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Die reine Essenz der Britishness

Wer ein­mal vor den trau­ri­gen Über­resten von Brightons «West Pier» ges­tanden hat, diesem verkohlten gus­seis­er­nen Skelett, dass da aus dem Wass­er ragt, kann sich kaum vorstellen, dass die ein­stige Touris­te­nat­trak­tion jemals wieder zum Leben erwachen kön­nte. Doch es gibt Men­schen, die genau davon träu­men, die dieses gespen­stis­che Mon­strum wieder auf­bauen wollen — Der «Brighton West Pier Trust» zum Beispiel. Sie klam­mern sich an den Denkmalschutz, der den Abriss ver­hin­dert. Vielle­icht ver­ste­ht man das bess­er, wenn man die Geschichte des Piers ken­nt, der 1866 erbaut und 1975 aus Sicher­heits­grün­den geschlossen wurde. Den Wellen und dem Sturm preis­gegeben ver­fiel er Jahr für Jahr, stürzte teil­weise ein wurde durch Brand­s­tiftung zulet­zt fast voll­ständig niederge­bran­nt, während der «Palace Pier» nebe­nan, heute «Brighton Pier» genan­nt, mit zwei Mil­lio­nen Besuch­ern jährlich zu den meist­be­sucht­en Attrak­tio­nen in Sus­sex wurde.

Soviel Wein und keine Berge

Man sollte ja meinen, eine Region wie das Bur­gund, in dem laut dem 2007er-Baedek­er mehr als 1,7 Mil­lio­nen Hek­to­liter AOC-Weine pro­duziert wer­den, sollte auch voller Wein­berge sein. Wir haben wirk­lich gründlich hinge­se­hen, als uns die Route von Dijon nach Nord­west­en über Flav­i­gny-sur-Ozerain , Fonte­nay und Chablis nach Pon­tigny und retour geführt hat. Doch wenn es in diesem Teil der Bour­gogne etwas nicht gibt, dann Wein­berge. Vom recht isoliert gele­ge­nen Chablis ein­mal abge­se­hen, diesem knapp 200 Quadratk­ilo­me­ter großen Kan­ton um die gle­ich­namige Kle­in­stadt, aus der der so sünd­haft teure Weißwein kommt. Wenn es im Nord­west­en des Bur­gund mit seinen weit­en Hochebe­nen noch etwas nicht zu geben scheint, dann Men­schen (aber es ist ja auch Neben­neben­sai­son). Man möchte beim Durch­fahren der kleinen, ver­lassen wirk­enden Dör­fer mit ihren herun­tergekomme­nen, teil­weise ver­fal­l­enen Höfen und Häusern manch­mal etwas von «roman­tisch» und «pit­toresk» brabbeln. Doch dann muss man an zu Hause denken, an den Osten, und daran, dass ver­lassene Dör­fer und ver­fal­l­ene Höfe nur sel­ten etwas mit Roman­tik zu tun haben, son­dern eher mit hartem Leben und Land­flucht. Doch die Seele …

«Can I buy you a root beer?»

Wir fahren ans Meer. Sie wird mir genau diese Frage stellen — «Can I buy you a root beer?» —, solange, bis wir kein Root Beer mehr sehen kön­nen. Wir wer­den den ganzen Tag «Talk Like A Pirate Day» haben und das Leben wird wun­der­voll sein. Wir wer­den mehr als nur drei Auf­gaben lösen und vielle­icht machen wir einen Aus­flug nach Scab Island oder Plun­der Island oder Mêlée Island. Wir wer­den fecht­en und uns belei­di­gen und ver­grabene Schätze find­en, was das Zeug hält und abends in der Scumm-Bar mit den schreck­lich wichti­gen Pirat­en und dem dreiköp­fi­gen Affen tanzen und ordentlich einen heben. Alles, was man am Meer eben so macht. Morgen.

No Milchschaum today

Wer glaubt, die Jugend lauere da draußen auf den Straßen, Kau­gum­mi kauend und auf den Gehsteig rotzend, der irrt. Und über­haupt, die Jugend lauert nicht, sie «faulen­zt» auch nicht oder «gam­melt rum». Wie lange es wohl her ist, dass ich diese Worte irgend­wo gehört habe? Schöne Worte, aber vom Ausster­ben bedro­ht, seit irgendw­er das «Prokras­tinieren» zum Trend aus­gerufen hat. Schon seit mehreren Jahren scheinen sich zwei Kün­stler damit auseinan­derzuset­zen, ohne vielle­icht je davon gehört zu haben: Markus Muntean und Adi Rosen­blum. Noch bis zum 1. Feb­ru­ar wid­met ihnen die Samm­lung Essl in Klosterneuburg bei Wien die Ausstel­lung «Between what was and what might be» mit teils eigens für diesen Anlass ent­stande­nen Gemälden sowie den Fil­men «Shround» und «Run», zweit­er­er eine Welt­premiere. Eine Ausstel­lung auch über die Jugend.

Ein Tag am See

Was so alles vorüberzieht, wenn einem das Leben ein wenig Zeit schenkt und der Wind nur kräftig genug weht. Mar­o­des Laub, Kinder mit Ahorn­nasen, Schil­fgeruch. Und Fra­gen. Kann man an einem radel­nden Pärchen erken­nen, wie ihre Beziehung funk­tion­iert? Spielt es eine Rolle, dass sie vorne wegfährt? Und er hin­ten Fax­en macht? Kann man bei den bei­den da vorne von den Anziehsachen auf den All­t­ag schließen? Von den Rollschuhen über den Wind­break­er bis zur Son­nen­brille der per­fek­tion­ierte Part­ner­look. Und ob die keifende Alte da ihren hüft­lah­men Mann vielle­icht doch liebt? Manche Men­schen genü­gen an solchen Tagen sich selb­st, manche brauchen ihre beste Fre­undin, den Hund, Sport. Manche hören an einem solchen Tag das Plätsch­ern der Wellen, manche nur das Hun­dege­bell, manche die keifende Alte hin­ter sich. Und an manchen weht ein Duft, eine vage Erin­nerung … vor­bei. Es ist lange her, dass ich Kinder mit Ahorn­nasen gese­hen habe. Von drüben, vom brüchi­gen Aus­flugs­dampfer, schwappt wie in Wat­te gepackt die Stimme des Ansagers ans Ufer. Der richtige Moment, das Leben neu zu ver­messen, darüber nachzu­denken, warum ich …