Author: Trotzendorff

Brichst Du auf gen Halbfinale …

Brichst du auf gen Halb­fi­nale, wün­sch dir eine lange Par­tie, voller Elfme­ter und gelun­gener Abseits­fall­en. Die Mes­sis und Hen­rys, den zorni­gen Rober­to Roset­ti fürchte nicht, solcher­lei wirst du auf dein­er Fahrt nie find­en, wenn dein Denken hochges­pan­nt, wenn edle Regung deinen Geist und Kör­p­er anrührt. Den Mes­sis und Hen­rys, dem wüten­den Rober­to Roset­ti wirst du nicht begeg­nen, falls du sie nicht in dein­er Seele mit dir trägst, falls deine Seele sie nicht vor dir auf­baut. Wün­sch dir eine lange Par­tie. Der Abende möcht­en viele sein, da du, mit welch­er Freude und Zufrieden­heit! in nie zuvor gese­hene Sta­di­en ein­fährst; halte ein bei den Are­nen der Spanier und erziel die schö­nen Tore, Eck­en und Flanken, Abseits­fall­en, Hack­en­tricks und erre­gende Spielzüge aller Art, so reich­lich du ver­magst, erre­gende Spielzüge; besuche viele Sta­di­en in Eng­land, damit du von den Eingewei­ht­en lernst und wieder lernst. Immer halte Rom im Sinn. Dort anzukom­men, ist dir vorbes­timmt. Doch beeile nur nicht deine Reise. Bess­er ist, sie dauere viele Minuten; und alt gewor­den lege am Sta­dio Olimpi­co an, reich an dem, was du auf dein­er Fahrt gewannst, und hoffe nicht, …

Roboter, alles Roboter!

Vor­sicht, ver­all­ge­mein­ernde Ein­leitung, die auch noch längst bekan­nte und deshalb nicht mehr als Weisheit­en zu beze­ich­nende Wahrheit­en enthält: Die Automa­tisierung unser­er Gesellschaft hat in den ver­gan­genen Jahren mit ein­er beängsti­gen­den Geschwindigkeit beängsti­gende Aus­maße angenom­men. Das wis­sen vor allem diejeni­gen, die schon ein­mal mit Abteilun­gen namens «Sup­port» zu tun gehabt haben. Also eigentlich alle. Ich mei­de diese Abteilun­gen so gut es geht, doch nicht immer gelingt das. Am Sam­stag zum Beispiel (allein daran sieht man schon, dass Sup­­port-Abteilun­­gen in Sachen Automa­tisierung Vor­re­it­er sein müssen) habe ich eine E‑Mail erhal­ten, die mit den fol­gen­den fre­undlichen Worten begann: Man stelle mir 17,94 Euro für weit­ere sechs Monate pro­fes­sionelles Mailen in Rech­nung, teilte mir «meine» GMX Inter­net Ser­vices GmbH mit fre­undlichen Grüßen mit. Und das, obwohl ich diesen Ser­vice vorauss­chauend schon vor langer Zeit abbestellt hat­te. Nach ein­er kurzen Nachricht an den Rech­nungssup­port bekomme ich heute eine zweite Mail, ohne weit­ere Mit­teilung, ohne Erk­lärung. Nur diesen Text: Robot­er, alles Robot­er! Aber wenig­stens arbeit­en die auch an Feiertagen.

«Ich hab da extra auf den Marktplatz gespuckt»

»Hast Du Dein Dings­da? Wie heißt das denn nochmal? Dieses Fahrkar­ten­teil … Navi!« // »Reiben oder Tupfen? Sag mal schnell ein­er!« // »Wer ist denn eigentlich dieser Uwe Mojela?« — »Uns Uwe?« // »Was würde Kant wohl dazu sagen?« — »Er würde sagen: fickt euch.« // »Halt jet­zt mal meine Hand! Wir sind in der Innen­stadt, falls Du’s noch nicht gecheckt hast.« // »Das ist die reine Ver­nun­ft, dass ich für Bay­ern bin, der Pott muss ein­fach nach Deutsch­land.« — »Du meinst, heim ins Reich?« // »Die Zeit verge­ht. Wie schnell ist nichts getrunk­en.« // »Guten Mor­gen! Bei­ihneneinen­wun­schkaf­fee?« // »Ich bin ja eher ein san­ft­mütiger Men­sch. Bis ich eine Pack­ungs­beilage zusam­men­falte.« // »Luca Toni kommt aus Mod­e­na, da bin ich ganz sich­er. Ich hab da extra auf den Mark­t­platz gespuckt.« // »Guck mal, ein Tier­arzt für Zoo- und Wildtiere. Da kön­nte ich das Zebra abgeben, dass ich ger­ade gegessen hab. Ich glaub, dem geht’s nicht so gut.« Das Orig­i­nal dieser Rubrik find­en Sie als «Dialogfet­zen» bei der Gefühlskonserve.

Die reine Essenz der Britishness

Wer ein­mal vor den trau­ri­gen Über­resten von Brightons «West Pier» ges­tanden hat, diesem verkohlten gus­seis­er­nen Skelett, dass da aus dem Wass­er ragt, kann sich kaum vorstellen, dass die ein­stige Touris­te­nat­trak­tion jemals wieder zum Leben erwachen kön­nte. Doch es gibt Men­schen, die genau davon träu­men, die dieses gespen­stis­che Mon­strum wieder auf­bauen wollen — Der «Brighton West Pier Trust» zum Beispiel. Sie klam­mern sich an den Denkmalschutz, der den Abriss ver­hin­dert. Vielle­icht ver­ste­ht man das bess­er, wenn man die Geschichte des Piers ken­nt, der 1866 erbaut und 1975 aus Sicher­heits­grün­den geschlossen wurde. Den Wellen und dem Sturm preis­gegeben ver­fiel er Jahr für Jahr, stürzte teil­weise ein wurde durch Brand­s­tiftung zulet­zt fast voll­ständig niederge­bran­nt, während der «Palace Pier» nebe­nan, heute «Brighton Pier» genan­nt, mit zwei Mil­lio­nen Besuch­ern jährlich zu den meist­be­sucht­en Attrak­tio­nen in Sus­sex wurde.

Grüne Hierarchie

Von wegen alter­na­tiv, alles kann bei den Grü­nen ja auch nicht anders sein. In der Geschäftsstelle der Umwelt­partei etwa herrscht eine klas­sis­che Hier­ar­chie, wie son­st wohl wäre diese E‑Mail zu deuten: Die Volon­tärin, na klar.