Möge der Saft mit Euch sein (3)
«Brüder, zur Sonne, zur Freiheit! Brüder, zum Lichte empor!» Manchmal glaube ich, dieses Lied aus unserer Küche zu hören. Doch wenn ich dann durch die Tür komme, ist alles mucksmäuschenstill. Offensichtlich ist zudem, dass nicht in allen Töpfen gesungen wird, guckt man sich an, was für unterschiedliche Fortschritte die kleine Chili-Kommune macht. Während die «Jalapeño»- und die «Anaheim»-Gruppe sich zum Beispiel Stück für Stück nach oben arbeiten und inzwischen bei offiziell bestätigten 6,0 beziehungsweise 4,9 Zentimetern über Normalnull sind, ist Kamerad «Demon Red» erstens noch immer alleine und zweitens noch ziemlich niedlich. Ich glaube ja, das ist eine Falle. Bestimmt hat dieses kleine Biest seine «Brüder», noch unter der Erde, still und heimlich abgemurkst, um in ein paar Monaten pfeifend und harmlos dreinblickend im Topf herumzustehen und zu warten, bis ich die — wahrscheinlich einzige — Frucht pflücke und verspeise. Mit der aber könnte man, da bin ich jetzt schon sicher, ganz großes Unheil anrichten. Der will mich fertigmachen. Die Inderin Anandita Dutta Tamuly hat übrigens kürzlich in zwei Minuten 51 Chilischoten verspeist, um damit ins …