All posts filed under: Wort & Tat

La toile, c’est moi!

Na pri­ma, ein­er der weni­gen Fre­itage ohne Süd­deutsche ste­ht mir bevor und dann kriegt man vor die Nase geset­zt, dass das ein Fehler war. Aus­gerech­net heute näm­lich rech­net Alex Rüh­le da mit den Blog­gern ab. Nein, Abrech­nung ist vielle­icht zu hart, er sagt Ihnen endlich ein­mal die Wahrheit. Über »Web 2.0«, das Gelobte Land der Inter­net­ge­meinde, über das Ende der Meta­physik und darüber, dass wir doch nicht die Stimme Gottes sind, son­dern nur die »Rit­ter der Schwafel­runde«. Dabei nimmt er den Blogs noch nicht ein­mal ihren Ein­fluss, der ja in eini­gen Fällen recht weitre­ichende Kon­se­quen­zen gehabt hat. Die meis­ten aber, und damit dürfte er zweifel­los Recht haben, sal­baderten lediglich selb­stre­f­eren­ziell vor sich hin. Und »der narzis­stis­che Glaube viel­er Blog­ger, schon im Moment ihrer Blogeröff­nung eine kri­tis­che poli­tis­che Gegenöf­fentlichkeit zu sein, die implizite Behaup­tung, das Medi­um selb­st sei Garant für bestechend unab­hängige Qual­ität und rit­ter­lich­es Tun, kann ermü­den«. Nicht nur das, es ist eine schlichte Lüge. Ich werde jet­zt erst­mal zum Kiosk wan­dern, mich ins Café Göt­tlich (sic!) set­zen, einen Schweinekaf­fee trinken und mir Her­rn Rühles …

Mogelpackung

Bei jed­er Durch­fahrt durch Schweiz­er Land­schaften — beson­ders auf­fäl­lig bei Reisen mit dem Zug — ärg­ere ich mich über die mit Indus­triege­bi­eten vollgestell­ten, wun­der­schö­nen Täler. Dieser Ärg­er resul­tiert jedoch nur aus der Freude über die ach so hüb­schen, deko­ra­tiv verzierten, alt­modis­chen Gebäude in Hügel- oder Hanglage. Alles Illu­sion, wie ich jet­zt erfahren muss! Eine ganze Unzahl dieser schmuck­en Bauw­erke ent­pup­pt sich auf nähere Sicht als Bunker, als »Falsche Chalets«. Vom Schweiz­er Mil­itär umgestal­tet zieren sie die Berge, zer­stören die Ver­trautheit, denn hin­ter den aufge­mal­ten Gar­di­nen sitzt keine glück­liche Fam­i­lie, hin­ter dem gar nicht vorhan­de­nen Tor schlafen keine Kühe. Hier saß die Schweiz­er Armee und hat ihr Land vertei­digt. Gute Idee! Der Fotograf Chris­t­ian Schwa­ger hat sich auf die Suche nach diesen Chalets und Sche­unen gemacht und sie in einem Buch ver­sam­melt. Ein desil­lu­sion­ieren­des Werk, aber span­nend und auf jed­er Seite über­raschend, abgerun­det mit einem erläutern­den Text von Gerold Kunz. Ich werde nie wieder mit dem­sel­ben Blick durch die Schweiz fahren kön­nen. Chris­t­ian Schwa­ger: »Falsche Chalets«, Edi­tion Patrick Frey Zürich, mit einem Text von Gerold Kunz, 144 …

Werden Sie Held!

