Alle Artikel mit dem Schlagwort: Geschichte

Pioniere, Vorreiter, Avantgardisten

Ich bin immer wieder überrascht, wie alt das Internet eigentlich ist. Oder besser: wie alt die Idee des Internets eigentlich ist. War wohl ein Spätzünder — 1992 den ersten Computer bekommen, 2000 die erste E-Mail-Adresse. In diesem Dokumentarfilm von 1972 mit dem Titel »Computer Networks: The Heralds Of Resource Sharing« kommen all die wichtigen Protagonisten zu Wort, die damals an der Entwicklung von Netzwerken wie Arpanet beteiligt waren: Fernando José Corbató, Joseph Carl Robnett Licklider, Lawrence Roberts, Robert Elliot Kahn, Frank Heart, William R. Sutherland, Richard W. Watson, John R. Pasta, Donald Watts Davies und George W. Mitchell. Ein wunderbares Stück Zeitgeschichte.

Die reine Essenz der Britishness

Wer einmal vor den traurigen Überresten von Brightons »West Pier« gestanden hat, diesem verkohlten gusseisernen Skelett, dass da aus dem Wasser ragt, kann sich kaum vorstellen, dass die einstige Touristenattraktion jemals wieder zum Leben erwachen könnte. Doch es gibt Menschen, die genau davon träumen, die dieses gespenstische Monstrum wieder aufbauen wollen — Der »Brighton West Pier Trust« zum Beispiel. Sie klammern sich an den Denkmalschutz, der den Abriss verhindert. Vielleicht versteht man das besser, wenn man die Geschichte des Piers kennt, der 1866 erbaut und 1975 aus Sicherheitsgründen geschlossen wurde. Den Wellen und dem Sturm preisgegeben verfiel er Jahr für Jahr, stürzte teilweise ein wurde durch Brandstiftung zuletzt fast vollständig niedergebrannt, während der »Palace Pier« nebenan, heute »Brighton Pier« genannt, mit zwei Millionen Besuchern jährlich zu den meistbesuchten Attraktionen in Sussex wurde.

»Und dann fauchte der Drache …«

Auch, wenn wir erst 1993 mit Vox den ersten Privatsender bekamen (wir konnten ihn über Antenne empfangen) und die Jahre vorher mit ARD, ZDF und dem WDR Vorlieb nehmen mussten, war mein Leben schon früh von Werbung geprägt. Vielleicht sogar stärker als heute, denn die wenigen Spots, die etwa zwischen den Vorabendserien ausgestrahlt wurden, brannten sich durch die geringere Frequenz wohl noch etwas besser ins Hirn ein.

Memento mori et MacBook

Wohl kaum jemand, der in den vergangenen Jahren das MacBook bereits als Design-Klassiker bezeichnet hat, wusste, wie recht er damit hat. Zumindest mit dem »Klassiker«. Die Geschichte spricht auch mal wieder dafür, wie gut Apple darin ist, die kleinen Geheimnisse seiner Firmengeschichte für sich zu behalten. Das Foto, das wir hier sehen, hat der flickr-User patapat aufgenommen, und zwar im Kunstmuseum Basel, das Original des 1620 von einem deutschen Meister gemalten »Memento mori« hängt jedoch im Frankfurter Städel (Inventar Nr. 2236). Und es zeigt: Den ersten Entwurf für eben das Stück Computergeschichte, das heute als MacBook bekannt ist. 388 Jahre alt! »Sehr traditionelle und allgemein als überholt angesehene Theorien sahen im Design die reine Formgebung von Objekten zum Zwecke der ‚Verschönerung‘ und Verbesserung der praktischen Funktionalität«, lesen wir bei Wikipedia zum Stichwort Design. »Geradezu teleologisch strebten sie als Endzweck nach einer endgültigen, nicht mehr zu verbessernden Form der Dinge, als seien diese nicht stets durch Materialien, Technologien, Gebrauchsweisen, Bedürfnisse und Funktionen limitiert und vorläufig. Betont wurde der Vorbildcharakter bestimmter Entwürfe.« Was auf diesen wohl bis …

Mogelpackung

Bei jeder Durchfahrt durch Schweizer Landschaften — besonders auffällig bei Reisen mit dem Zug — ärgere ich mich über die mit Industriegebieten vollgestellten, wunderschönen Täler. Dieser Ärger resultiert jedoch nur aus der Freude über die ach so hübschen, dekorativ verzierten, altmodischen Gebäude in Hügel- oder Hanglage. Alles Illusion, wie ich jetzt erfahren muss! Eine ganze Unzahl dieser schmucken Bauwerke entpuppt sich auf nähere Sicht als Bunker, als »Falsche Chalets«. Vom Schweizer Militär umgestaltet zieren sie die Berge, zerstören die Vertrautheit, denn hinter den aufgemalten Gardinen sitzt keine glückliche Familie, hinter dem gar nicht vorhandenen Tor schlafen keine Kühe. Hier saß die Schweizer Armee und hat ihr Land verteidigt. Gute Idee! Der Fotograf Christian Schwager hat sich auf die Suche nach diesen Chalets und Scheunen gemacht und sie in einem Buch versammelt. Ein desillusionierendes Werk, aber spannend und auf jeder Seite überraschend, abgerundet mit einem erläuternden Text von Gerold Kunz. Ich werde nie wieder mit demselben Blick durch die Schweiz fahren können. Christian Schwager: »Falsche Chalets«, Edition Patrick Frey Zürich, mit einem Text von Gerold Kunz, …