Author: Trotzendorff

3… 2… 1… Heil!

Was wäre das Leben ohne eBay? Ich besäße nichts, fast nichts. Wie einige Redak­teure von »Report Mainz« jet­zt aber recher­chiert haben, wird das Online-Auk­­tion­shaus immer mehr auch zum Umschlag­platz für rechte Fanar­tikel. So haben die Kol­le­gen beispiel­sweise CDs der Grup­pen »Landser« oder »Kom­man­do Freisler« sowie Aus­gaben von Hitlers »Mein Kampf« erste­hen kön­nen. Im Moment find­et man bei der Suche nach Lunikoff (Derzeit inhaftiert­er Sänger von »Landser«) den fol­gen­den, stüm­per­haft getarn­ten Artikel: Nicht umson­st han­delt es sich bei der Auk­tion um eine nicht öffentliche: »Dies ist ein Ange­bot mit nicht öffentlich­er Bieter-/Käuferliste. Ihre Iden­tität wird lediglich dem Verkäufer mit­geteilt.« Der Zen­tral­rat der Juden übte wieder­holt scharfe Kri­tik, schon dreimal habe man ähn­liche Vorkomm­nisse gemeldet. Anscheinend aber gelingt es eBay trotz der eige­nen Richtlin­ien nicht, entsprechende Artikel mit­samt ihren Verkäufern vor die Tür zu set­zen. Via Han­dels­blatt Nach­trag | Mittwoch, 08.02.2006 — 18:50:33 Uhr: Der genan­nte Artikel wurde von eBay inzwis­chen ent­fer­nt. Man scheint dazuzuler­nen. Nach­trag | Fre­itag, 17.02.2006 — 16:18:01 Uhr: Für den Artikel sind einige Neue nachgerutscht. So beispiel­sweise ein T‑Shirt mit der Auf­schrift »Braun is beautiful« …

Blutgrätsche? Rot!

BMW hat nun tat­säch­lich die ganze Macht von Google zu spüren bekom­men. Seit der Nacht auf Sam­stag ist die Inter­net­seite bmw.de bei der Such­mas­chine nicht mehr zu find­en. BMW hat­te seine Seit­en bewusst als soge­nan­nte Door­way-Pages angelegt, eine Strate­gie, die bei Google nicht gerne gese­hen wird. Und so scheint der bayrische Auto­bauer nun nicht nur seinen Inter­ne­tauftritt umgestal­ten, son­dern zwecks Wieder­auf­nahme auch eigens einen Antrag stellen zu müssen. Das ist so pein­lich wie unpro­fes­sionell und für einen Konz­ern dieser Größenord­nung mehr als demüti­gend. Vor allem, weil sich die Fach­leute in München des Prob­lems dur­chaus bewusst gewe­sen sein müssten. Die harte Poli­tik von Google jeden­falls scheint Schule zu machen, man will aufräu­men mit Such­maschi­nenspam­mern und Link­far­men. Diesem Vorhaben ist schon automobile.de zum Opfer gefall­en und auch BMW wird wohl nicht lange alleine bleiben. Die Fre­unde des SEO wer­den sich etwas Neues aus­denken müssen. Bis zum näch­sten Foul. Bis zum näch­sten Pfiff.

Zimzimzim

Dada, so hat Hans Arp ein­mal gesagt, sei zwar Unsinn, aber noch lange nicht ohne Sinn. Und bis heute lässt sich der Dadais­mus kaum auf »zimz­im urul­lala zimz­im« oder die Protesthal­tung der Beteiligten ein­dampfen. In Zürich nun, mit dem Cabaret Voltaire Geburt­sort der Bewe­gung, feiert mor­gen der kleine Dada Kim Osari­men seinen ersten Geburt­stag, an dem Tag, an welchem der Dadis­mus 90 wird. Und sein Name ist kein Zufall. Die Eltern haben für diese Wahl vom Schweiz­er Kün­stler­duo Com&Com 10.000 Franken erhal­ten. Dafür wird sei­ther das Leben des Jun­gen gefilmt, notiert, ver­mark­tet. Alles aus der Überzeu­gung her­aus, dieses Pro­jekt lasse »gewisse Ideen und Strate­gien der dadais­tis­chen Bewe­gung neu aufleben«. Das ist hoch gegrif­f­en. Um das Ziel zu erre­ichen ist den Mach­ern zumin­d­est kein Ein­fall zu flach, inzwis­chen gibt es »Gugus Dada Song«, es gibt Schnuller und andere Fanar­tikel zu kaufen. Und auf die Frage nach dem Kun­stcharak­ter gibt die Inter­net­seite die lap­i­dare Antwort: »Die bei­den Autoren von Gugus­da­da, Johannes M. Hedinger und Mar­cus Gos­solt von der Kün­st­ler­gruppe Com&Com sind bei­de Konzep­tkün­stler.« Der kleine Dada kann …

