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Einsatz

Beamte der Berlin­er Staat­san­waltschaft haben gestern die Redak­tion­sräume des Polit­magazins »Cicero« durch­sucht, Unter­la­gen beschlagnahmt und den Redak­tion­sall­t­ag für einen hal­ben Tag lah­mgelegt. Der Grund dafür war ein Artikel des Jour­nal­is­ten Bruno Schirra über Abu Mussab al-Sarkawi, indem Schirra aus BKA-Akten zitiert hat­te, die mit dem Ver­merk »VS — nur für den Dien­st­ge­brauch« verse­hen waren. »Cicero«-Chefredakteur Wol­fram Weimer äußerte sich bish­er nur recht vor­sichtig, der Sprech­er des Ver­ban­des Deutsch­er Zeitschriften­ver­leger, Ste­fan Michalk, sieht den Vor­fall jedoch als Ver­stoß gegen die Presse­frei­heit. Bish­er scheint kein Mit­glied der »Cicero«-Redaktion ver­hört, geschweige denn angezeigt wor­den zu sein. Es bleibt also abzuwarten, welche Vor­würfe Bruno Schirra im Einzel­nen gemacht werden.

Zeitschriftendesign

Anlässlich der Ausstel­lung »Die Kun­st des SPIEGEL — Titel-Illus­­tra­­tio­­nen aus fünf Jahrzehn­ten«, die am Son­ntag in der Münch­n­er Pinakothek der Mod­erne zu Ende geht, find­et mor­gen ein Sym­po­sium zum The­ma »Zeitschriftengestal­tung: Kun­st — Kom­merz — Kom­mu­nika­tion« statt. Ab 18 Uhr find­en sich dazu Dominik Wich­mann, Chefredak­teur desSZ-Mag­a­zins, Man­fred Hasen­beck von Bur­daYukom Pub­lish­ing und Flo­ri­an Huf­nagl, lei­t­en­der Samm­lungs­di­rek­tor der Neuen Samm­lung ein. Dominik Wich­mann wird über »Her­aus­forderun­gen der poli­tis­chen Kul­tur an mod­erne Zeitschriftengestal­tung« sprechen, Man­fred Hasen­beck hält einen Vor­trag zur Frage, »Wie eine neue Medi­en­gat­tung den Zeitschriften­markt aufmis­cht«. Der Ein­tritt ist frei.

Home Sweet Home

Kaum meldet man sich zurück aus dem fer­nen und son­ni­gen Schot­t­land wird man mit diversen Zustän­den kon­fron­tiert. Als da wären die Nominierung meines Blogs für das Preis­bloggen der Zeit in der Sparte Kul­tur (klas­sis­ch­er Fall von erst mit­meck­ern und sich dann doch still ins Fäustchen freuen), das schwül-warme Wet­ter oder Diskus­sio­nen um Spiel­bergs neues Meis­ter­w­erk »Krieg der Wel­ten«. Dafür gibt es mor­gen einige schicke Bilder (so hoffe ich), so manchen Reise­bericht und Tips für den unentschlosse­nen Schot­t­­land-Urlauber sowie diverse lohnenswerte Links. Bis dahin erst ein­mal die her­zlich­sten Glück­wün­sche an das Bild-Blog für den gewonnenen Grimme Online Award und das Fraun­hofer Insti­tut für Inte­gri­erte Schal­tun­gen (Erfind­er des MP3-For­­mats), das heute mit dem Fraun­hofer-Insti­­tut für Inte­gri­erte Sys­teme und Bauele­mentetech­nolo­gie seinen 20. Geburt­stag feiert.

Where is the Wikitorial?

Das Wik­i­to­r­i­al der LA Times ist gescheit­ert, vor­erst zumin­d­est. Das Vorzeige­pro­jekt, ein — im Zuge der Öff­nung der Print­me­di­en — von den Lesern zu gestal­tendes Edi­to­r­i­al (Leitar­tikel), hat nicht so funk­tion­iert, wie von den Mach­ern gewün­scht. Nun heißt es bei der Times: Ganz aus­gereift schien die Idee diese Blog-Edi­­to­ri­als ohne­hin nicht zu sein. Reg­istri­eren mussten sich die Leser schon, anonym kon­nten sie jedoch immer bleiben. Jed­er über 13 Jahren durfte mit­machen, möglich war aber nur die Über­ar­beitung eines pro­fes­sionellen, vorgegebe­nen Edi­to­ri­als. Inzwis­chen hat die Times auch eine offizielle Erk­lärung zur Beendi­gung des Exper­i­ments abgegeben, in der es unter anderem heißt: Schuld an der Beendi­gung des Exper­i­ments waren also die Leser, beziehungsweise einige unbelehrbare Inter­net-Anar­­chos. Eine Rück­kehr scheint daher auch nur unter streng­ster Bewachung und Kon­trolle möglich. Selb­streg­ulierung adé. Vielle­icht soll­ten Zeitun­gen doch lieber beim guten alten Leser­brief bleiben. Via Heise

Fernsehen aus der Butze

Ein neuer Begriff durch­wabert die Medi­en­wel­ten: Unter­schicht­en­fernse­hen. Er stammt aus dem Munde Har­ald Schmidts und beschreibt ein For­mat, von dem sich leicht abgren­zen lässt, wie der Spiegel heute in einem kleinen, feinen Artikel vorzuführen weiß. Denn wer will schon gle­ichge­set­zt wer­den mit den­jeni­gen, die ihre »Stütze am lieb­sten in gas­tronomis­chen Kle­in­st­be­trieben, die ›Uschi’s Bowl­ing-Butze‹ heißen« verk­lop­pen oder im Fernse­hen darüber debat­tieren, wer Schuld am Mis­rat­en der Bla­gen sei? Das alltägliche Sal­badern auf allen Kanälen ist wohl doch eher Sache der Unter­be­lichteten, beziehungsweise Unter­ver­sorgten. Das macht Angst bei den Ver­ant­wortlichen, Sor­genkind sind da die Wer­beein­nah­men. Denn wenn die Wirtschaft davon Wind bekommt, dass die meist­ge­se­henen For­mate… Naja, das kön­nte weit führen, wenn man nur will. Da ist es doch ein­fach­er, und da freuen wir uns mit dem Spiegel, sich her­auszure­den. Die Argu­mente scheinen denkbar ein­fach: »Okay, uns geht’s schlecht, aber wenn wir Arte guck­en, ›Mare‹ abon­nieren und Har­ald Schmidt gut find­en, gehören wir wenig­stens nicht zu diesem dubiosen Gespen­ster­pö­bel­pack da unten.« Wem das zu feige ist, der find­et beim Spiegel auch die Möglichkeit mit zu diskutieren — …