All posts tagged: Politics

Einheitstagsbrei

Die Adolf-Hitler-Straße, die früher durch die Leipziger Süd­vorstadt führte, heißt heute Karl-Liebknecht-Straße. Darüber kann man sich freuen, wenn man ein demokratisch gesin­nter Men­sch ist. Trifft das nicht zu, kann man sich daraus ein poli­tis­ches Welt‑, respek­tive Stadt­bild zusam­men­z­im­mern und aus­gerech­net am 3. Okto­ber quer durch die Stadt und eben auch diese Meile herunter in Rich­tung Con­newitz marschieren. So geschehen des öfteren in den let­zten Jahren, wenn sich das rechte Spek­trum in Leipzig getrof­fen hat. Dazu gesell­ten sich dann auch immer einige Gegen­demon­stran­ten, die nicht nur zeigen woll­ten, dass ihnen Faschis­mus stinkt, son­dern auch, dass es unglaublich viel Spaß macht, Autos und Müll­con­tain­er anzuzün­den und die Polizei als ver­has­sten Vertreter der Staats­macht mit Steinen zu beschmeißen. Auch heute war eine Demon­stra­tion angemeldet, von 12 bis 20 Uhr durfte der braune Pöbel marschieren, krake­len und sich pro­duzieren, Gegen­ver­anstal­tun­gen gab es auch. Doch die Karl-Liebknecht-Straße, gle­ich hier um die Ecke und somit auch die Süd­vorstadt, soweit sie sich aus den Fen­stern dieser Woh­nung überblick­en lässt, blieb ruhig. Chris­t­ian Worch und seine »Man­nen«, wie es das Ein­satzteam der Polizei …

Ui, Trendsetter!

Unsere Frau Bun­deskanzelerin ist eine erstaunlich mod­erne Frau. Sie küm­mert sich um ihre äußere Erschei­n­ung und hält flotte Ansprachen zur Fußball-WM. Sie macht süff­isante Bemerkun­gen über Män­n­er- und Frauen­fußball, hat eine eigene Inter­net­seite und — nun auch einen eige­nen Pod­cast. Kapi­tel 1 stellt dabei die Grußbotschaft zur WM dar, weit­ere sollen fol­gen. »Poli­tik anschaulich machen und erk­lären«, will Angela Merkel mit ihren Videos und sagt auch gle­ich etwas zu deren Inhalt: »In dem Pod­cast erläutert die Kan­z­lerin ab sofort, was die Bun­desregierung untern­immt, um Deutsch­land voran zu brin­gen«. Viel mehr erläutert sie dann aber auch nicht. Die neuen Medi­en als Instru­ment der Poli­tik scheinen endlich auch in Deutsch­land angekom­men zu sein. Dabei ist Angela Merkel die erste deutsche Poli­tik­erin mit eigen­em Pod­cast. Es wird aber wohl nicht lange dauern, bis andere es ihr gle­ich­tun. Fraglich ist nur, ob Merkel mit ihrer Ver­mu­tung recht gehabt hat, Mil­lio­nen hät­ten auf diesen Augen­blick gewartet. Und auch ihre Aus­sage, das Pod­cas­ten würde ja nicht nur junge Men­schen inter­essieren, son­dern auch ihr selb­st viel Spaß machen, klingt in etwa so glaubwürdig, …

Vatikan strikes back

Es ist kaum drei Monate her, dass sich halb Europa, allen voran Deutsch­land, über einige fun­da­men­tal­is­tis­che Religiöse aufgeregt hat, die Kri­tik in Form von Satire nicht ertra­gen wollte. »Damals« war die Rede vom Vor­recht der Mei­n­ungs­frei­heit, von Satire- und Presse­frei­heit und den ach so tollen Vorzü­gen der Demokratie. Das ist nun vergessen. SeitMTV ab dem 03. Mai seine Car­­toon-Serie »Popetown« ausstrahlen will, ste­ht das Krisen­zen­trum kon­ser­v­a­tiv­er Katho­liken nicht mehr still. Hier der Inhalt in Kurz­form: Der Diöze­san­rat der Katho­liken des Köl­ner Erzbis­tums beze­ich­nete das als »wider­wär­tige Ver­höh­nung der katholis­chen Kirche«, die CDU/C­­SU-Bun­destags­frak­­tion und inzwis­chen sog­ar die Evan­ge­lis­che Kirche haben sich gegen die Ausstrahlung gewandt. Und das, obwohl fraglich ist, ob ein einziger der Kri­tik­er die Serie auch nur in Auszü­gen gese­hen hat. Was unter­schei­det aber einen Mohammed mit Bombe auf dem Kopf von einem blutrün­stel­nden Papst? Ist es nicht legit­imes Recht der Satire, sich — wenn ihr denn Frei­heit gegeben ist — an allem und jedem auszu­lassen? Oder muss ein Sender wie MTV, der unfraglich Vor­bild­sta­tus für einige Jugendliche haben dürfte, Rück­sicht auf die größeren der …

