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Die neue Hamburger-Schule

Es hat mal eine Zeit gegeben, da hat­ten die Schnell­restau­rants mit dem gold­e­nen «M» den Charme der Sty­ro­porver­pack­un­gen, in denen ihre Burg­er verkauft wur­den. Presss­chaum­mö­bel für die Gäste, ein skur­ril­er Clown als Wer­be­fig­ur und Toi­let­ten, für die sich sog­ar die Bahn in Grund und Boden geschämt hätte. In diesen Zeit­en waren Burg­er noch fet­tig und die Cola bestand noch zu 90 Prozent aus Eis. Eine Keramik­fig­ur des Kün­stlers Barn­a­by Bar­ford ist eben der Reklame­clown Ronald McDon­ald, der sich am Straßen­rand mit Dosen­bier besäuft. Bar­ford wird es vielle­icht nicht gewollt haben, aber es gab Zeit­en, da wäre das als Real­is­mus durchge­gan­gen. Die Jeans der Verkäuferin­nen sind noch diesel­ben, die Junk-Zeit­en aber sind vor­bei. Denn irgend­wann kamen Inte­ri­or-Design­er, Pro­duk­ten­twick­ler und der Ökotrend. Und so ver­speist man heute nicht mehr nur Burg­er, Pommes & Co, son­dern auch Obst oder Joghurt und wird gle­ichzeit­ig auf den Tablet­tauslegern über aktives Leben informiert. Das Ganze find­et in loungeähn­lichen Hallen statt, in denen man auch noch Kaf­fee bekommt, der mit dem Siegel der «Rain­for­est Alliance» zer­ti­fiziert ist, und die mit Gym&Fun-Ecken für die Kleinen aus­ges­tat­tet sind. Doch all das macht mich nicht stutzig. All das haben sich cle­vere Mar­ket­ing­fach­leute aus­gedacht, die ihren Job ver­ste­hen und die genug Geld in die Hand gedrückt bekom­men haben, um all das plus Hei­di Klum zu bezahlen. Fast­food verkaufen ist eine Kun­st, das ist das Ein­maleins der neuen Ham­burg­er-Schule. Read More

Hey, Mr. Brightkite!

Zugegeben, bei vie­len der Net­zw­erke, Tools und Spiel­ereien, die das Inter­net so her­vorge­bracht hat, habe ich einen zweit­en, manch­mal sog­ar einen drit­ten Blick gebraucht, um den Reiz dahin­ter zu ent­deck­en. Bei twit­ter war das so, bei flickr auch, beim Bloggen sowieso. Vielle­icht habe ich mir nicht genug Zeit genom­men, vielle­icht erschließt sich vieles aber auch erst im Laufe der Zeit. Mal sehen, wir mir das mit Brightkite geht, einem sozialen Net­zw­erk, dass ähn­lich funk­tion­iert wie ein ortsab­hängiges twit­ter und das derzeit noch im Beta-Sta­tus steckt. «The basic idea is sim­ple. When you’re out and about in the real world, you tell Brightkite where you are by check­ing in at places (you can do this on your phone). Brightkite can then tell you who else is there, who’s been there, what’s hap­pened there, who is near­by etc. Addi­tion­al­ly you can post notes and pho­tos at places that oth­ers near­by will see.» (Aus der FAQ)

Derzeit ist die Anmel­dung zu Brightkite nur nach vorheriger Ein­ladung möglich, Patrick Kempf war allerd­ings so nett, mir eine von seinen zu über­lassen. Danke dafür! Faz­it nach einem Woch­enende: Zwei Tage unter­wegs gewe­sen, Brightkite zweimal genutzt, funk­tion­iert tadel­los. Allerd­ings muss man dazu sagen, dass dieses Net­zw­erk seine Stärken erst mobil ausspielt. Über die seit eini­gen Tagen erhältliche iPhone-App etwa. Der Vorteil: Das Pro­gramm macht anhand der eige­nen Posi­tion Vorschläge, wo man sich befind­en kön­nte, von Arzt­prax­en über Restau­rants bis hin zu Pri­vatadressen, man kann nach­schauen, wo sich Fre­unde rumtreiben, Anfra­gen beant­worten oder über das «Place Snap­ping» automa­tisch seine Posi­tion aktu­al­isieren lassen. Mit diesen vielver­sprechen­den Funk­tio­nen macht das Ganze ziem­lich viel Vergnü­gen, wenn man das nach zwei Mal «eincheck­en» über­haupt schon sagen kann. In der kom­menden Woche aber wer­den sich wohl noch ein paar mehr Möglichkeit­en ergeben. Ab Dien­stag geht es auf Tour, über Regens­burg und Linz durch die Wachau nach Wien.

Übri­gens: Drei Ein­ladun­gen zu Brightkite hätte auch ich noch zu vergeben, wer Inter­esse daran hat, das Net­zw­erk mal auszupro­bieren, kann mir ein­fach einen Kom­men­tar hin­ter­lassen oder eine Mail schreiben.

Profil los (Und es hat «Xxxiiinnnng» gemacht)

Ich weiß schon, Sie wer­den jet­zt sagen: «Das ist sowas von 2007!» Ich bin zu spät, schon klar. Den­noch: Ich habe meine Pro­file gelöscht, bei Face­book und bei Xing. Eigentlich hätte mir schon vor einem Jahr klar sein kön­nen, das das passieren würde. Als ich gemerkt habe, wie sehr mich Stu­di­VZ lang­weilt, wie schnell ich ermüde in diesen sozialen Net­zw­erken. Am Ende war es nur eine Kleinigkeit, die den Auss­chlag gegeben hat: Die Tat­sache, dass nicht zahlende Nutzer bei Xing inzwis­chen anscheinend vol­lkom­men aus­ge­bremst wer­den. Sie dür­fen nichts mehr, keine Nachricht­en schreiben, keine vernün­ftige Suche aus­führen. Sie sind de fac­to hand­lung­sun­fähig. Alle anderen dür­fen 5,95 Euro zahlen.

