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Luftig

Zwölf Jahre hat sie gebraucht, um nach »The Red Shoes« ein Album nachzule­gen, jet­zt hat es geklappt, ful­mi­nant und in gewohnt atem­ber­auben­der Qual­ität dazu. Kate Bush hat ihre neueste, ihre achte Stu­dio­plat­te »Aer­i­al« veröf­fentlicht. Her­aus­gekom­men ist gle­ich eine Dop­pel-CD. Und wie die Pop-Diva heute im Bon­ner Gen­er­al-Anzeiger ver­rat­en hat, ist der Titel dur­chaus auf eine gewisse Höhe zurück­zuführen, aus der sie auf die Welt herun­ter­schauen kann. Damit wollte Kate Bush zwar nicht ihren Platz in der Musik­branche beschreiben, so unbeschei­den ist die 47jährige Britin dann doch nicht, passend wäre ein solch­er Stand­punkt aber sehr wohl. »Aer­i­al« beweist ein­drucksvoll, dass auch lange Pausen der Kreativ­ität keinen Abbruch tun müssen. Verträumt und gewohnt märchen­haft kom­men Musik und Gesang daher, inhaltlich jedoch wer­den eher hand­feste Dinge besun­gen, wie Waschmaschi­nen in »Mrs. Bar­tolozzi« oder Helden in ihrer kleinen Hymne auf Jean D’Arce, »Joan­ni«. Die Band­bre­ite der Stile reicht von jazz­i­gen Num­mer wie »Pi« über rock­ige Songs bis hin zu Bal­laden wie »A Coral Room«. Die zweite CD erstaunt anschließend als faszinieren­des, weil erfind­ungsre­ich­es Konzep­tal­bum. Anlehnun­gen an die gesamte Musikgeschichte …

Cantate Domino

Vor etlichen Jahren hat eine mein­er Plat­ten auf ver­mut­lich dreiste Art den Weg von meinem Regal in fremde Hände gefun­den. Heute ist sie zurück­gekehrt, per Ver­sand. Pünk­tlich einen Tag vor dem 1. Advent liegt »Can­tate Domi­no« wieder vor mir, die nach wie vor beste Wei­h­­nachts-CD, die je pro­duziert wor­den ist. Bis heute gel­ten die Pro­duk­te des Labels »Pro­prius« als klan­glich unerr­e­icht. In der leg­endären Auf­nahme aus dem Jahr 1976 (Auf­nah­megerät: Revox A77 und nur zwei (!) Mikro­fone) spie­len und sin­gen Oscars Motet­tkör aus Stock­holm, Alf Lin­der an der Orgel und Mar­i­anne Mell­näs als Sopran. Dirigiert wer­den die Stücke von Torsten Nill­son. Heute ist dieses schöne Stück oft nur noch als SACD zu bekom­men, doch tat­säch­lich gibt es noch einen kleinen, feinen Ver­sand, der die zulet­zt 1993 als reg­uläre CD pro­duzierte Scheibe anbi­etet (und dazu noch unfass­bar schnell liefert). Besten Dank also an Chateau Disc in Nürn­berg für schöne, besinnliche Stun­den. Ein Tip zum Rein­hören für alle, die diese unglaubliche Plat­te nicht ken­nen, ist Track Num­mer 9: »Jul­sång« von Adolphe Adam (1803–56). Wer sich von diesem …

Vorsicht …!

