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Mit den eigenen Waffen

Bish­er gab es im Karika­turen­stre­it um die Mohammed-Zeich­­nun­­gen der Jyl­­lands-Posten nicht viel zu lachen. Und das, obwohl doch die Karikatur fol­gen­der­maßen definiert wird: Nun aber hat endlich jemand seinen Humor wiederge­fun­den. Ami­tai Sandy aus Israel ruft zu einem anti­semi­tis­tis­chen Karika­­turen-Wet­t­be­werb (inzwis­chen offline) auf, als Reak­tion auf den im Iran stat­tfind­en­den Holo­­caust-Karika­­turen-Wet­t­be­werb. Denn sein­er Mei­n­ung nach könne nie­mand bessere anti­semi­tis­che Karika­turen zeich­nen, als die Juden selb­st. Zitat: Einige Beiträge sind schon einge­gan­gen, in den näch­sten Tagen sollen die auf der Inter­net­seite boomka.org (inzwis­chen offline) veröf­fentlicht wer­den. Via wildbits

Es geht voran

Wahlwer­bung ist lang­weilig. Auf allen Plakat­en schönge­föh­nte Men­schen unter immer­gle­ichen Slo­gans, das jew­eilige Parteil­o­go dazu, fer­tig. Ganz anders sah das noch vor achtzig Jahren aus. Da waren Wahlplakate Sache der Kün­stler, der Avant­garde. Mit 160 Arbeit­en zeigt die Lan­gen Foun­da­tion seit Son­ntag einen kleinen (!) Teil der Samm­lung Mer­rill C. Berman, »Graphis­che Arbeit­en der Avant­garde 1918–1934«. Da trifft man dann auf Hel­mut Herzfelds (aka John Heart­field) Plakat für Ernst Thäl­mann, auf dem ein klein­er, abgemagert­er Junge in ein Stück Brot beißt, über­schrieben mit: »Das let­zte Stück Brot raubt ihnen der Kap­i­tal­is­mus«. Doch nicht nur poli­tis­che Arbeit­en wer­den gezeigt, son­dern auch Wer­bung für Möbe­lausstel­lun­gen, Col­la­gen oder Arbeit­en für den Film wie Anton Law­in­skis Plakat für denEisen­stein-Streifen »Panz­erkreuzer Potemkin«. Alles war neu in dieser Zeit. Es gab das Neue Bauen, das Neue Wohnen, es ging voran, Kun­st und Gewerbe über­schnit­ten sich. Die Typographen exper­i­men­tierten mit Schriften und Schnit­ten, Dada stand in voller Blüte, und die Fotografie war mit 100 Jahren ein bere­its etabliertes aber immer noch span­nen­des Feld. All dies lässt sich in den Plakat­en und Grafiken …

Meinhof am Haken

Heute Abend hat im The­ater Bonn das neue Stück von Johann Kres­nik Pre­miere: »Ulrike Mein­hof« heißt es, man kön­nte es poli­tis­ches Tanzthe­ater nen­nen. Und es dürfte nach »Han­nelore Kohl« ein weit­eres Mal zu Diskus­sio­nen unter den Zuschauern und Kri­tik­ern führen. Bei der Deutsch­­land-Pre­miere 1990 in Bre­men gab es immer­hin Bomben­dro­hun­gen und Beschimp­fun­gen in Rich­tung der Tänz­erin­nen. Von Seit­en eines Pfört­ners. Mehr über brisan­ten Tanz und Kres­niks Moti­va­tion zu solchen Stück­en gibt es in einem Inter­view des WDR.

Wer ist Dein Feind?

Wenn ich nebe­nan in den türkischen Imbiss gehe und eine Falafel oder etwas Bakla­va kaufe, dann ste­ht vor mir mit großer Wahrschein­lichkeit ein Moslem. Ist er mein Feind? Wer den Karika­turen­stre­it ver­fol­gt und die Bilder der Nachricht­enkanäle dieser Tage sieht, kön­nte das denken. Aber wenn ich bezahlt habe und mich ver­an­schiede, spüre ich von alle­dem nichts. Und doch, Chris­ten und Moslems gehören unter­schiedlichen Kul­turen an. Vielle­icht sind es ger­ade die gewalt­täti­gen Demon­stra­tio­nen, die bren­nen­den Botschaften und Fah­nen, die uns klar machen, dass sich zwar wirtschaftlich und poli­tisch zusam­me­nar­beit­en lässt, die angestrebte Eine Welt ohne Gren­zen und Unter­schiede aber doch nicht mit weni­gen Schrit­ten zu erre­ichen ist. Die Filmemacherin Ayaan Hir­si Ali (drehte mit dem 2004 ermorde­ten Theo van Gogh»Sub­mis­sion (Part I)«), selb­st Mus­lim­in und bekan­nt für ihre islamkri­tis­che Hal­tung hat gestern in Berlin eine viel­beachtete, mutige Rede gehal­ten: »Schande über jene Zeitun­gen, die zu feige waren, ihren Lesern die Karika­turen zu zeigen«, sagte sie und sprach von kuschen­den Poli­tik­ern, der Zer­störung von Frei­heit und Demokratie und vom Recht, sich über Satire aufzure­gen, dass jedoch nicht wie …

3… 2… 1… Heil!

Was wäre das Leben ohne eBay? Ich besäße nichts, fast nichts. Wie einige Redak­teure von »Report Mainz« jet­zt aber recher­chiert haben, wird das Online-Auk­­tion­shaus immer mehr auch zum Umschlag­platz für rechte Fanar­tikel. So haben die Kol­le­gen beispiel­sweise CDs der Grup­pen »Landser« oder »Kom­man­do Freisler« sowie Aus­gaben von Hitlers »Mein Kampf« erste­hen kön­nen. Im Moment find­et man bei der Suche nach Lunikoff (Derzeit inhaftiert­er Sänger von »Landser«) den fol­gen­den, stüm­per­haft getarn­ten Artikel: Nicht umson­st han­delt es sich bei der Auk­tion um eine nicht öffentliche: »Dies ist ein Ange­bot mit nicht öffentlich­er Bieter-/Käuferliste. Ihre Iden­tität wird lediglich dem Verkäufer mit­geteilt.« Der Zen­tral­rat der Juden übte wieder­holt scharfe Kri­tik, schon dreimal habe man ähn­liche Vorkomm­nisse gemeldet. Anscheinend aber gelingt es eBay trotz der eige­nen Richtlin­ien nicht, entsprechende Artikel mit­samt ihren Verkäufern vor die Tür zu set­zen. Via Han­dels­blatt Nach­trag | Mittwoch, 08.02.2006 — 18:50:33 Uhr: Der genan­nte Artikel wurde von eBay inzwis­chen ent­fer­nt. Man scheint dazuzuler­nen. Nach­trag | Fre­itag, 17.02.2006 — 16:18:01 Uhr: Für den Artikel sind einige Neue nachgerutscht. So beispiel­sweise ein T‑Shirt mit der Auf­schrift »Braun is beautiful« …