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»Und dann fauchte der Drache …«

Auch, wenn wir erst 1993 mit Vox den ersten Pri­vat­sender beka­men (wir kon­nten ihn über Antenne emp­fan­gen) und die Jahre vorher mit ARD, ZDF und dem WDR Vor­lieb nehmen mussten, war mein Leben schon früh von Wer­bung geprägt. Vielle­icht sog­ar stärk­er als heute, denn die weni­gen Spots, die etwa zwis­chen den Vor­abend­se­rien aus­ges­trahlt wur­den, bran­nten sich durch die gerin­gere Fre­quenz wohl noch etwas bess­er ins Hirn ein.

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Kom­men­tarspam in Weblogs scheint eine pri­ma beliebte Werbe­meth­ode zu sein. Das kann man hier, hier oder hier nach­le­sen. Und ich kann auch dur­chaus ver­ste­hen, wenn liebe Men­schen hier für «Ama­teur Top­less Teens» wer­ben wollen — oder für so segen­sre­iche Pro­duk­te wie Via­gra. Das kön­nte man in Rech­nung stellen, reich wer­den, glück­lich sein, Ziel­gruppe hin oder her. Was aber zum Teufel treibt jeman­den an, solche Kom­mentare zu posten: Kein­er der Links funk­tion­iert, und selb­st wenn, würde er nir­gend­wo hin­führen, die angegebene E‑Mail-Adresse ist falsch, inzwis­chen haben sich bei mir dutzende solch­er Kom­mentare ange­sam­melt. Ich muss das ja wahrschein­lich gar nicht ver­ste­hen, ich würde aber so gerne.

Kevin & Lisa

Lisa war Apples let­ztes Meis­ter­stück (1983–84), bevor die eigentliche Rev­o­lu­tion begann — der Apple Mac­in­tosh. Als ein­er der ersten PCs mit Maus und Betrieb­ssys­tem mit grafis­ch­er Benutze­r­ober­fläche war er eigentlich gut aus­ges­tat­tet, lei­der nur zu teuer (9995 Dol­lar) und daher ein Flopp für Steve Jobs. Ein ziem­lich großer sog­ar, denn die let­zten 2700 Lisas, so schreibt Torsten Bey­er, «hat Apple — und das ist wahrschein­lich einzi­gar­tig in der Geschichte des beman­nten Com­put­er­baus — auf einem Ack­er im Bun­desstaat Utah ver­graben. Was tut man nicht alles, um einen alten Rech­n­er von der Steuer abzuschreiben …» Doch schon damals wusste Apple: «Busi­ness as usu­al isn’t any­more. That’s why we make the most avanced per­son­al com­put­ers in the world. And why soon there’ll be just two kinds of peo­ple: Those who use com­put­ers — and those who use Apple.» Bloß, warum Kevin Kost­ner für diesen Rech­n­er einen Spot gedreht hat, und warum er darin am Tele­fon «Yes, I’ll be home for break­fast» sagen muss, wer­den wir wohl nie erfahren. Aber der Hund ist süß.

Schmock!

Das kleine Wörtchen »Schmock« stammt aus dem Jid­dis­chen und bedeutet ursprünglich soviel wie Tölpel oder Idiot, im mod­er­nen deutschen Sprachge­brauch wird es ähn­lich ver­wen­det. Der Münch­n­er Lokalbe­sitzer Flo­ri­an Gleibs hat es sich aus­geliehen und als Namen an sein Restau­rant gepappt, anscheinend nicht zu unrecht, wie man nun merken kann. Dieser cle­vere Geschäfts­mann hat näm­lich tat­säch­lich die Chuzpe und wirbt mit Plakat­en in der Münch­n­er Innen­stadt für seine Küche, auf denen die Sätze »Deutsche esst bei Juden« und »Deutsche trinkt bei Juden« zu lesen sind. Das Wort »Deutsche« ist dabei in his­torisieren­der Frak­tur geset­zt, eine Tat­sache, die die Assozi­a­tion mit dem Drit­ten Reich ger­adezu aufzwingt. Ent­wor­fen wur­den diese Pracht­stücke von zwei Mitar­beit­ern der Agen­tur Ser­vi­ce­plan, jedoch unter eigen­em Namen. Agen­­tur-Chef Flo­ri­an Haller wollte die Fir­ma in einem solchen Zusam­men­hang lieber nicht offiziell auftreten lassen, alleine das gibt zu denken. Nun muss man sich ohne­hin fra­gen, wie fern die deutsche Geschichte gerückt sein muss, damit eine solche Idee wirk­lich in die Tat umge­set­zt wird — nach Parolen wie »Deutsche, kauft nicht bei Juden« und ihren schreck­lichen Folgen. …