All posts tagged: Journalism

Mit den eigenen Waffen

Bish­er gab es im Karika­turen­stre­it um die Mohammed-Zeich­­nun­­gen der Jyl­­lands-Posten nicht viel zu lachen. Und das, obwohl doch die Karikatur fol­gen­der­maßen definiert wird: Nun aber hat endlich jemand seinen Humor wiederge­fun­den. Ami­tai Sandy aus Israel ruft zu einem anti­semi­tis­tis­chen Karika­­turen-Wet­t­be­werb (inzwis­chen offline) auf, als Reak­tion auf den im Iran stat­tfind­en­den Holo­­caust-Karika­­turen-Wet­t­be­werb. Denn sein­er Mei­n­ung nach könne nie­mand bessere anti­semi­tis­che Karika­turen zeich­nen, als die Juden selb­st. Zitat: Einige Beiträge sind schon einge­gan­gen, in den näch­sten Tagen sollen die auf der Inter­net­seite boomka.org (inzwis­chen offline) veröf­fentlicht wer­den. Via wildbits

La toile, c’est moi!

Na pri­ma, ein­er der weni­gen Fre­itage ohne Süd­deutsche ste­ht mir bevor und dann kriegt man vor die Nase geset­zt, dass das ein Fehler war. Aus­gerech­net heute näm­lich rech­net Alex Rüh­le da mit den Blog­gern ab. Nein, Abrech­nung ist vielle­icht zu hart, er sagt Ihnen endlich ein­mal die Wahrheit. Über »Web 2.0«, das Gelobte Land der Inter­net­ge­meinde, über das Ende der Meta­physik und darüber, dass wir doch nicht die Stimme Gottes sind, son­dern nur die »Rit­ter der Schwafel­runde«. Dabei nimmt er den Blogs noch nicht ein­mal ihren Ein­fluss, der ja in eini­gen Fällen recht weitre­ichende Kon­se­quen­zen gehabt hat. Die meis­ten aber, und damit dürfte er zweifel­los Recht haben, sal­baderten lediglich selb­stre­f­eren­ziell vor sich hin. Und »der narzis­stis­che Glaube viel­er Blog­ger, schon im Moment ihrer Blogeröff­nung eine kri­tis­che poli­tis­che Gegenöf­fentlichkeit zu sein, die implizite Behaup­tung, das Medi­um selb­st sei Garant für bestechend unab­hängige Qual­ität und rit­ter­lich­es Tun, kann ermü­den«. Nicht nur das, es ist eine schlichte Lüge. Ich werde jet­zt erst­mal zum Kiosk wan­dern, mich ins Café Göt­tlich (sic!) set­zen, einen Schweinekaf­fee trinken und mir Her­rn Rühles …

Der-i-saadet

Das Mag­a­zin »du« hat in sein­er neuesten Aus­gabe Istan­bul unter die Lupe genom­men, die »Hippe Stadt am Horn«, wie der Titel etwas unpassend lautet. Denn was sich im Inneren auf 86 Seit­en aus­bre­it­et, ist mehr als nur hip. Es sind kleine, lebendi­ge Geschicht­en von Autoren wie dem Frieden­spreisträger Orhan Pamuk oder dem Ver­leger Egon Ammann, welche die Per­le am Bosporus lebendig wer­den lassen und die Sehn­sucht weck­en nach ein paar Tagen zwis­chen Ori­ent und Okzi­dent, zwis­chen Tak­sim und Üskü­dar. Eine wun­der­schöne Aus­gabe, bebildert von der nieder­ländis­chen Fotografien Ilse Frech, auch oder ger­ade für alle, die noch nie die »Der-i-saadet«, die Pforte der Glück­seel­igkeit besucht haben, aber vielle­icht mit dem Gedanken spie­len. Doch Vor­sicht, spätestens nach dieser Lek­türe lässt einen das Fer­n­weh nicht wieder los.

Wer will nochmal …

Nu ham wa den Salat! Der Berlin­er Ver­lag und mit ihm die Berlin­er Zeitung sowie das Lokalblatt Kuri­er gehören nicht mehr der Holtzbrinck-Gruppe, son­dern einem britis­chen Investor namens David Mont­gomery. »Pri­ma«, wird so manch­er denken, ein finanzkräftiger Ret­ter der Presse­frei­heit — und liegt daneben. Mont­gomery ist näm­lich nicht ger­ade beliebt für seine Engage­ments, schon gar nicht in der Medi­en­branche. Der Dai­ly Mir­ror hat schon unter ihm zu lei­den gehabt und nun scheint es auch in Deutsch­land soweit zu sein, dass Kap­i­tal vor Presse­frei­heit, Sparen vor gutem Jour­nal­is­mus kommt. So manch­er Redak­teur fürchtet schon um seinen Posten, DJV-Chef Michael Konken sagte heute in der taz, durch den Ein­stieg britis­ch­er Inve­storen im deutschen Zeitungs­markt sei die Hemm­schwelle weg, die Tür ist aufgeris­sen. Das macht Angst, vor allem weil Mont­gomery »kein richtiger Ver­leger sei, der stolz ist auf die Qual­ität sein­er Zeitung. Son­dern ein­er, der nur Gewinn machen will und dann wieder abhaut« (taz). Für David Mont­gomery ist der Berlin­er Ver­lag jedoch nur der erste Schritt in Rich­tung eines ganzen Mark­tes deutsch­er Ver­lagserzeug­nisse, vor­sor­glich wiegeln einige Blät­ter schon …

artstübli die Zweite

Sie haben es tat­säch­lich wahrgemacht, respek­tive auf die Beine gestellt: Bib­bo, Brogli und Kon­sorten präsen­tieren dieser Tage die zweite Aus­gabe des Swiss-Art-Mag­a­zins »art­stübli«. Rand­voll mit schick­en Geschicht­en über die Word­­less-Ausstel­lung in Zürich, feiste hol­ländis­che Grafik-Design­er wie Joost Korn­gold oder die Gestal­ten-Neuer­schei­n­ung »Blood, Sweat & Tears«. Beson­ders beein­druck­end sind die Arbeit­en des Reise­fo­tografen Nico Schär­er. Alles in allem 42 MB, die sich wieder lohnen und noch ein wenig fes­ch­er daherkom­men, als »Heftchen« Num­mer eins. Nicht nur für Schweiz­er ein wirk­lich­er Leckerbissen!