Author: Trotzendorff

Snarfer

Es gibt eine ganze Menge Feed-Read­­er auf dem Markt, die meis­ten sind umson­st und nicht son­der­lich brauch­bar, einige wenige sind gut aus­ges­tat­tet, kosten dafür aber Geld. Unter Lin­ux lässt sich das Prob­lem leicht lösen, Akre­ga­tor (inzwis­chen offline) ist gut und als Open­­Source-Lösung natür­lich umson­st. Unter Win­dows aber gab es lange Zeit keine Konkur­renz zum kostenpflichti­gen Feed­De­mon. Die Zeit­en sind vor­bei. Snar­fer (von engl. to snarf: stib­itzen, mausen, klauen, stehlen) heißt das kleine, gefräßige Ding. Und das macht es aus­ge­sprochen gut! Eine über­sichtliche Ober­fläche (inzwis­chen offline) arbeit­et auf nur 600 KB Spe­icher­platz, zurzeit mampft das possier­liche Geschöpf bei mir etwa 5672K Spe­ich­er. Die Feeds lassen sich gut sortieren, eine Such­funk­tion ist inte­gri­ert. Einige andere Funk­tio­nen wie die Ein­stel­lung eines Aktu­al­isierungsin­ter­valls oder das gle­ichzeit­ige Aktu­al­isieren aller Feeds wird in ein­er der kom­menden Ver­sio­nen einge­baut. Bish­er ste­ht ein­mal pro Stunde ein Refresh an, das genügt fürs Erste. Dafür hat der Snar­fer den großen Vorteil, nicht wie viele andere RSS-Read­­er auf das .NET-Frame­­work von Microsof­t­angewiesen zu sein. Und das soll, wie es scheint, auch so bleiben. Bish­er also scheint sich …

Fass oder Schnipsel?

Ich bin, neben eini­gen anderen Lastern, fleißiger und begeis­tert­er Wein­trinker. Als Rhein­län­der ist das natür­lich auch ein­fach. Kaum 30 Kilo­me­ter sind es bis zum Gut Mey­er-Näkel, knapp drei Stun­den bis zum Kloster Eber­bach, das Rhein­tal ist voll von Adressen guter Tropfen. Doch nicht immer hat man die Zeit, die Lust und das Geld, weite Wege auf sich zu nehmen und so kommt die ein oder andere Flasche eben aus dem Super­markt. Das Prob­lem: Nie­mand weiß, wie der Wein, den er im Dis­counter ger­ade gekauft hat, wirk­lich hergestellt wird. Während einige Tra­di­tion­al­is­ten Arbeit und Zeit investieren und ihren Reb­saft in Bar­rique-Fässern reifen lassen, ist es ger­ade in Übersee Gang und Gäbe, schlicht Holzschnipsel zum Wein zu geben, um ihm den typ­is­chen Geschmack zu geben. Nun kann man sich zurecht fra­gen, warum diese Meth­ode auf so wenig Gegen­liebe beim Ver­brauch­er stößt. Doch, wie Plus­mi­nus heute berichtet hat — Holzchips sind nur der Anfang. Denn das neue Han­delsabkom­men der EU mit den USA lässt auch Tech­niken zu, die den Wein in seine einzel­nen Bestandteile zer­legen (Wass­er, Alko­hol, Aromen), um …

Es geht voran

Wahlwer­bung ist lang­weilig. Auf allen Plakat­en schönge­föh­nte Men­schen unter immer­gle­ichen Slo­gans, das jew­eilige Parteil­o­go dazu, fer­tig. Ganz anders sah das noch vor achtzig Jahren aus. Da waren Wahlplakate Sache der Kün­stler, der Avant­garde. Mit 160 Arbeit­en zeigt die Lan­gen Foun­da­tion seit Son­ntag einen kleinen (!) Teil der Samm­lung Mer­rill C. Berman, »Graphis­che Arbeit­en der Avant­garde 1918–1934«. Da trifft man dann auf Hel­mut Herzfelds (aka John Heart­field) Plakat für Ernst Thäl­mann, auf dem ein klein­er, abgemagert­er Junge in ein Stück Brot beißt, über­schrieben mit: »Das let­zte Stück Brot raubt ihnen der Kap­i­tal­is­mus«. Doch nicht nur poli­tis­che Arbeit­en wer­den gezeigt, son­dern auch Wer­bung für Möbe­lausstel­lun­gen, Col­la­gen oder Arbeit­en für den Film wie Anton Law­in­skis Plakat für denEisen­stein-Streifen »Panz­erkreuzer Potemkin«. Alles war neu in dieser Zeit. Es gab das Neue Bauen, das Neue Wohnen, es ging voran, Kun­st und Gewerbe über­schnit­ten sich. Die Typographen exper­i­men­tierten mit Schriften und Schnit­ten, Dada stand in voller Blüte, und die Fotografie war mit 100 Jahren ein bere­its etabliertes aber immer noch span­nen­des Feld. All dies lässt sich in den Plakat­en und Grafiken …

Meinhof am Haken

Heute Abend hat im The­ater Bonn das neue Stück von Johann Kres­nik Pre­miere: »Ulrike Mein­hof« heißt es, man kön­nte es poli­tis­ches Tanzthe­ater nen­nen. Und es dürfte nach »Han­nelore Kohl« ein weit­eres Mal zu Diskus­sio­nen unter den Zuschauern und Kri­tik­ern führen. Bei der Deutsch­­land-Pre­miere 1990 in Bre­men gab es immer­hin Bomben­dro­hun­gen und Beschimp­fun­gen in Rich­tung der Tänz­erin­nen. Von Seit­en eines Pfört­ners. Mehr über brisan­ten Tanz und Kres­niks Moti­va­tion zu solchen Stück­en gibt es in einem Inter­view des WDR.

Wer ist Dein Feind?

Wenn ich nebe­nan in den türkischen Imbiss gehe und eine Falafel oder etwas Bakla­va kaufe, dann ste­ht vor mir mit großer Wahrschein­lichkeit ein Moslem. Ist er mein Feind? Wer den Karika­turen­stre­it ver­fol­gt und die Bilder der Nachricht­enkanäle dieser Tage sieht, kön­nte das denken. Aber wenn ich bezahlt habe und mich ver­an­schiede, spüre ich von alle­dem nichts. Und doch, Chris­ten und Moslems gehören unter­schiedlichen Kul­turen an. Vielle­icht sind es ger­ade die gewalt­täti­gen Demon­stra­tio­nen, die bren­nen­den Botschaften und Fah­nen, die uns klar machen, dass sich zwar wirtschaftlich und poli­tisch zusam­me­nar­beit­en lässt, die angestrebte Eine Welt ohne Gren­zen und Unter­schiede aber doch nicht mit weni­gen Schrit­ten zu erre­ichen ist. Die Filmemacherin Ayaan Hir­si Ali (drehte mit dem 2004 ermorde­ten Theo van Gogh»Sub­mis­sion (Part I)«), selb­st Mus­lim­in und bekan­nt für ihre islamkri­tis­che Hal­tung hat gestern in Berlin eine viel­beachtete, mutige Rede gehal­ten: »Schande über jene Zeitun­gen, die zu feige waren, ihren Lesern die Karika­turen zu zeigen«, sagte sie und sprach von kuschen­den Poli­tik­ern, der Zer­störung von Frei­heit und Demokratie und vom Recht, sich über Satire aufzure­gen, dass jedoch nicht wie …