Ich bestelle das teuerste Gericht auf der Karte. Nicht, weil ich es gern dekadent habe, sondern weil es — neben einem gemischten Salat — das Einzige ist, das vegan sein könnte. 26 Franken und 50 Rappen stehen daneben, nach aktuellem Wechselkurs sind das etwa etwa 21,60 Euro. Für den Preis freue ich mich auf einen überwältigenden »Gemüseteller mit Bratkartoffeln«.
Ich werde nicht enttäuscht. Der Teller ist überwältigend — schlicht. Gedämpfter Brokkoli und Blumenkohl liegen neben ein paar Stücken Karotte, Zucchini und Kohlrabi, dazu ein Schüsselchen kleine Kartoffeln und ein Saucen-Töpfchen mit einer orangefarbenen Creme. Ob irgendetwas bei dem Gemüse dabei sei, habe ich die Kellnerin vorher gefragt und ich lerne an diesem Abend, dass ich ganz einfach präziser werden muss. Das Gemüse ist mit einer hauchdünnen Schicht Schweizer Käse überzogen, was in der Creme ist, lässt sich nicht erahnen.
Jede Packung drehe ich dreimal um
Zwei Tage in Basel werden mir zeigen, wie gut vorbereitet Veganer auf Reisen offenbar sein müssen. Der einzig vegane Snack, den ich in einem zentrumsnahen COOP finde, ist ein Bio-Biber, im Café des Vitra-Design-Museums ist die Ausbeute gleich Null. Und selbst in der Jugendherberge ist die Auswahl dürftig — dabei dachte ich bislang, die Schnittmenge zwischen Jugendherbgsgästen und Veganern sei zumindest so groß, dass der Mechanismus von Angebot und Nachfrage greift. Zum Frühstück aber gibt es ausschließlich Butter, keine Margarine. Es gibt ausschließlich Vollmilch, keine Sojamilch, und es gibt zwar tolles Brot, aber neben Nutella, Wurst, Käse und anderem — alles andere als veganem — Belag gerade mal zwei Sorten Marmelade. Zumindest unterzuckern werde ich an diesem Wochenende nicht. Read More
