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Recycling

Diese Redak­tion ist sicher­lich nicht vor Irrtümern gefeit. Doch in der alltäglichen Werbe­do­sis eines bekan­nten, deutschen Pri­vat­senders fiel ein Spot ins Auge, der uns selt­sam bekan­nt vorkam. Der Sek­t­fab­rikant Kupfer­berg bewirbt in ihm sein Pro­dukt »Kupfer­berg Gold« und das, wie es scheint, bere­its zum wieder­holten Mal. Der Spot gle­icht näm­lich einem Film­chen aus Vor­wen­dezeit­en (max­i­mal lassen wir die Anfänge der 1990er Jahre gel­ten) beina­he bis aufs Haar, sprich­wörtlich gese­hen. Fröh­liche Men­schen mit Per­lenohrrin­gen und lange aus der Mode gekommen­er Mode freuen sich da über aufgepeppte Klas­sik, die Korken knallen hüb­sch im Takt, alles in allem eine schicke End-80er-Welt. Das erstaunlich­ste an dieser Wieder­hol­ung ist jedoch, dass die Wer­bung immer noch funk­tion­iert. Kein Wun­der, sieht sich die Mainz­er Kellerei doch als Pio­nier der Wer­bung, wie sie auf ihrer Inter­net­präsenz ein­drucksvoll unter Beweis stellt. Und daher ist es kein Wun­der, dass der Spot kaum etwas von seinem Charme und sein­er Wirkung ver­loren hat. Oder was glauben Sie, was seit heute Nach­mit­tag bei uns im Kühlschrank liegt?

Millimeterarbeit

Musik­grup­penbe­sitzer aufgepasst. Zumin­d­est, wenn Wer­be­fläche gesucht wird. Denn die Domain tenthousandbands.com bietet genau diese — auf Mil­lime­ter, respek­tive Pix­el genau zugeschnit­ten und mit passen­dem Logo auszus­tat­ten, wenn man solcher­lei Grafiken denn Logos nen­nen kann. Die Idee scheint nicht neu zu sein. Bere­its Alex Tew hat mit seinem Pro­jekt milliondollarhomepage.com Kle­inst­wer­be­flächen ver­mi­etet und seine Idee scheint von Erfolg gekrönt zu sein, ist doch die obere Hälfte der Seite bere­its belegt. Da scheint es höch­ste Zeit zu sein, meine Seite zu rastern und zu ver­mark­ten. Denn, wie Mr. Tew so schön aus­führt, geht es um ein Stück Inter­net­geschichte, das man so erobern kann. Genau da aber lehrt die Erfahrung, lieber die Fin­ger von zu lassen. Geschichte wieder­holt sich, und aus solchen Wieder­hol­un­gen hält man sich bess­er raus. Via openPR.de

Wer ist Deutschland?

Laut der gestern erst­mals geschal­teten Medi­en-Ini­­ti­a­­tive »Du bist Deutsch­land« lässt sich diese Frage recht ein­fach beant­worten. 25 Medi­enun­ternehmen und ein Dutzend Promi­nente haben einen Werbespot für Deutsch­land gedreht — ger­ade in ein­er Sit­u­a­tion, in der ohne­hin nicht klar ist, wer dieses Land wie weit­er­brin­gen kann. »Ziel der Kam­pagne ist es, in Deutsch­land eine neue Auf­bruch­stim­mung zu erzeu­gen«, so Organ­isator Bernd Bauer. Vor­bildlich waren dabei die Mitwirk­enden. Wed­er die Akteure, noch die Agen­turen von Ber­tels­mann und Jung von Matt sehen einen Pfen­nig Geld, auch Hon­o­rare für die son­st übliche Wer­bezeit wer­den nicht berech­net. Eine Kalku­la­tion schätzt den tat­säch­lichen Wert der gesamten Kam­pagne auf 30 Mil­lio­nen Euro. Fraglich ist, ob das Konzept aufge­ht und durch solche Kam­pag­nen (»Du bist Deutsch­land« läuft vier Monate lang auf allen wichti­gen Sendern) tat­säch­lich mehr Engage­ment und Auf­bruchsstim­mung entste­hen kann. Immer­hin, der Spot ist gelun­gen. Nicht zuviel Pathos, größ­ten­teils glaub­würdi­ge Promi­nente und ein guter Plot. Also denn, Du bist Deutsch­land! Nach­trag 20.37 Uhr: Der Spot zeigt Wirkung. Zurzeit scheint die Inter­net­seite des Pro­jek­ts auf­grund zu viel­er Zugriffe nicht erre­ich­bar zu sein.

Kreativer Protest

Wenn Parteien die Wahlwer­bung der Kon­tra­hen­ten kopieren oder auss­chlacht­en, so mag das den ein oder anderen Bürg­er über die nicht vorhan­de­nen Inhalte hin­wegtäuschen, mag so manch­es Ablenkungs­man­över funk­tion­ieren. Wenn aber der Bürg­er selb­st zur Tat schre­it­et und Wahlwer­bung verän­dert, dann kann das schon­mal eine Ausstel­lung füllen. So wie die Fotografien von FC Gund­lach, auf denen er zer­störte, bemalte, ver­fremdete Wahlplakate aus 30 Jahren Bun­destagswahlkampf fest­ge­hal­ten hat und die noch bis zum 29. Sep­tem­ber im Hüh­n­er­posten am Ham­burg­er Haupt­bahn­hof zu sehen sind. Adbust­ing heißt die Proze­dur im heuti­gen Sprachge­brauch, die sich inzwis­chen zu ein­er Art Sub­kul­tur entwick­elt hat. Ganze Teams arbeit­en die Umgestal­tun­gen aus, nicht das ein­fache Zer­stören, son­dern das Iro­nisieren ist vor­rangiges Ziel der Adbuster. Und so sind die Poli­tik­er auch nur das momen­tane, weil dankbare Lieblingsziel der Adbuster, die son­st auch vor kom­merzieller Wer­bung nicht zurückschreck­en. Gefährlich bleibt dieses »Hob­by« nach wie vor, stellt es doch keine bloße Sachbeschädi­gung dar, son­dern im Falle der Wahlwer­bung gar eine poli­tisch motivierte Straftat, die den Staatss­chutz auf den Plan rufen kön­nte. Suber­sives Deutsch­land, so kurz vor der Wahl.

Schweigen im Walde

Noch etwa einen Monat müssen wir alle so selt­same Wesen wie Figaro, den ver­rück­ten Frosch, Schnap­pi oder Tweety ertra­gen. Dann ist Schluss mit der Klin­gel­ton­wer­bung auf MTV und Viva. Zu schön, um wahr zu sein? Nein, die Musik­sender pla­nen tat­säch­lich eine Sper­rzeit für solche Spots, zwar nur für die Haupt­sendezeit zwis­chen 16 und 24 Uhr, aber immer­hin. Es scheint, als wären die finanziellen Erträge nicht hoch genug gewe­sen, um den anscheinend enor­men Imageschaden zu deck­en, den sich MTV und Co. einge­han­delt haben. Aber wird die Jugend Deutsch­lands nun erle­ichtert sein, oder Sturm laufen? Schließlich hat es ein Teil der bewor­be­nen Pro­duk­te sog­ar schon in die Charts geschafft. Und Pub­likum­slieblinge aus dem Pro­gramm zu nehmen, ist ja bekan­ntlich nicht immer unge­fährlich. Nach­trag: So eben, nach einigem weit­eren Stöbern lese ich fol­gen­des: Na danke Ihr Lieben! Viva liebt Dich nicht mehr…!