Author: Trotzendorff

Grobkariert

Da reden Sie alle vom Inter­net und der immer­währen­den Ver­füg­barkeit von Infor­ma­tio­nen und Din­gen, als sei das Netz ein Selb­st­be­di­enungsladen ohne Anfang und Ende. Doch sie lügen sich und uns in die Tasche — Gegen­beispiele sind schnell gefun­den. Wie dieser Schal, der mir an Alfre­do Häberlis Hals per Wer­be­prospekt ins Haus flat­terte. Gewor­ben wurde für Geschirr von Iit­ta­la, das allerd­ings — ohne damit seinen Reiz schmälern zu wollen — tat­säch­lich immer­während ver­füg­bar ist, ob im Inter­net oder per Einzel­han­del. Der Schal aber war nir­gends zu find­en. Nun gut, wir haben Her­rn Häber­li aber auch unter­schätzt, in einem Mann seines Kalibers einen Burber­ry- oder Paul-Smith-Kun­­den zu ver­muten … Die let­zte Chance also war der Meis­ter selb­st. Und auf die E‑Mail mit der etwas skur­rilen Anfrage, was für einen Schal er denn da getra­gen habe, als Shoot­ing und Inter­view für Iit­ta­la stattge­fun­den hat­ten, kam tat­säch­lich auch zügig Antwort aus Zürich. Ein Mitar­beit­er seines Büros erk­lärte mir fre­undlich, nein, so ungewöhn­lich sei die Anfrage gar nicht, die bekäme man nicht zum ersten Mal, der Schal stamme aus der …

Going home oder: Wieder Mädschenjournalist

Man kön­nte es ein kurzes Vergnü­gen nen­nen, tat­säch­lich aber haben sich die let­zten zehn Monate doch eher wie türkisches Eis in die Länge gezo­gen. Waren also dur­chaus leck­er. Sel­ten in so kurz­er Zeit so viel gel­ernt, gelit­ten, geflucht und ges­taunt. Jet­zt aber ist es auch mal gut, nun müssen Opel, die Rezes­sion und all die Bankman­ag­er dies­seits und jen­seits wieder ohne mich auskom­men. Ich kehre dem Mam­mon den Rück­en und heim in das Medi­en­res­sort. Bald darf ich wieder Abhand­lun­gen und Betra­ch­tun­gen über Geschriebe­nens, Geblog­gtes, Getwit­tertes und Gedreht­es ver­fassen, wozu hat man sowas son­st auch gel­ernt? Und ich dürfte mir das Wörtchen «Medi­en­jour­nal­ist» über mein Blog pin­nen. Das aber dann nicht nur ständig über mir schweben, son­dern auch immer und immer wieder von mein­er inneren Stimme rez­i­tiert zwis­chen linkem und recht­en Schläfen­lap­pen herum­sausen würde. Und da klingt das lei­der wie «Mäd­schen­jour­nal­ist». Soweit hat mich das säch­sis­che Exil schon versaubeutelt.

Die brotlose Kunst ist eine kotlose Brunst

Lassen Sie diesen Text doch bitte ein­fach mal auf sich wirken: «Jet­zt hat er es geschafft, der baum­lange ver­rück­te Deutsche aus dem hohen Nor­den: Roman Schatz, der einzige deutsche Best­seller­autor und TV-Star in Finn­land, erobert endlich auch die eigene Bana­nen­re­pub­lik Deutsch­land. Der Song ‹Edel sei der Men­sch› — das Lied­chen beste­ht ganz aus Schüt­tel­reimen — ist seit Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts. Der exildeutsche Schrift­steller, TV-Mod­­er­a­­tor, Pro­duzent, Schaus­piel­er und Musik­er lebt seit über zwanzig Jahren in Finn­land. Er meint: ‹Deutsch­land saugt. Und zwar lei­der an der falschen Stelle. Nur die Sprache ist geil.› ‹Am lieb­sten mit einem Bein in Finn­land und mit einem in Deutsch­land, dann hängt die Mitte schön kühl über der Ost­see› Und sein armer klein­er, gross­er Brud­er muss den ganzen Unfug mit anse­hen.» Sie haben natür­lich längst gemerkt, worum es hier geht: Um den Som­mer­hit 2009, «Edel sei der Men­sch», von eben diesen Schatz-Brüdern. Auf www.schatz.de/edel/ gibt es in ein­er 192kbps-Var­i­ante einen ersten Ein­druck, in ein­er 64kbps-Var­i­ante die Vol­lver­sion und das Ganze noch ein­mal zum Mitle­sen. Im Som­mer geht es …