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Herrenmagazin, live @ Moritzbastei

Bei allem Respekt, Herr Deniz Jaspersen. Erzählen Sie keinen Müll. Eine Band, die sich mit Hän­den und Füßen dage­gen wehrt, sich verorten zu lassen? Ham­burg­er Schule. Ein Sänger, «der sagt, dass er Rand­si­t­u­a­tio­nen mag, kör­per­liche, men­schliche Extreme, Boris Jelzin, den Ghet­to Tanz Krump­ing. Aber wenn man das gerne schreiben möchte, wehrt er mit bei­den Hän­den ab. Bloß nicht so greif­bar wer­den»? Schnickschnack. Ein­fach ein großar­tiges Konz­ert. Weit ab von Weltverbesser­ern und Seichtköpfen wie Tomte oder Blum­feld. Eine Band, bei der Karo­hem­den noch erlaubt sind, Farin-Urlaub-Pon­nys auch und solide Musik sowieso. Eine Band, die sich nicht scheut, vor ger­ade ein­mal 100 (wohlwol­lend geschätzten) Gästen in der Moritzbastei zu rock­en. Eine Band, die man für die Vor­band hal­ten kön­nte. Hut ab. Wie Her­ren­magazin auf Ihrer Home­page so schön schreiben: «Es ist an der Zeit, dieses Sys­tem jet­zt mal zu per­son­al­isieren: Deniz Jaspersen (der übri­gens eher auss­chaut wie ein Optik­er, Anm. d. R.) hat­ten wir ja schon, Halbtürke, kocht gern, isst gern. Philip Wild­fang, eben­falls Halbtürke, isst noch mehr, spielt Gitarre. Paul Konopac­ka, Bass­gi­tarre, jung. Kocht am besten. Und …

In the red

Der Herb­st ist da, die Blät­ter fall­en, und während Hari­bo Kas­tanien hort­et, warten zu Hause gemütlich Abende und heißer Tee. Passend dazu hat die dänis­che Sän­gerin Tina Dico ger­ade ihr erstes Album her­aus­ge­bracht. Und auch, wenn der Titel »In the red« (»Im roten Bere­ich«) ziem­lich in die Irre führt, hat es die Plat­te in sich. Kuschel­we­iche Melan­cholie, unangestrengter Folkpop mit toller Stimme vor­ge­tra­gen, was will man mehr? Keine hochgesteck­ten Ambi­tio­nen, keine großen Erwartun­gen, ein­fach eine Plat­te, um lange Tage mit noch län­geren Aben­den ausklin­gen zu lassen. Dabei hat die 23-Jährige dur­chaus einiges auf dem Kerb­holz: In Däne­mark kurz­er­hand U2 und Cold­play in den Charts ent­thront, Musikpreise als Best Song­writer (beim Dänis­chen Gram­my) sowie Beste Kom­pon­istin (Dan­ish Music Crit­ics Award) abges­taubt und bere­its ein eigenes Label gegrün­det. Das alles scheint sie gut zu verkraften, das zeigt das Album. Auch, wenn man es sich leis­ten kön­nte — es muss nicht immer Extrav­a­ganz sein…

Rock!

Heute abend wird im Bon­ner Haus der Geschichte mal wieder eine lohnenswerte Ausstel­lung eröffnet. Der pro­gram­ma­tis­che Titel: »Rock! Jugend und Musik in Deutsch­land«. Das kön­nte eine plat­te, stereo­type Ver­anstal­tung sein — ist es aber nicht. 1.200 Exponate aus 50 Jahren Musikgeschichte, von Elvis und den unver­mei­dlichen Ner­ven­sä­gen Stones über Fehl­far­ben(die im August zusam­men mit den H‑Blockx auch auf ein Gast­spiel kom­men) bis hin zuTokio Hotel. Oder, auf der anderen Seite des Vorhangs von City über die Klaus Ren­ft Com­bobis hin zu den Puhdys. Ein wenig selt­sam zwar, dass zwis­chen­drin auch Hip Hop oder dieLove Parade behan­delt wer­den, aber gut; Neues entste­ht aus Altem, soweit kann man das Konzept nachvol­lziehen. Und auch über die Tren­nung zwis­chen echtem Rock und anderen Stilen kön­nte man tre­f­flich stre­it­en. Ob das aber Sinn macht? Span­nend sind ein­fach die kleinen Geschicht­en, die in der Ausstel­lung erzählt wer­den. Zum Beispiel die von dem Brief, den Elvis via Bra­vo an seine deutschen Fans geschrieben hat. Oder die von dem BAP-Konz­ert in der DDR, das eines Songs wegen wieder abge­sagt wer­den musste. Oder die von …

Word up!

Liebt Sie Viva nicht mehr? Herrscht Langeweile im Sek­tor? Brauchen Sie noch einen Som­mer­hit für Ihre gut gehende Plat­ten­fir­ma? Kein Prob­lem, kön­nen Sie haben. Man nehme: Nun noch ein schick­es Lied schreiben, alles gut ver­mis­chen und fer­tig ist »Wir ziehn ab«. Da kann so manch pro­fes­sionell pro­duziert­er »Hit« nicht mithal­ten. Fehlt nur noch eine Prise Son­nen­schein. P.S.: Wenn jemand her­aus­find­et, ob es das Stück irgend­wo als Down­load gibt, ich würde mich über eine Mel­dung freuen. Bis dahin werde ich mir wohl zwei‑, dreimal täglich das Video anschauen müssen. Via Schnitzelteller

Luftig

Zwölf Jahre hat sie gebraucht, um nach »The Red Shoes« ein Album nachzule­gen, jet­zt hat es geklappt, ful­mi­nant und in gewohnt atem­ber­auben­der Qual­ität dazu. Kate Bush hat ihre neueste, ihre achte Stu­dio­plat­te »Aer­i­al« veröf­fentlicht. Her­aus­gekom­men ist gle­ich eine Dop­pel-CD. Und wie die Pop-Diva heute im Bon­ner Gen­er­al-Anzeiger ver­rat­en hat, ist der Titel dur­chaus auf eine gewisse Höhe zurück­zuführen, aus der sie auf die Welt herun­ter­schauen kann. Damit wollte Kate Bush zwar nicht ihren Platz in der Musik­branche beschreiben, so unbeschei­den ist die 47jährige Britin dann doch nicht, passend wäre ein solch­er Stand­punkt aber sehr wohl. »Aer­i­al« beweist ein­drucksvoll, dass auch lange Pausen der Kreativ­ität keinen Abbruch tun müssen. Verträumt und gewohnt märchen­haft kom­men Musik und Gesang daher, inhaltlich jedoch wer­den eher hand­feste Dinge besun­gen, wie Waschmaschi­nen in »Mrs. Bar­tolozzi« oder Helden in ihrer kleinen Hymne auf Jean D’Arce, »Joan­ni«. Die Band­bre­ite der Stile reicht von jazz­i­gen Num­mer wie »Pi« über rock­ige Songs bis hin zu Bal­laden wie »A Coral Room«. Die zweite CD erstaunt anschließend als faszinieren­des, weil erfind­ungsre­ich­es Konzep­tal­bum. Anlehnun­gen an die gesamte Musikgeschichte …