Vor eini­gen Tagen habe ich bei eBay eine dur­chaus bemerkenswerte Auk­tion ent­deckt, sie jedoch für das Werk eines notlei­den­den Ama­teurs gehal­ten. Da wird die Chance ver­steigert, einem noch nicht existieren­den Roman­helden seinen Charak­ter zu lei­hen. O‑Ton: »Ich bin ein deutsch­er Schrift­steller und ver­steigere an den Höch­st­bi­etenden die Rolle in einem Roman. Die Rolle kann Ihren Wün­schen entsprechen und Ihren Namen tra­gen; Sie kön­nen etwas sein, was Sie immer schon sein woll­ten.« Nun gut, die Idee ist nicht schlecht. Außer­dem han­delt es sich inter­es­san­ter­weise zwar tat­säch­lich um einen notlei­den­den Autor, jedoch keineswegs um einen Ama­teur, wie ich gestern aus der FAZ erfahren durfte. Die Idee zu dieser Auk­tion stammt von Alban Niko­lai Herb­st, der eigentlich Alexan­der Michael von Ribben­trop heißt, einem Großn­ef­fen Joachim von Ribben­trops, des deutschen Außen­min­is­ters unter Hitler. Das zumin­d­est erk­lärt die explizite Zusatzbe­merkung »Gestal­tungswün­sche, die gegen beste­hen­des Recht ver­stoßen oder in irgend ein­er Weise nation­al­sozial­is­tis­ches Gedankengut zu trans­portieren helfen, wer­den nicht berück­sichtigt.« Anscheinend, und da wird es inter­es­sant, ist aber noch gar nicht so sich­er, ob der so erfun­dene Roman­held, respek­tive die Heldin …

Steigbügelhalter

Google ist in Chi­na mit sein­er neuen Such­plat­tform google.cn online gegan­gen und hat sich dabei den Vorge­hensweisen von Yahoo und Microsoft angepasst. Genau wie diese hat der US-Konz­ern der Regierung in Peking näm­lich zuge­sagt, Such­fil­ter nach jew­eiligem staatlichen Gut­dünken anzuwen­den, sodass poli­tisch heik­le The­men wie Tibet oder die Inter­net­seit­en regimekri­tis­ch­er Jour­nal­is­ten in den Suchergeb­nis­sen erst gar nicht auf­tauchen. Google hat sich endgültig zum Steig­bügel­hal­ter Pekings degradiert, das will so gar nicht zur Fir­men­philoso­phie »Tu nichts Bös­es« passen, die man sich in Moun­tain View auf die Fah­nen geschrieben hat. Und es lässt ein ungutes Gefühl im Bauch zurück, wenn man an die kür­zliche Forderung der US-Regierung denkt, Mil­liar­den von Such­dat­en her­auszugeben, der Microsoft und Yahoo bere­its nachgegeben haben. Dieser einst große Schritt ist für Google nun winzig gewor­den. Via netzpolitik.org

Überfluss

Ich weiß, ich werde nicht behaupten kön­nen, ich habe von nichts gewusst. Die Prü­fun­gen ste­hen an und das bedeutet Ler­nen. Ler­nen bedeutet Lesen und das tut man eben auch aus Büch­ern. Nun stapelt sich also vor mir Fach­lit­er­atur neben Lyrik, Romane neben Zeitschriften, Auf­sätze neben Noti­zen. Kür­zlich erst habe ich Bern­hard Schlinks »Vor­leser« begeis­tert been­det, es liegen da unter anderem noch Wielands »Agath­on«, Moritz’ »Anton Reis­er« oder die »Bud­den­brooks«. Dazu besitze ich seit gestern das zur Auf­frischung nüt­zliche, aber etwas schnar­chig klin­gende Werk »Roman­the­o­rie und Erzählforschung«, im Regal wartet die Gesam­taus­gabe Schillers auf mich und verzweifelt über­lege ich, warum zum Teufel ich mir aus der Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek Band 5 ein­er Sim­mel-Aus­­gabe bestellt habe. Selb­st beim Durch­blät­tern bin ich nicht mehr drauf gekom­men. Dafür aber habe ich mir eben­falls gestern — als seel­is­chen Aus­gle­ich — »Deutsch für Profis« von Wolf Schnei­der zugelegt. Irgend­wie bin ich dem Mann ohne­hin schon ver­fall­en, doch bere­its die Über­schrift des 1. Kapi­tels (»Der Duden hat kapit­uliert«) hat mich davon überzeugt, dass sich der Kauf gelohnt hat. Neben alle­dem stapeln sich zu meiner …