Sie ste­hen auf Platz 1 der deutschen Sin­glecharts und sind in aller Munde: die Nach­wuchs­band Tokio Hotel. Ger­ade ein­mal zwis­chen 13 und 18 Jahren alt, sind sie für die BILD-Zeitung schon zu Sex-Sym­bol­en gewor­den, von vie­len jedoch wer­den sie meist nur verspot­tet und ein klein­er Sech­szeil­er auf popkulturjunkie.de hat inzwis­chen 600 Kom­mentare über­schrit­ten. Zu inten­sive Beschäf­ti­gung mit den Rock­erkn­aben scheint jedoch gefährlich wer­den zu kön­nen. Obwohl die Betreiber der Pseu­­do-Fan­­page tokio-hotel-fanpage.de.vu vor Betreten der Seite den Hin­weis an den Mann gebracht hat­ten, kann man dort inzwis­chen lesen: Ganz kosch­er scheinen die fünf Jungs irgend­wie nicht zu sein. Nur so ist es schließlich zu erk­lären, dass das Tokio-Hotel Fan­blog myblog.de/tokio-hotel nur mit Pass­wort zugänglich ist. Vielle­icht schützt man sich aber auch nur vor kri­tis­chen Kom­mentaren. Nun ist die Frage, ob Tokio Hotel wirk­lich so lächer­lich sind oder nicht, ob »Lead­sänger und Song­writer Bill« (www.tokio-hotel.de) die »für manchen vielle­icht über­raschend erwach­sen« (Bill, zitiert nach www.tokio-hotel.de) klin­gen­den Texte auch wirk­lich selb­st schreibt, vielle­icht gar nicht so bedeu­tend. Vielmehr zeigen all diese Diskus­sio­nen, wie geschickt die Plat­ten­fir­ma Uni­ver­sal diese Band …

Schweigen im Walde

Noch etwa einen Monat müssen wir alle so selt­same Wesen wie Figaro, den ver­rück­ten Frosch, Schnap­pi oder Tweety ertra­gen. Dann ist Schluss mit der Klin­gel­ton­wer­bung auf MTV und Viva. Zu schön, um wahr zu sein? Nein, die Musik­sender pla­nen tat­säch­lich eine Sper­rzeit für solche Spots, zwar nur für die Haupt­sendezeit zwis­chen 16 und 24 Uhr, aber immer­hin. Es scheint, als wären die finanziellen Erträge nicht hoch genug gewe­sen, um den anscheinend enor­men Imageschaden zu deck­en, den sich MTV und Co. einge­han­delt haben. Aber wird die Jugend Deutsch­lands nun erle­ichtert sein, oder Sturm laufen? Schließlich hat es ein Teil der bewor­be­nen Pro­duk­te sog­ar schon in die Charts geschafft. Und Pub­likum­slieblinge aus dem Pro­gramm zu nehmen, ist ja bekan­ntlich nicht immer unge­fährlich. Nach­trag: So eben, nach einigem weit­eren Stöbern lese ich fol­gen­des: Na danke Ihr Lieben! Viva liebt Dich nicht mehr…!

Do the Potemkin

Heute abend wer­den in der Alten Oper in Frank­furt so einige Men­schen staunen. Staunen darüber, was möglich ist, wenn altes Zel­lu­loid und neue Ideen zusam­men­tr­e­f­fen. Und staunen darüber, wie kreativ die Pet Shop Boys sein kön­nen. Dann näm­lich feiert dort ihr neues Pro­jekt Pre­miere: Gemein­sam mit den Dres­d­ner Sin­fonikern haben sie den Stumm­filmk­las­sik­er »Panz­erkreuzer Potemkin« (1925) des sow­jetis­chen Regis­seurs Sergei Eisen­stein neu ver­tont, der allein schon wegen der welt­berühmten Trep­pen­sturzszene in jede VHS- oder DVD-Sam­m­lung gehört. Was nun Neil Ten­nant und Chris Lowe musikalisch aus dem 80 Jahre alten, aber immer noch mod­er­nen Streifen machen, darauf darf man ges­pan­nt sein. Mor­gen sind sie zu Gast auf dem Muse­um­splatz in Bonn, weit­ere Ter­mine sind für Son­ntag auf der Muse­um­sin­sel Berlin und für Mon­tag im Ham­burg­er Stadt­park ange­set­zt. Do the Potemkin …