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Auf und ab oder: Warum auch Biber vegan sein können (Adé, Filet — Teil 2)

Ich bestelle das teuer­ste Gericht auf der Karte. Nicht, weil ich es gern dekadent habe, son­dern weil es — neben einem gemis­cht­en Salat — das Einzige ist, das veg­an sein kön­nte. 26 Franken und 50 Rap­pen ste­hen daneben, nach aktuellem Wech­selkurs sind das etwa etwa 21,60 Euro. Für den Preis freue ich mich auf einen über­wälti­gen­den »Gemüseteller mit Bratkartof­feln«. Ich werde nicht ent­täuscht. Der Teller ist über­wälti­gend — schlicht. Gedämpfter Brokkoli und Blu­menkohl liegen neben ein paar Stück­en Karotte, Zuc­chi­ni und Kohlra­bi, dazu ein Schüs­selchen kleine Kartof­feln und ein Saucen-Töpfchen mit ein­er orange­far­be­nen Creme. Ob irgen­det­was bei dem Gemüse dabei sei, habe ich die Kell­ner­in vorher gefragt und ich lerne an diesem Abend, dass ich ganz ein­fach präzis­er wer­den muss. Das Gemüse ist mit ein­er hauchdün­nen Schicht Schweiz­er Käse über­zo­gen, was in der Creme ist, lässt sich nicht erah­nen. Jede Pack­ung drehe ich dreimal um Zwei Tage in Basel wer­den mir zeigen, wie gut vor­bere­it­et Veg­an­er auf Reisen offen­bar sein müssen. Der einzig veg­ane Snack, den ich in einem zen­trum­sna­hen COOP finde, ist ein Bio-Biber, …

»Salva & Suc« oder: Wie ich mich mit der kalabrischen Mafia anlegte (Adé, Filet — Teil 1)

Der Kell­ner mit dem unüberse­hbaren Tat­too auf dem Unter­arm wird mich heute Abend noch töten. »Sal­va & Suc« ste­ht da — zumin­d­est, wenn ich die schwarze Frak­turschrift richtig entz­if­fere. Bes­timmt die Losung irgen­dein­er kal­abrischen Mafia-Dynas­tie, und genau die habe ich ger­ade offen­bar auf’s Blut belei­digt. Ver­mut­lich ist es seine Mut­ter, die in der Küche ste­ht und kocht, und die wird gar nicht erfreut sein, wenn sie hört, was ich ihren Lieblingssohn ger­ade gefragt habe. »Was ist das, veg­an?«, knur­rt er. »Kein Fleisch, kein Käse, keine Milch­pro­duk­te, keine Eier«, antworte ich leise und sehe, wie ein mitlei­di­ges Lächeln über sein Gesicht huscht. »Sie wer­den was find­en in der Karte«, gibt er kurz ange­bun­den zu Pro­tokoll — und ich weiß, die Diskus­sion ist been­det, bevor sie über­haupt begonnen hat. Vor­sichtig frage ich noch nach, ob denn die Tomaten­sauce veg­an sei oder ob da vielle­icht But­ter drin ist, damit aber habe ich endgültig mein Todesurteil unter­schrieben. But­ter in der Tomaten­sauce! Genau­so gut hätte ich ihn fra­gen kön­nen, ob seine Mut­ter auch so hässlich ist wie er. Dabei sieht …

Adé, Filet

Auf den ersten Blick ist der Mai ein denkbar ungün­stiger Monat für Exper­i­mente. Ein Woch­enende Basel ste­ht gle­ich am Anfang auf dem Pro­gramm, dazu kom­men die re:publica in Berlin und eine Verabre­dung zum Aben­dessen in Bonn — und auch das ständi­ge Pen­deln zwis­chen Köln, Kas­sel und Han­nover macht mir noch ein biss­chen Sor­gen. Und doch wollen wir uns im Mai einen Monat lang veg­an ernähren. Ein Monat lang kein Fleisch, kein Fisch, keine Eier und keine Milch­pro­duk­te. Ob und wie das funk­tion­iert, welche Hür­den wir dafür nehmen müssen und wo wir an Gren­zen stoßen — all das werde ich hier aufschreiben.

Frenchpresso

Als James Free­man, der Besitzer des »Blue Bot­tle Café« in San Fran­cis­co, vor eini­gen Jahren eine Kaf­feemas­chine aus Japan importieren wollte, musste er lange bet­teln. »If you just want equip­ment you’re not ready«, sagte Herr Ega­mi von der Ueshi­ma Cof­fee Com­pa­ny, dem Her­steller der Mas­chine. Nun war die zwar auch kein Stan­dard­mod­ell, doch selb­st beim Blick auf die Liste der Fea­tures (»brass-trimmed halo­gen heat­ing ele­ments, glass globes and bam­boo pad­dles«) erscheint der Preis von 20.000 Dol­lar nicht real­is­tis­ch­er. Doch Herr Ega­mi hat­te natür­lich insofern recht, als es nicht um die Tech­nik geht, son­dern das Ergeb­nis. Es geht um guten Kaf­fee. Und in diesem Fall ist tat­säch­lich kein Espres­so gemeint, der — außer in Finn­land — den klas­sis­chen Fil­terkaffe mehr und mehr ver­drängt. Nun habe ich wed­er 20.000 Dol­lar zu viel auf dem Kon­to, noch genü­gend Platz für Jay Egamis Mas­chine. Doch ich habe ein Faible für Kaf­fee und bin neugierig auf Brüh­meth­o­d­en jen­seits von Omas Porzel­lan­fil­ter oder der oblig­a­torischen Bialet­ti. Und genau hier kommt die Aero­Press ins Spiel. Sie kostet 28,90 Euro und kocht — …

Scapa

Scapa Flow, eine Bucht im Süden der Orkney-Inseln, ist ein his­torisch­er Ort. Im eisi­gen Wass­er liegen hier nicht nur Schiffe der kaiser­lichen Hochseeflotte, son­dern auch das britis­che Schlachtschiff HMS Roy­al Oak, das 1939 von einem deutschen U‑Boot versenkt wurde — und so hat Scapa Flow seinen fes­ten Platz in den Geschichts­büch­ern. Weit weniger bekan­nt ist jedoch, das hier — an der Wasserverbindung zwis­chen Nord­see und Atlantik — in ein­er Bucht der größten Orkney-Insel Main­land gle­ich zweimal Whisky pro­duziert wird. Während die deut­lich größere der bei­den Orkney-Des­til­le­rien, High­land Park, zu den meist­be­sucht­en Sehenswürdigkeit­en der Insel­gruppe gehört, hat sich die Bren­nerei Scapa in den ver­gan­genen Jahren still und heim­lich wieder nach oben gear­beit­et. Wieder — weil in dieser Des­til­lerie, obwohl schon 1885 gegrün­det, zwis­chen 1994 und 2004 gar kein Whisky gebran­nt wurde. Seit sieben Jahre aber pro­duziert ein kleines, vierköp­figes Team um Stu­art Pirie wieder Sin­gle Malt, unter anderem einen großar­ti­gen 16-jähri­­gen. Übri­gens: Auch durch die über­schaubare Anzahl von Mitar­beit­ern bei Scapa wird High­land Park bis auf weit­eres Inse­lat­trak­tion Num­mer 1 bleiben — Scapa ist für Touristen …