim­m­er­sat­ten kleinen Viech den Wanst vol­lzuschla­gen. Vielle­icht sind aber auch an die Anderen Schuld, all diejeni­gen, die ihre und meine Zeit damit ver­schwen­den, ihre Blogs so lieb­los mit Zitat­en, Links und frem­den Geschicht­en zuzuk­leis­tern. Gute Weblogs, in denen Autoren eigene Geschicht­en, eigene Artikel schreiben und eigene Mei­n­un­gen verkün­den, finde ich jeden Tag sel­tener. Vielle­icht ist das der Zeit­geist? Dass Schnipsel alles sind? Hier ein Schnipsel aus meinem Bett, …

Sterben Blogger aus?

Dinge zu Grabe zu tra­gen, muss nichts Freud­los­es sein. Mit Kar­ri­eren macht man es in let­zter Zeit recht gern, auch bei der Malerei hat man es öfters ver­sucht. Sind jet­zt die Blog­ger an der Rei­he, ihr virtuelles Leben auszuhauchen?