Author: Trotzendorff

Steigbügelhalter

Google ist in Chi­na mit sein­er neuen Such­plat­tform google.cn online gegan­gen und hat sich dabei den Vorge­hensweisen von Yahoo und Microsoft angepasst. Genau wie diese hat der US-Konz­ern der Regierung in Peking näm­lich zuge­sagt, Such­fil­ter nach jew­eiligem staatlichen Gut­dünken anzuwen­den, sodass poli­tisch heik­le The­men wie Tibet oder die Inter­net­seit­en regimekri­tis­ch­er Jour­nal­is­ten in den Suchergeb­nis­sen erst gar nicht auf­tauchen. Google hat sich endgültig zum Steig­bügel­hal­ter Pekings degradiert, das will so gar nicht zur Fir­men­philoso­phie »Tu nichts Bös­es« passen, die man sich in Moun­tain View auf die Fah­nen geschrieben hat. Und es lässt ein ungutes Gefühl im Bauch zurück, wenn man an die kür­zliche Forderung der US-Regierung denkt, Mil­liar­den von Such­dat­en her­auszugeben, der Microsoft und Yahoo bere­its nachgegeben haben. Dieser einst große Schritt ist für Google nun winzig gewor­den. Via netzpolitik.org

Überfluss

Ich weiß, ich werde nicht behaupten kön­nen, ich habe von nichts gewusst. Die Prü­fun­gen ste­hen an und das bedeutet Ler­nen. Ler­nen bedeutet Lesen und das tut man eben auch aus Büch­ern. Nun stapelt sich also vor mir Fach­lit­er­atur neben Lyrik, Romane neben Zeitschriften, Auf­sätze neben Noti­zen. Kür­zlich erst habe ich Bern­hard Schlinks »Vor­leser« begeis­tert been­det, es liegen da unter anderem noch Wielands »Agath­on«, Moritz’ »Anton Reis­er« oder die »Bud­den­brooks«. Dazu besitze ich seit gestern das zur Auf­frischung nüt­zliche, aber etwas schnar­chig klin­gende Werk »Roman­the­o­rie und Erzählforschung«, im Regal wartet die Gesam­taus­gabe Schillers auf mich und verzweifelt über­lege ich, warum zum Teufel ich mir aus der Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek Band 5 ein­er Sim­mel-Aus­­gabe bestellt habe. Selb­st beim Durch­blät­tern bin ich nicht mehr drauf gekom­men. Dafür aber habe ich mir eben­falls gestern — als seel­is­chen Aus­gle­ich — »Deutsch für Profis« von Wolf Schnei­der zugelegt. Irgend­wie bin ich dem Mann ohne­hin schon ver­fall­en, doch bere­its die Über­schrift des 1. Kapi­tels (»Der Duden hat kapit­uliert«) hat mich davon überzeugt, dass sich der Kauf gelohnt hat. Neben alle­dem stapeln sich zu meiner …

Stehen oder gehen?

Seit langem tobt um das gute alte DDR-Ampelmän­nchen ein erbit­tert­er Stre­it. Der Berlin­er Design­er Markus Heck­hausen auf der einen gegen den säch­sis­chen Inge­nieur Joachim Roßberg auf der anderen Seite. Während es für den juris­tisch unb­eleck­ten Bürg­er ohne­hin schleier­haft bleibt, wie man auf so ein Sym­bol Marken­recht anwen­den kann (darf man sich so auch das Stopp-Schild oder die Ein­bahn­straße sich­ern?) kämpfen die bei­den Zankhähne nun vor Gericht weit­er — alle Ver­gle­ichsver­suche sind gescheit­ert. Für die Kon­tra­hen­ten geht es dabei um einen ganzen Batzen Geld, lässt sich mit dem Nos­tal­giesym­bol doch gut Mar­ket­ing betreiben. Tassen, Shirts und aller­lei Plun­der scheint wegzuge­hen wie geschnit­ten Brot. Dem Ampelmän­nchen ist es egal, es kann eh nur ste­hen oder gehen.

Schöner Wohnen

Heute ist in den neuen Köl­ner Messe­hallen die »imm Cologne«, die Inter­na­tionale Möbelmesse eröffnet wor­den. Sie bietet Ein­blicke in neue Trends der Wohnz­im­merver­schönerung, Badop­ti­mierung und Nach­barschaft­snei­derzeu­gung. Par­al­lel dazu läuft vom 16. bis 22. Jan­u­ar das Design-Forum Pas­sagen 2006 mit mehr als 100 Shows inter­na­tionaler Design­er und Her­steller im gesamten Köl­ner Stadt­ge­bi­et sowie zahlre­ichen Hap­pen­ings. Beson­ders zu erwäh­nen ist hier­bei ein Pro­jekt zu finnis­chem Design im Köl­ner Stylepark. Denn mal ehrlich, hat jemand schon­mal so einen fan­tastis­chen Gür­tel gese­hen wie den des finnis­chen Nach­wuchs­de­sign­ers Mikko Paakkanen?

Ehrensenf

»Ehrensenf« ist ein Ana­gramm, eine rhetorische Fig­ur also, aus dessen Buch­staben sich neue Sinnzusam­men­hänge set­zen lassen. Und so, wie sich aus »Ampelkoali­tion« auch »anomale Poli­tik« oder aus »Prinz Ernst August« auch »nur unzart gepisst« machen lässt, so ste­ht »Ehrensenf« eben für Fernse­hen. Und genau das ist es auch, Inter­net­fernse­hen, um genau zu sein. Jeden Tag eine Folge absur­der bis infor­ma­tiv­er Nachricht­en, als Quick­­­time-Video, Win­­dows-Media-Datei oder als 3GP für das Mobil­tele­fon. Für Quick­­­time-Nutzer gibt es am Ende eines jeden Klips noch die passenden Links zu allen The­men. Die aber sind gar nicht leicht zu definieren, die Mach­er selb­st wollen sich mit ihrem For­mat nicht fes­tle­gen, son­dern ein­fach nur unter­hal­ten und amüsieren. Der aktuelle Beitrag für Fre­itag, den 13ten ist denn auch mit »Dia­man­ten unterm Kissen; FlickR-Bilder­rah­­men; The Song Tap­per« über­schrieben. Was nicht zu viel ver­sprochen ist! Via dysternis