Von der Feigheit der Leit*

Es scheint, als wären in den let­zten Tagen einige wichtige Dinge an mir vorüber gegan­gen. So zum Beispiel, dass es eini­gen NPD-Poli­tik­ern im Land­kreis Hal­ber­stadt gelun­gen ist, ein Konz­ert des Lie­der­ma­ch­ers Kon­stan­tin Weck­er abzusagen. Aus poli­tis­chen Grün­den — das muss man sich ein­mal auf der Zunge zerge­hen lassen. Die Argu­mente der recht­spop­ulis­tis­chen Partei klin­gen selt­sam bekan­nt. Man wolle (und das wurde wohl zurecht als Dro­hung ver­standen) an der Ver­anstal­tung aktiv teil­nehmen (die unter dem Mot­to »Nazis raus aus dieser Stadt« stand!) und zudem das Recht ein­fordern, zukün­ftig eigene Ver­anstal­tun­gen in der Schu­laula durchzuführen, in der Weck­er sein Konz­ert ver­anstal­ten wollte. Das scheint den Ver­ant­wortlichen doch ein wenig zu heikel gewor­den zu sein, man hat sich schlicht feige geduckt, das Konz­ert fiel aus. Dass so etwas in eini­gen Teilen Ost­deutsch­lands inzwis­chen zur Tage­sor­d­nung gehört, lässt sich übri­gens nach­le­sen, in dem seit August 2005 erhältlichen Buch »Mod­erne Nazis« von Toralf Staud. Es scheint aber auch immer noch einige zu geben, die sich mit solchen Vorkomm­nis­sen nicht abfind­en wollen. Zumin­d­est die Presse reagierte größ­ten­teils mit schar­fer Kri­tik an der …

Tal der Doppelmoral

Kaum ist der Film »Tal der Wölfe« in den Kinos, bricht ein Sturm der Empörung los. Man ist sich einig. Der Film ist gewaltver­her­rlichend, anti­amerikanisch, blutrün­stig. Und damit haben die Kri­tik­er auch Recht. Es wun­dert nur, dass aus­gerech­net jet­zt der Auf­schrei kommt, wo alles von Presse­frei­heit, Mei­n­ungs­frei­heit und der­gle­ichen redet. Gilt diese Frei­heit denn für das Kino nicht? Die FAZ schreibt vorgestern über den türkischen Spielfilm, er schock­iere »mit blutigem Anti­amerikanis­mus und anti­semi­tis­chen Stereo­typen.« Weniger deut­lich for­muliert, »jedoch stets im Sub­text von Bildern und Dia­log enthal­ten«, sei das »Plä­doy­er des Films für den türkischen Nation­al­is­mus.« Der WDR verurteilt »Tal der Wölfe« als Pro­pa­gan­da, für den Spiegel dient er einzig und allein dazu, beste­hende Gräben zwis­chen den Kul­turen zu ver­tiefen. Kino aber darf das. Soviel Ehrlichkeit muss wohl sein. Man muss solche Filme nicht mögen und soll sie disku­tieren, doch moralis­che Argu­mente sind hier so ehrlich wie Sil­vio Berlus­coni im Wahlkampf. Ein klein­er Blick auf amerikanis­che Pro­duk­tio­nen verdeut­licht, was hier so alles über die Laden­theke geht, ohne Gegen­wehr zu erre­gen. Der 2001 gedrehte Film »Behind Ene­my Lines« …