Author: Trotzendorff

Röntgenaufnahme eines Knie-Gelenks

In die Röhre geguckt

Dass die Unter­suchung in ein­er Senior*innenresidenz stat­tfind­et, ist ein sym­pa­this­ch­er Wink des Schick­sals. Ich füh­le mich zwar noch nicht alt, aber wenn ein­mal was mit dem Knie ist, kann das ja nicht mehr so lange dauern. Wo der Schmerz denn sitzen würde, fragt mich die Assis­tentin. »Hier, links außen meis­tens«, sage ich. »Manch­mal aber auch hier unten drunter«. Sie guckt etwas skep­tisch, dann schiebt sie mich in die Röhre.

Gold-gelbes Herbstlaub auf dem Boden

Hei hei, kesä!

Ich kön­nte noch dutzende Blog-Posts schreiben und hun­derte Fotos schießen, ich kön­nte Ihnen erzählen, wie der Som­mer in Finn­land ist — und ganz beson­ders in Helsin­ki. Ich kön­nte schwär­men vom Licht und den Men­schen und der Musik in den Straßen, von den Nächt­en, die keine sind, und den Tagen, die nicht enden wollen. Ich kön­nte schreiben und fotografieren und erzählen, aber sie wür­den immer noch nicht wis­sen, was das wirk­lich heißt: Som­mer in Finnland.

Briefmarke mit einer erotischen Männer-Zeichnung des finnischen Künstlers Tom of Finland

Abgestempelt: »Es sind nur Pobacken!«

Der kom­mende Mon­tag wird ein denkwürdi­ger Tag. An diesem Tag näm­lich set­zt die finnis­che Post Itel­la einem der berühmtesten finnis­chen Künstler*innen des 20. Jahrhun­derts ein Denkmal mit drei Brief­marken: Touko Laak­so­nen, bess­er bekan­nt als »Tom of Fin­land«. Während das an sich noch nicht ungewöhn­lich ist, sind es min­destens die Motive: muskulöse Oberkör­p­er, Led­er­stiefel, Ker­le in Uni­form, Pobacken.

Eine Frau steht bei der Luftgitarren-Weltmeisterschaft in Finnland auf der Bühne

Wenn die Nichte des Teufels auf Rockin’ Rabbit trifft

Vir­tu­ose Gitarrist*innen? Da wer­den Sie jet­zt an Mark Knopfler denken oder Jen­nifer Bat­ten, an Al Di Meo­la oder John McLaugh­lin, an El Hefe oder Dave Mur­ray. Aber sagen Ihnen Eric »Mean« Melin« Melin oder Emmanuelle »Miss Issipy« Stemp­ni­akows­ki etwas? Oder Doug »The Thun­der« Stroock und Aline »The Devil’s Niece« West­phal, Altair »Rockin’ Rab­bit« Kassy­mov oder Vladle­na »Ivana Rock« Kamin­skaya? Sie alle sind Stars und vir­tu­ose Gitarrist*innen — unter ihnen sind sog­ar waschechte Weltmeister*innen. Aber eins haben die meis­ten von ihnen nicht: eine Gitarre.

Ausblick aus einem Auto auf eine sonnenüberflutete Straße mit Palmen

Was in drei Koffer passt

Wir waren drei Geschwis­ter und entsprechend hat­ten wir drei Kof­fer. Ich glaube, mein Vater hat­te sie uns von ein­er sein­er Dien­streisen mit­ge­bracht — drei Kof­fer wie eine Matr­josch­ka: In den roten, er gehörte mein­er Schwest­er, passte der gelbe Kof­fer meines Brud­ers, und in den wiederum passte mein­er — ein klein­er orangener Kof­fer, nicht viel größer als ein Schuhkar­ton. Und obwohl sie alle nicht beson­ders groß waren, pack­ten wir bei jed­er Reise hinein, was ging und was mit musste. Ein Kuschelti­er und das Lieblingskissen, vielle­icht noch ein Buch und eine Taschen­lampe. Viel mehr nicht. Doch das reichte.