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Recycling

Diese Redak­tion ist sicher­lich nicht vor Irrtümern gefeit. Doch in der alltäglichen Werbe­do­sis eines bekan­nten, deutschen Pri­vat­senders fiel ein Spot ins Auge, der uns selt­sam bekan­nt vorkam. Der Sek­t­fab­rikant Kupfer­berg bewirbt in ihm sein Pro­dukt »Kupfer­berg Gold« und das, wie es scheint, bere­its zum wieder­holten Mal. Der Spot gle­icht näm­lich einem Film­chen aus Vor­wen­dezeit­en (max­i­mal lassen wir die Anfänge der 1990er Jahre gel­ten) beina­he bis aufs Haar, sprich­wörtlich gese­hen. Fröh­liche Men­schen mit Per­lenohrrin­gen und lange aus der Mode gekommen­er Mode freuen sich da über aufgepeppte Klas­sik, die Korken knallen hüb­sch im Takt, alles in allem eine schicke End-80er-Welt. Das erstaunlich­ste an dieser Wieder­hol­ung ist jedoch, dass die Wer­bung immer noch funk­tion­iert. Kein Wun­der, sieht sich die Mainz­er Kellerei doch als Pio­nier der Wer­bung, wie sie auf ihrer Inter­net­präsenz ein­drucksvoll unter Beweis stellt. Und daher ist es kein Wun­der, dass der Spot kaum etwas von seinem Charme und sein­er Wirkung ver­loren hat. Oder was glauben Sie, was seit heute Nach­mit­tag bei uns im Kühlschrank liegt?

Der-i-saadet

Das Mag­a­zin »du« hat in sein­er neuesten Aus­gabe Istan­bul unter die Lupe genom­men, die »Hippe Stadt am Horn«, wie der Titel etwas unpassend lautet. Denn was sich im Inneren auf 86 Seit­en aus­bre­it­et, ist mehr als nur hip. Es sind kleine, lebendi­ge Geschicht­en von Autoren wie dem Frieden­spreisträger Orhan Pamuk oder dem Ver­leger Egon Ammann, welche die Per­le am Bosporus lebendig wer­den lassen und die Sehn­sucht weck­en nach ein paar Tagen zwis­chen Ori­ent und Okzi­dent, zwis­chen Tak­sim und Üskü­dar. Eine wun­der­schöne Aus­gabe, bebildert von der nieder­ländis­chen Fotografien Ilse Frech, auch oder ger­ade für alle, die noch nie die »Der-i-saadet«, die Pforte der Glück­seel­igkeit besucht haben, aber vielle­icht mit dem Gedanken spie­len. Doch Vor­sicht, spätestens nach dieser Lek­türe lässt einen das Fer­n­weh nicht wieder los.

Zeitschriftendesign

Anlässlich der Ausstel­lung »Die Kun­st des SPIEGEL — Titel-Illus­­tra­­tio­­nen aus fünf Jahrzehn­ten«, die am Son­ntag in der Münch­n­er Pinakothek der Mod­erne zu Ende geht, find­et mor­gen ein Sym­po­sium zum The­ma »Zeitschriftengestal­tung: Kun­st — Kom­merz — Kom­mu­nika­tion« statt. Ab 18 Uhr find­en sich dazu Dominik Wich­mann, Chefredak­teur desSZ-Mag­a­zins, Man­fred Hasen­beck von Bur­daYukom Pub­lish­ing und Flo­ri­an Huf­nagl, lei­t­en­der Samm­lungs­di­rek­tor der Neuen Samm­lung ein. Dominik Wich­mann wird über »Her­aus­forderun­gen der poli­tis­chen Kul­tur an mod­erne Zeitschriftengestal­tung« sprechen, Man­fred Hasen­beck hält einen Vor­trag zur Frage, »Wie eine neue Medi­en­gat­tung den Zeitschriften­markt aufmis­cht«. Der Ein­tritt ist frei.

Almabtrieb

Nun ist es soweit. Nach 25 Dien­st­jahren kommt das Aus für Karl Moik, Werkzeug­mach­er und Mis­ter Musikan­ten­stadl him­self. Nicht, dass er von sich aus keine Lust mehr hätte, in Leder­ho­sen und Karo­hemd über Spaghet­ti-Fress­er herzuziehen oder Mitar­beit­er zusam­men­zukeifen. Die bei­den Sendeanstal­ten ARD und ORF waren es, die entsch­iedenhaben, dass im Stadl frisches Blut her muss — Pseudotrompeter Ste­fan Mross ist bere­its im Gespräch. Dass damit für die Ver­ant­wortlichen eine Ära zu Ende geht, »die die volk­stüm­liche Musik­szene im deutschsprachi­gen Fernse­hen geprägt hat«, scheint den Abschied für Moik nicht ein­fach­er zu machen. Er spricht von ein­er »Entschei­dung von bess­er ver­di­enen­den Her­ren«. Ihm tue nur das Pub­likum leid und nach 25 Jahren hätte »der Stil der Abhalfterung ein ander­er« sein kön­nen. Stimmt, es hätte früher und schlim­mer kom­men kön­nen. Via Spiegel

Fernsehen aus der Butze

Ein neuer Begriff durch­wabert die Medi­en­wel­ten: Unter­schicht­en­fernse­hen. Er stammt aus dem Munde Har­ald Schmidts und beschreibt ein For­mat, von dem sich leicht abgren­zen lässt, wie der Spiegel heute in einem kleinen, feinen Artikel vorzuführen weiß. Denn wer will schon gle­ichge­set­zt wer­den mit den­jeni­gen, die ihre »Stütze am lieb­sten in gas­tronomis­chen Kle­in­st­be­trieben, die ›Uschi’s Bowl­ing-Butze‹ heißen« verk­lop­pen oder im Fernse­hen darüber debat­tieren, wer Schuld am Mis­rat­en der Bla­gen sei? Das alltägliche Sal­badern auf allen Kanälen ist wohl doch eher Sache der Unter­be­lichteten, beziehungsweise Unter­ver­sorgten. Das macht Angst bei den Ver­ant­wortlichen, Sor­genkind sind da die Wer­beein­nah­men. Denn wenn die Wirtschaft davon Wind bekommt, dass die meist­ge­se­henen For­mate… Naja, das kön­nte weit führen, wenn man nur will. Da ist es doch ein­fach­er, und da freuen wir uns mit dem Spiegel, sich her­auszure­den. Die Argu­mente scheinen denkbar ein­fach: »Okay, uns geht’s schlecht, aber wenn wir Arte guck­en, ›Mare‹ abon­nieren und Har­ald Schmidt gut find­en, gehören wir wenig­stens nicht zu diesem dubiosen Gespen­ster­pö­bel­pack da unten.« Wem das zu feige ist, der find­et beim Spiegel auch die Möglichkeit mit zu diskutieren — …