All posts filed under: Wort & Tat

Wer ist schon Grafiker?

Seit heute Mor­gen in meinem Bücher­re­gal: »Grafik für Nicht-Grafik­er« von Frank Koschem­bar. Der Art Direc­tor und Hochschul­dozent gibt auf über 250 Seit­en eine Ein­führung in Sachen Schrift, Farbe, Bild und Lay­out. Dazu gibt es einen tech­nis­chen Diskurs, der sich unter anderem um Papier­her­stel­lung, Druck­ver­fahren und Ver­ar­beitung dreht und viele Prax­is­beispiele, sowohl vor­bildlich gute als auch abschreck­end schlechte. So will Koschem­bar beweisen, dass es so etwas wie objek­tive Regeln für gutes Design gibt, er zeigt auf, wie man gute Gestal­tung erken­nt und vor allem, wie man selb­st qual­i­ta­tiv gestal­tet. Wer also in den näch­sten Wochen selt­same Verän­derun­gen auf dieser Seite bemerkt, darf die get­rost dem Autor in die Schuhe schieben.

Classic Clubbing

Die FAZ meldet Erstaunlich­es — Klas­sis­che Klänge im Neon­licht. Die Berlin­er Club­szene wan­delt sich, vom mod­er­nen Pop-Tem­pel geht der Trend zurück in die Ver­gan­gen­heit, zu Stre­ich­ern und Kuschel­couch. Unter der Über­schrift »Bier in der Hand, Harfe im Ohr« berichtet Hen­rike Roßbach über »Yel­low Lounge«, den neuen Par­ty­wahn der Haupt­stadt. Bach, Mozart oder Tschaikowsky zum Bier oder Cock­tail. Abso­lut lesenswert , ich freu mich über Tatsachenberichte!

Where is the Wikitorial?

Das Wik­i­to­r­i­al der LA Times ist gescheit­ert, vor­erst zumin­d­est. Das Vorzeige­pro­jekt, ein — im Zuge der Öff­nung der Print­me­di­en — von den Lesern zu gestal­tendes Edi­to­r­i­al (Leitar­tikel), hat nicht so funk­tion­iert, wie von den Mach­ern gewün­scht. Nun heißt es bei der Times: Ganz aus­gereift schien die Idee diese Blog-Edi­­to­ri­als ohne­hin nicht zu sein. Reg­istri­eren mussten sich die Leser schon, anonym kon­nten sie jedoch immer bleiben. Jed­er über 13 Jahren durfte mit­machen, möglich war aber nur die Über­ar­beitung eines pro­fes­sionellen, vorgegebe­nen Edi­to­ri­als. Inzwis­chen hat die Times auch eine offizielle Erk­lärung zur Beendi­gung des Exper­i­ments abgegeben, in der es unter anderem heißt: Schuld an der Beendi­gung des Exper­i­ments waren also die Leser, beziehungsweise einige unbelehrbare Inter­net-Anar­­chos. Eine Rück­kehr scheint daher auch nur unter streng­ster Bewachung und Kon­trolle möglich. Selb­streg­ulierung adé. Vielle­icht soll­ten Zeitun­gen doch lieber beim guten alten Leser­brief bleiben. Via Heise

Das kann ja jeder

Ein Affe sorgt dieser Tage für eine ver­mut­lich exis­ten­zial­is­tis­che Diskus­sion im Betrieb­ssys­tem Kun­st, passend zum 100. von Sartre. Der Affe mit den schö­nen Namen Con­go (1954–1964) hat näm­lich gemalt, und das so »gut«, dass drei sein­er Bilder nun auf ein­er Auk­tion in Lon­don schlappe 20.000 Euro einge­bracht haben. Das wäre noch gar kein Wun­der, mal­ende Ele­fan­ten, Bienen und son­stiges Geti­er sind beileibe keine Sel­tenheit mehr. Es erstaunt allerd­ings so manchen, dass auf der­sel­ben Auk­tion zwei Gemälde von Andy Warhol und Auguste Renoir ein­fach liegen blieben. Es ist zwar nur zu ver­ständlich, dass man sich heute nicht mehr unbe­d­ingt einen dieser PopArt-Schinken an die Wand hän­gen muss, beim Renoir jedoch wird man schon stutzig. Nun fra­gen sich bes­timmt wieder hun­derte von Kun­sthis­torik­ern, ob man mod­erne Kun­st denn über­haupt noch ernst nehmen könne, zu solcher­lei Schmier­ereien sei ja schließlich jed­er in der Lage und über­haupt… Um übri­gens Mis­ver­ständ­nis­sen gle­ich von vorn­here­in vorzubeu­gen: Bei dem net­ten Affen auf dem Bild han­delt es sich nicht um Con­go, der war ein Schim­panse… Via FAZ

Das Gegenteil …

… von gut ist gut gemeint. Nach­dem Sich Gero von Randow, ein­er der Ver­ant­wortlichen für das Preis­bloggen der Zeit, schon am 13. Juni mit den Worten »So richtig rel­e­vant und ansprechend und humor­voll und anre­gend zugle­ich — eigentlich keines« über die ein­gere­icht­en Blogs geäußert hat­te, ist die ganze Ver­anstal­tung ein wenig in Miskred­it ger­at­en. Kom­mentare wie »Da gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit: Den Wet­tbe­werb absagen« (Mar­tin Röll) oder »Ich werde sofort darum bit­ten, mein Blog aus der Liste rauszunehmen (hätte ja eh nichts gewon­nen, irrel­e­vant wie ich nun mal bin)« (Lila, inzwis­chen offline) machen das mehr als deut­lich. Und nun sind es nur noch zwei Tage, dann wer­den keine neuen Vorschläge mehr angenom­men. Herr Randow, der Aus­lös­er des ganzen Gemurk­ses, hat sich dazu bis jet­zt noch nicht wieder zu Wort gemeldet. Und auch sein »ver­spieltes und selb­stver­liebtes« (Zitat) Blog Megawatt ist seit heute dicht. Mit den Worten »Megawatts kleine Welt ist durchmessen. Das Weblog endet hier« schließt es seine Türen. Jet­zt wird man abwarten müssen, welche Entschei­dun­gen die Jury ab Mittwoch trifft. So richtig freuen …