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Herrenmagazin, live @ Moritzbastei

Bei allem Respekt, Herr Deniz Jaspersen. Erzählen Sie keinen Müll. Eine Band, die sich mit Hän­den und Füßen dage­gen wehrt, sich verorten zu lassen? Ham­burg­er Schule. Ein Sänger, «der sagt, dass er Rand­si­t­u­a­tio­nen mag, kör­per­liche, men­schliche Extreme, Boris Jelzin, den Ghet­to Tanz Krump­ing. Aber wenn man das gerne schreiben möchte, wehrt er mit bei­den Hän­den ab. Bloß nicht so greif­bar wer­den»? Schnickschnack. Ein­fach ein großar­tiges Konz­ert. Weit ab von Weltverbesser­ern und Seichtköpfen wie Tomte oder Blum­feld. Eine Band, bei der Karo­hem­den noch erlaubt sind, Farin-Urlaub-Pon­nys auch und solide Musik sowieso. Eine Band, die sich nicht scheut, vor ger­ade ein­mal 100 (wohlwol­lend geschätzten) Gästen in der Moritzbastei zu rock­en. Eine Band, die man für die Vor­band hal­ten kön­nte. Hut ab. Wie Her­ren­magazin auf Ihrer Home­page so schön schreiben: «Es ist an der Zeit, dieses Sys­tem jet­zt mal zu per­son­al­isieren: Deniz Jaspersen (der übri­gens eher auss­chaut wie ein Optik­er, Anm. d. R.) hat­ten wir ja schon, Halbtürke, kocht gern, isst gern. Philip Wild­fang, eben­falls Halbtürke, isst noch mehr, spielt Gitarre. Paul Konopac­ka, Bass­gi­tarre, jung. Kocht am besten. Und …

Erde an Canton

Lange Zeit hat­ten High-End-Puris­ten ein ziem­lich ärg­er­lich­es, weil nicht zu lösendes Prob­lem: Wie bekommt man aus einem Laut­sprech­er einen wohlk­lin­gen­den Hör­genuss her­aus­gek­itzelt, ohne dafür meter­weise und dazu noch teure Kabel ver­legen zu müssen? In den let­zten Jahren kamen schließlich ultra­flache Leit­er auf den Markt, die zwar nicht mehr an der Wand ent­lang, son­dern unter der Tapete ver­legt wer­den kon­nten — ver­legt wer­den aber mussten auch sie noch. Nun hat sich Deutsch­lands Vorzeige­pro­duzent für High-Fideli­­ty, die im hes­sis­chen Weil­rod ansäs­sige Fir­ma Can­ton dieses Prob­lems angenom­men und das Laut­sprech­er­set CD 3500 auf den Markt gewor­fen, das sich die nöti­gen Dat­en via Fun­kleitung von einem kleinen Sender schick­en lässt. Und was kann man heute, zur Freude aller Inter­essierten, in der FAZ lesen? Die bei­den schlanken Säulen spiel­ten in bester Can­­ton-Manier auf, »mit blitzblanken Höhen, einem angesichts der kleinen Chas­sis (…) über­raschend kräfti­gen und trock­e­nen Tief­baß, bester Räum­lichkeit und bestechen­der Dynamik«. Das klingt nach einem Ver­sprechen. Nur, dass neben dem kräfti­gen und trock­e­nen Tief­baß auch der entsprechend kräftige und trock­en kalkulierte Preis von 2400 Euro ste­ht. Aber wer stört sich …

In the red

Der Herb­st ist da, die Blät­ter fall­en, und während Hari­bo Kas­tanien hort­et, warten zu Hause gemütlich Abende und heißer Tee. Passend dazu hat die dänis­che Sän­gerin Tina Dico ger­ade ihr erstes Album her­aus­ge­bracht. Und auch, wenn der Titel »In the red« (»Im roten Bere­ich«) ziem­lich in die Irre führt, hat es die Plat­te in sich. Kuschel­we­iche Melan­cholie, unangestrengter Folkpop mit toller Stimme vor­ge­tra­gen, was will man mehr? Keine hochgesteck­ten Ambi­tio­nen, keine großen Erwartun­gen, ein­fach eine Plat­te, um lange Tage mit noch län­geren Aben­den ausklin­gen zu lassen. Dabei hat die 23-Jährige dur­chaus einiges auf dem Kerb­holz: In Däne­mark kurz­er­hand U2 und Cold­play in den Charts ent­thront, Musikpreise als Best Song­writer (beim Dänis­chen Gram­my) sowie Beste Kom­pon­istin (Dan­ish Music Crit­ics Award) abges­taubt und bere­its ein eigenes Label gegrün­det. Das alles scheint sie gut zu verkraften, das zeigt das Album. Auch, wenn man es sich leis­ten kön­nte — es muss nicht immer Extrav­a­ganz sein…

Rock!

Heute abend wird im Bon­ner Haus der Geschichte mal wieder eine lohnenswerte Ausstel­lung eröffnet. Der pro­gram­ma­tis­che Titel: »Rock! Jugend und Musik in Deutsch­land«. Das kön­nte eine plat­te, stereo­type Ver­anstal­tung sein — ist es aber nicht. 1.200 Exponate aus 50 Jahren Musikgeschichte, von Elvis und den unver­mei­dlichen Ner­ven­sä­gen Stones über Fehl­far­ben(die im August zusam­men mit den H‑Blockx auch auf ein Gast­spiel kom­men) bis hin zuTokio Hotel. Oder, auf der anderen Seite des Vorhangs von City über die Klaus Ren­ft Com­bobis hin zu den Puhdys. Ein wenig selt­sam zwar, dass zwis­chen­drin auch Hip Hop oder dieLove Parade behan­delt wer­den, aber gut; Neues entste­ht aus Altem, soweit kann man das Konzept nachvol­lziehen. Und auch über die Tren­nung zwis­chen echtem Rock und anderen Stilen kön­nte man tre­f­flich stre­it­en. Ob das aber Sinn macht? Span­nend sind ein­fach die kleinen Geschicht­en, die in der Ausstel­lung erzählt wer­den. Zum Beispiel die von dem Brief, den Elvis via Bra­vo an seine deutschen Fans geschrieben hat. Oder die von dem BAP-Konz­ert in der DDR, das eines Songs wegen wieder abge­sagt wer­den musste. Oder die von …

Word up!

Liebt Sie Viva nicht mehr? Herrscht Langeweile im Sek­tor? Brauchen Sie noch einen Som­mer­hit für Ihre gut gehende Plat­ten­fir­ma? Kein Prob­lem, kön­nen Sie haben. Man nehme: Nun noch ein schick­es Lied schreiben, alles gut ver­mis­chen und fer­tig ist »Wir ziehn ab«. Da kann so manch pro­fes­sionell pro­duziert­er »Hit« nicht mithal­ten. Fehlt nur noch eine Prise Son­nen­schein. P.S.: Wenn jemand her­aus­find­et, ob es das Stück irgend­wo als Down­load gibt, ich würde mich über eine Mel­dung freuen. Bis dahin werde ich mir wohl zwei‑, dreimal täglich das Video anschauen müssen. Via Schnitzelteller