Nun habe ich das sog­ar noch in Kauf genom­men, habe eine Gruppe geleit­et, habe Kon­tak­te gepflegt, Nachricht­en geschrieben, Kol­le­gen akquiri­ert. Und doch ist es bei all diesen Net­zw­erken nach ein­er gewis­sen Zeit das­selbe: Der Bewe­gungsra­dius ist zu ger­ing, die Funk­tio­nen schlicht lang­weilig, die Ange­bote zu wenig indi­vidu­ell. Viel wichtiger aber sind die Auswirkun­gen auf den All­t­ag: Wie viel Zeit habe ich mit sinnlosen Din­gen ver­bracht? Damit, nachzuschauen, wer mein Pro­fil aufgerufen hat, wer in welch­er Gruppe welche Nachricht­en schreibt, all die Karteile­ichen bei ihrem Dasein zu beobacht­en und dabei gar nicht zu merken, wie wenig mir all das bringt. Die ersten Berichte über Aussteiger von Stu­di­VZ und Co. sind längst gelaufen, bei Spiegel, in der Zeit, in Weblogs. Und jet­zt: füh­le ich mich frei. «Xxxi­i­innnng» hat es gemacht. Aus. Read More

Ein Tag am See

Was so alles vorüberzieht, wenn einem das Leben ein wenig Zeit schenkt und der Wind nur kräftig genug weht. Mar­o­des Laub, Kinder mit Ahorn­nasen, Schil­fgeruch. Und Fra­gen. Kann man an einem radel­nden Pärchen erken­nen, wie ihre Beziehung funk­tion­iert? Spielt es eine Rolle, dass sie vorne wegfährt? Und er hin­ten Fax­en macht? Kann man bei den bei­den da vorne von den Anziehsachen auf den All­t­ag schließen? Von den Rollschuhen über den Wind­break­er bis zur Son­nen­brille der per­fek­tion­ierte Part­ner­look. Und ob die keifende Alte da ihren hüft­lah­men Mann vielle­icht doch liebt? Manche Men­schen genü­gen an solchen Tagen sich selb­st, manche brauchen ihre beste Fre­undin, den Hund, Sport. Manche hören an einem solchen Tag das Plätsch­ern der Wellen, manche nur das Hun­dege­bell, manche die keifende Alte hin­ter sich. Und an manchen weht ein Duft, eine vage Erin­nerung … vorbei.

Es ist lange her, dass ich Kinder mit Ahorn­nasen gese­hen habe. Von drüben, vom brüchi­gen Aus­flugs­dampfer, schwappt wie in Wat­te gepackt die Stimme des Ansagers ans Ufer. Der richtige Moment, das Leben neu zu ver­messen, darüber nachzu­denken, warum ich Son­ntage eigentlich gar nicht mag. Und darüber, ob das ab heute vielle­icht anders wird. Ein Tag wie mit Sirup oben drauf.

Memento mori et MacBook

Wohl kaum jemand, der in den ver­gan­genen Jahren das Mac­Book bere­its als Design-Klas­sik­er beze­ich­net hat, wusste, wie recht er damit hat. Zumin­d­est mit dem «Klas­sik­er». Die Geschichte spricht auch mal wieder dafür, wie gut Apple darin ist, die kleinen Geheimnisse sein­er Fir­mengeschichte für sich zu behal­ten. Das Foto, das wir hier sehen, hat der flickr-User pat­a­p­at aufgenom­men, und zwar im Kun­st­mu­se­um Basel, das Orig­i­nal des 1620 von einem deutschen Meis­ter gemal­ten «Memen­to mori» hängt jedoch im Frank­furter Städel (Inven­tar Nr. 2236). Und es zeigt: Den ersten Entwurf für eben das Stück Com­put­ergeschichte, das heute als Mac­Book bekan­nt ist. 388 Jahre alt!

«Sehr tra­di­tionelle und all­ge­mein als über­holt ange­se­hene The­o­rien sahen im Design die reine For­mge­bung von Objek­ten zum Zwecke der ‹Ver­schönerung› und Verbesserung der prak­tis­chen Funk­tion­al­ität», lesen wir bei Wikipedia zum Stich­wort Design. «Ger­adezu tele­ol­o­gisch strebten sie als Endzweck nach ein­er endgülti­gen, nicht mehr zu verbessern­den Form der Dinge, als seien diese nicht stets durch Mate­ri­alien, Tech­nolo­gien, Gebrauch­sweisen, Bedürfnisse und Funk­tio­nen lim­i­tiert und vor­läu­fig. Betont wurde der Vor­bild­charak­ter bes­timmter Entwürfe.» Was auf diesen wohl bis auf kleinere Details zutr­e­f­fen dürfte. Wie vielle­icht den Apfel auf dem Deck­el, den der Meis­ter wohl noch nicht im Sinn hat­te. Es gibt jedoch einen anderen, his­torisch äußerst bemerkenswerten Umstand in dieser Geschichte: Denn Apple hat lange Zeit als Hauss­chrift die Gara­mond ver­wen­det, die von Claude Gara­mond stammt, der diese Schrift in 16. Jahrhun­dert schuf und die dann von Jean Jan­non 1620 unter dem Namen ihres Schöpfers pub­liziert wurde. Wer mag da noch an Zufall glauben?