Machtinstrument

Der Zeichen­s­tift ist ein mächtiges Werkzeug, vor allem für diejeni­gen, die keine Bilder ken­nen und wollen — sie fühlen sich belei­digt und ange­grif­f­en. Die in der Jyl­­lands-Posten veröf­fentlicht­en Mohammed-Karika­­turen erfüllen aber keinen strafrechtlichen Tatbe­stand und sind unan­tast­bar durch die Presse­frei­heit legit­imiert, die in Däne­mark noch um einiges bess­er geschützt ist, als hierzu­lande. Durch das Unver­ständ­nis auf bei­den Seit­en bleiben die Fra­gen nach Recht­fer­ti­gung und Sat­is­fak­tion die wichtig­sten Tage­sor­d­nungspunk­te im eskalieren­den Stre­it. Während es der logis­che Schritt für die Regierun­gen des Iran oder Libyens war, auf den ver­lock­end langsam fahren­den Zug aufzus­prin­gen und die Zeich­n­er (und mit ihnen gemein­sam die Zeitung, den Ver­lag und die Regierung) an den Pranger zu stellen, hätte der Umkehrschluss nicht gel­ten, die Karika­turen keine poli­tis­che Frage wer­den dür­fen. Erst durch die teils hil­flosen Beschwich­ti­gungsver­suche von europäis­ch­er Seite ist der Stre­it zu einem Poli­tikum gewor­den. Erst durch dieses Schuldeingeständ­nis hat man den Fun­da­men­tal­is­ten die Bühne zum Protest bere­it­et. Wie wohl hätte man im Nahen und Mit­tleren Osten reagiert, wenn die Europäer nach den Holo­­caust-Leug­­nun­­gen eines Mah­mut Ahmadined­schad auf die Straße gegan­gen wären, Muslime …

La toile, c’est moi!

Na pri­ma, ein­er der weni­gen Fre­itage ohne Süd­deutsche ste­ht mir bevor und dann kriegt man vor die Nase geset­zt, dass das ein Fehler war. Aus­gerech­net heute näm­lich rech­net Alex Rüh­le da mit den Blog­gern ab. Nein, Abrech­nung ist vielle­icht zu hart, er sagt Ihnen endlich ein­mal die Wahrheit. Über »Web 2.0«, das Gelobte Land der Inter­net­ge­meinde, über das Ende der Meta­physik und darüber, dass wir doch nicht die Stimme Gottes sind, son­dern nur die »Rit­ter der Schwafel­runde«. Dabei nimmt er den Blogs noch nicht ein­mal ihren Ein­fluss, der ja in eini­gen Fällen recht weitre­ichende Kon­se­quen­zen gehabt hat. Die meis­ten aber, und damit dürfte er zweifel­los Recht haben, sal­baderten lediglich selb­stre­f­eren­ziell vor sich hin. Und »der narzis­stis­che Glaube viel­er Blog­ger, schon im Moment ihrer Blogeröff­nung eine kri­tis­che poli­tis­che Gegenöf­fentlichkeit zu sein, die implizite Behaup­tung, das Medi­um selb­st sei Garant für bestechend unab­hängige Qual­ität und rit­ter­lich­es Tun, kann ermü­den«. Nicht nur das, es ist eine schlichte Lüge. Ich werde jet­zt erst­mal zum Kiosk wan­dern, mich ins Café Göt­tlich (sic!) set­zen, einen Schweinekaf­fee trinken und mir Her­rn Rühles …