Author: Trotzendorff

Entgrenzung

Es gibt The­ater­stücke, die bere­its im Namen ver­rat­en, was auf den Besuch­er zukommt. Peter Hand­kes »Pub­likums­beschimp­fung« war so ein Fall oder näher an der Gegen­wart auchKristof Mag­nus­sons »Män­ner­hort«. Eigentlich also hätte man auch bei Eugene Ionescos»Das große Mas­sak­er­spiel. Oder Tri­umph des Todes« am Frank­furter Schaus­piel mit allem rech­nen müssen, oder sagen wir mit fast allem. Denn was der Kri­tik­er Ger­hard Stadel­maiervor der Pre­miere nicht ahnen kon­nte, war der tätliche Angriff, den er erleben musste — von einem Schaus­piel­er. Das mag zum Einen daran gele­gen haben, dass in Frank­furt anstelle des ange­set­zten Stücks »offen­bar ein Anti-Stück mit dem unge­fähren Arbeit­sti­tel ›Ent­gren­zung‹ oder auch ›Aufhe­bung des The­aters‹« gespielt wurde. Oder daran, dass Herr Stadel­maier selb­st für ges­tandene Akteure ein zu har­ter Gegen­part ist, »als ein­er der bekan­ntesten Kri­tik­er der Repub­lik für seine Urteile unter den The­ater­ma­ch­ern gefürchtet«. Die Aktion von Thomas Lawinky aber ist ein­fach nur unter aller Sau unter allem Kanon. Ich zitiere, erstens zum Inhalt, zweit­ens zum Geschehen: Wom­it er zweifels­frei Recht hat. Und ich glaube, ich würde auch nicht ger­ade fein­füh­lig reagieren, wäre mir …

Tal der Doppelmoral

Kaum ist der Film »Tal der Wölfe« in den Kinos, bricht ein Sturm der Empörung los. Man ist sich einig. Der Film ist gewaltver­her­rlichend, anti­amerikanisch, blutrün­stig. Und damit haben die Kri­tik­er auch Recht. Es wun­dert nur, dass aus­gerech­net jet­zt der Auf­schrei kommt, wo alles von Presse­frei­heit, Mei­n­ungs­frei­heit und der­gle­ichen redet. Gilt diese Frei­heit denn für das Kino nicht? Die FAZ schreibt vorgestern über den türkischen Spielfilm, er schock­iere »mit blutigem Anti­amerikanis­mus und anti­semi­tis­chen Stereo­typen.« Weniger deut­lich for­muliert, »jedoch stets im Sub­text von Bildern und Dia­log enthal­ten«, sei das »Plä­doy­er des Films für den türkischen Nation­al­is­mus.« Der WDR verurteilt »Tal der Wölfe« als Pro­pa­gan­da, für den Spiegel dient er einzig und allein dazu, beste­hende Gräben zwis­chen den Kul­turen zu ver­tiefen. Kino aber darf das. Soviel Ehrlichkeit muss wohl sein. Man muss solche Filme nicht mögen und soll sie disku­tieren, doch moralis­che Argu­mente sind hier so ehrlich wie Sil­vio Berlus­coni im Wahlkampf. Ein klein­er Blick auf amerikanis­che Pro­duk­tio­nen verdeut­licht, was hier so alles über die Laden­theke geht, ohne Gegen­wehr zu erre­gen. Der 2001 gedrehte Film »Behind Ene­my Lines« …

Scharf geritten

Vorgestern habe ich an dieser Stelle über die ver­schiede­nen Möglichkeit­en geschrieben, Wein ein gutes Aro­ma zu ver­lei­hen. Hätte ich nur gewusst, was das alles für Aromen sein kön­nen! Wärend mein­er ein­er schon bei den Unter­schieden zwis­chen Heu und geschnit­ten­em Gras, Aromen wie Sauer­kraut, Artischocke oder Schweiß (siehe auch den Aro­makreis für Profi-Som­me­liers) aufhört, mitre­den zu wollen, machen andere noch viel aber­witzigere Ent­deck­un­gen. Denn wie ich heute lesen muss, hat doch tat­säch­lich die Autorin Bar­bara Supp im Spiegel von Tröpfchen geschrieben, die nach »scharf gerit­ten­em Damen­sat­tel« schmeck­en. Unab­hängig davon, dass ich nur zu gerne wüsste, woher die Tester, die dies geschmeckt haben, ihre reich­halti­gen Erfahrun­gen nehmen, würde mich doch auch inter­essieren, warum man solche Weine kauft. Mag aber auch sein, dass der »scharf gerit­tene Damen­sat­tel« ein­fach nur »Led­er« bedeutet, wom­it er, nach dem Aro­makreis zwis­chen geräuchertem Speck und Teer gele­gen, wohl kaum mehr etwas Beson­deres wäre.

Harte Nuss

Rät­sel sind ein beliebter Zeitvertreib, ob in Kreuz­form oder als Geschichte, mit Zahlen gespickt oder mit Bildern. Bei fast allen aber kommt man nach abse­hbar­er Zeit ans Ziel, die Lösung. Nicht so bei »not prOn«, dem wohl härtesten Online-Rät­sel der Welt. Es ist eigentlich ein­fach gestrickt, auf jed­er Stufe erwartet einen ein Bild und es geht immer darum, eine Stufe weit­er zu kom­men. Wenn das denn mal alles wäre. Aber keine Sorge, es gibt für jedes Lev­el einige Hin­weise, und zumin­d­est Schritt für Schritt kommt man auch voran. Das Sucht­po­ten­tial scheint so groß zu sein, dass neben dem ein oder anderen Weblog auch der Spiegel das Spiel für abso­lut gefährlich hält. Inzwis­chen bin ich immer­hin bis Lev­el 4 gekom­men, das ging schnell, und so arbeite ich fleis­sig am Weg zu Lev­el 5. Es soll schon Leute gegeben haben, die Monate mit diesem Spiel ver­bracht haben. Also dann, auf geht’s!

Mit den eigenen Waffen

Bish­er gab es im Karika­turen­stre­it um die Mohammed-Zeich­­nun­­gen der Jyl­­lands-Posten nicht viel zu lachen. Und das, obwohl doch die Karikatur fol­gen­der­maßen definiert wird: Nun aber hat endlich jemand seinen Humor wiederge­fun­den. Ami­tai Sandy aus Israel ruft zu einem anti­semi­tis­tis­chen Karika­­turen-Wet­t­be­werb (inzwis­chen offline) auf, als Reak­tion auf den im Iran stat­tfind­en­den Holo­­caust-Karika­­turen-Wet­t­be­werb. Denn sein­er Mei­n­ung nach könne nie­mand bessere anti­semi­tis­che Karika­turen zeich­nen, als die Juden selb­st. Zitat: Einige Beiträge sind schon einge­gan­gen, in den näch­sten Tagen sollen die auf der Inter­net­seite boomka.org (inzwis­chen offline) veröf­fentlicht wer­den. Via wildbits