Author: Trotzendorff

Good Morning!

Nein, eigentlich bin ich kein Fan von Kanye West. Dafür aber ein umso größer­er von Takashi Muraka­mi. Die bei­den haben auch nicht viel gemein­sam, außer, dass Muraka­mi für West im ver­gan­genen Jahr das Video von «Good Morn­ing» pro­duziert hat. Nun ist «Good Morn­ing» tat­säch­lich nicht nur ein recht schick­es Stück Musik — auch, wenn mir Kanye Wests «Narziss­mus deluxe», wie laut.de das ein­mal nan­nte, ziem­lich auf den Keks geht —, der Clip ist vor allem ein erneuter und genialer Beweis dafür, dass Muraka­mi im pos­i­tiv­en Sinn vor nichts Halt macht, dass er wie kein Zweit­er derzeit in der Lage ist, Kun­st und Kom­merz zu einem Erfol­gs­brei zu ver­mis­chen. Wer wis­sen möchte, wie die Zusam­me­nar­beit zwis­chen dem Japan­er und dem amerikanis­chen Rap­per geklappt hat, der kann das bei MTV nach­le­sen. Und für wen damit die Dosis Muraka­mi noch nicht hoch genug ist, der kann noch bis zum 4. Jan­u­ar nach Frank­furt ins MMK fahren und sich die bish­er umfan­gre­ich­ste Ret­ro­spek­tive sein­er Arbeit­en (mehr als 130 Bilder, Skulp­turen, Instal­la­tio­nen und Videos) anschauen — «Kaikai & Kiki»-Shop inklusive.

»Ich bin die Hure von Microsoft«

Nach wie vor ist der Inter­net Explor­er der meist­genutzte Brows­er der Welt. Selb­st durch regelmäßig ent­deck­te Sicher­heit­slück­en wack­elt sein Thron nur, aber er ste­ht. Nun traut sich ein IE-Fan an die Öffentlichkeit, wenn auch anonym. Nils Sev­erin (Name geän­dert) spricht mit Trotzen­dorff über sein Faible für Red­mond, Sicher­heit­slück­en, Open Source und mitlei­di­ge Blicke.

»Ich bin ihr wahrgewordener Traum«

Mit Tele­fon­sex wer­den jährlich wohl Mil­liar­den umge­set­zt, doch es ist eines dieser Geschäfte, die von nie­man­dem leben. Nie­mand ruft alle diese Num­mern nachts an, nie­mand spricht mit all diesen Frauen. Und erst recht ken­nt nie­mand sie per­sön­lich. Phillip Toledano hat zumin­d­est einige ken­nen­gel­ernt. Und er hat mit ihnen nicht am Tele­fon gesprochen, son­dern sie besucht, fotografiert, inter­viewt. «Tele­fon­sex ist The­ater», schreibt er in der Ein­führung zu seinem Pro­jekt «Phone Sex». «Er benötigt eine leb­hafte Phan­tasie, schaus­pielerisches Kön­nen und — vor allem — ein tiefes Ver­ständ­nis für die men­schliche Lust.» Alle Beteiligten an seinem Foto­pro­jekt bleiben anonym, doch ihre Aus­sagen sind per­sön­lich, humor­voll, ehrlich. Sie erzählen von Intim­ität, Selb­st­wert­ge­fühl, der Welt da draußen und von Geld. So wie die Frau auf dem Foto:   Da wäre der Typ mit dem kleinen Schoßhund, der sich sich­er ist: «Sie wollen mich». Der sich sich­er ist, dass er in dem, was er tut, ein «Pro» ist, ein Profi eben. Und mit dem sich die Frauen oft tre­f­fen wollen. Oder die 60-Jährige, seit 25 Jahren ver­heiratete Dame, die einen B.A. in …

Ein Mann und seine Straße

Die Moskauer Stadtver­wal­tung ist aber irgend­wie auch selb­st Schuld. Schließlich ste­ht in ein­er ihrer Verord­nun­gen aus dem Jahr 1997, Straßen­na­men soll­ten «wohlk­lin­gend, leicht aussprech­bar, kurz und ein­prägsam» sein. Jet­zt hat sie den Salat, Recht­san­walt Jew­genij Cham­zow mag den Namen sein­er Straße (Die Nord­west-Südost-Achse auf dem Foto) nicht mehr. Das kann man ver­ste­hen, denn auf dem Schild ste­ht «Scharikopod­schip­nikowska­ja Uliza», für Geschäft­spost oder die tele­fonis­che Weit­er­gabe der Adresse wohl ein ziem­lich­er Klotz am Bein. Deshalb will Cham­zow jet­zt, dass die Stadt seine Straße umbe­nen­nt. Vorschläge scheint er keine gemacht zu haben, zumin­d­est schreibt die Moskauer Deutsche Zeitung nichts davon. Vielle­icht geht die Stadtver­wal­tung ja nach dem gle­ichen Schema vor wie beim let­zten Mal — damals wurde die Straße anscheinend nach einem dort ansäs­si­gen Kugel­lager­w­erk benan­nt. Aber mal ehrlich, Herr Cham­zow, andere Moskauer, etwa in der «Syromy­at­nich­eskaya Naberezh­naya» oder der «Sere­bryanich­eskaya Naberezh­naya» haben es auch nicht viel bess­er erwis­cht. Küm­mern Sie sich da mal bitte drum?

Meisterwerke aus Lego

Die Zeit­en von Lego sind für mich seit langem vor­bei. Doch irgend­wann im Leben kommt der Moment, da man sich an den alten Kar­ton auf dem Dachbo­den erin­nert, und plöt­zlich erwis­cht man sich dabei, dass man gedanken­ver­sunken auf dem Fuß­bo­den hockt und Miniaturstädte baut. Ein­er, dem das anscheinend nicht genügt hat, ist ein Ital­iener, der sich «udronot­to» nen­nt. Er baut nicht ein­fach nur All­t­agsszenen, er kopiert Kun­st. So zum Beispiel neben­ste­hen­des Abendmahl von Leonar­do da Vin­ci, eines der wohl bekan­ntesten Gemälde der Welt. Und ein Blick in seine flickr-Galerie zeigt, dass er schon so manchem Großmeis­ter Konkur­renz gemacht hat. Zweites schönes Beispiel: Edward Hop­pers «Nighthawks», das im «Art Inis­ti­tute of Chica­go» hängt. Beson­ders gelun­gen: Die Beleuch­tung, mit der schon Hop­per so großar­tig Innen von Außen abge­gren­zt hat. Weit­ere Arbeit­en, die udronot­to gebastelt hat: Die Arnolfi­ni-Hochzeit, im Orig­i­nal von Jan van Eyck, natür­lich die Mona-Lisa oder einen sehr schick­en Vermeer.