Author: Trotzendorff

Drei Jugendliche auf BMX-Rädern fahren bei Sonnenuntergang eine Straße hinunter

Maabrändi: Wie Finnland an seinem Image schraubt

Finn­lands Touris­mu­sor­gan­i­sa­tio­nen begeis­tern mich immer wieder aufs Neue. Wieviel Liebe, Zeit, Geld und pos­i­tive Energie dieses Land in seine Kam­pag­nen steckt, ist beein­druck­end. Das Ergeb­nis: Wun­der­bare Broschüren, Filme und Ver­anstal­tun­gen, deren erstk­las­sigem Design und Hochglanz­in­halt es neben vielem anderen zu ver­danken ist, dass Jahr für Jahr mehr Men­schen nach Finn­land kom­men. Doch eins fällt auf: Das Meiste davon ist ziem­lich weit ent­fer­nt von der Wirklichkeit.

Ein Topf mit Sauce Bolognese steht auf einem Balkontisch

Die beste Bolognese der Welt? Hier ist das Rezept

Vor­ab muss ich mir die Zeit nehmen für eine Entschuldigung und eine War­nung. Die Entschuldigung zuerst: Die Über­schrift ist nicht kor­rekt. Eigentlich müsste es »Das beste bolog­nese« heißen, denn das, was wir in Deutsch­land als Sauce Bolog­nese ken­nen, ist eigentlich ein »Ragù alla bolog­nese«. Und nun die War­nung: Das, was ich aus diesem Gericht gemacht habe, ist sen­sa­tionell leck­er (Son­st wäre es ja auch nicht die oder das beste Bolog­nese der Welt), aber soll­ten Sie Italiener*in sein, kön­nten es passieren, dass Sie die Hände über dem Kopf zusam­men­schla­gen ob einiger Zutat­en. Aber lassen wir es drauf ankommen.

Röntgenaufnahme eines Knie-Gelenks

In die Röhre geguckt

Dass die Unter­suchung in ein­er Senior*innenresidenz stat­tfind­et, ist ein sym­pa­this­ch­er Wink des Schick­sals. Ich füh­le mich zwar noch nicht alt, aber wenn ein­mal was mit dem Knie ist, kann das ja nicht mehr so lange dauern. Wo der Schmerz denn sitzen würde, fragt mich die Assis­tentin. »Hier, links außen meis­tens«, sage ich. »Manch­mal aber auch hier unten drunter«. Sie guckt etwas skep­tisch, dann schiebt sie mich in die Röhre.

Gold-gelbes Herbstlaub auf dem Boden

Hei hei, kesä!

Ich kön­nte noch dutzende Blog-Posts schreiben und hun­derte Fotos schießen, ich kön­nte Ihnen erzählen, wie der Som­mer in Finn­land ist — und ganz beson­ders in Helsin­ki. Ich kön­nte schwär­men vom Licht und den Men­schen und der Musik in den Straßen, von den Nächt­en, die keine sind, und den Tagen, die nicht enden wollen. Ich kön­nte schreiben und fotografieren und erzählen, aber sie wür­den immer noch nicht wis­sen, was das wirk­lich heißt: Som­mer in Finnland.

Briefmarke mit einer erotischen Männer-Zeichnung des finnischen Künstlers Tom of Finland

Abgestempelt: »Es sind nur Pobacken!«

Der kom­mende Mon­tag wird ein denkwürdi­ger Tag. An diesem Tag näm­lich set­zt die finnis­che Post Itel­la einem der berühmtesten finnis­chen Künstler*innen des 20. Jahrhun­derts ein Denkmal mit drei Brief­marken: Touko Laak­so­nen, bess­er bekan­nt als »Tom of Fin­land«. Während das an sich noch nicht ungewöhn­lich ist, sind es min­destens die Motive: muskulöse Oberkör­p­er, Led­er­stiefel, Ker­le in Uni­form, Pobacken.