Macht & Geld
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Ich bin stolz, ein Sachse zu sein

Gut, ich weiß. Eigentlich bin ich gar kein Sachse. Eigentlich bin ich Rheinländer. Aber ich lebe hier, seit drei Jahren, und das gerne. Und das soll noch ein bisschen so bleiben. Jetzt aber kommen sie wieder, all die klugen Köpfe, und zeigen mit dem nackten Finger in den Osten, auf »die Sachsen«, auf »die Thüringer«. Was wurde da aber auch wieder gewählt, die NPD in Sachsen scheint die Fünf-Prozent-Hürde zu knacken, in Thüringen bleibt sie knapp darunter. So zumindest sieht es derzeit aus. Bei Twitter gibt es genügend Kommentare, die das allen Sachsen in die Schuhe schieben. Teilweise dumpfe Polemik wie hier oder hier, die kein Mensch braucht und die die Debatte gewollt in eine unsachliche Ecke treibt. Und einige hauen gleich auch noch auf Sachsen-Anhalt ein, obwohl dort gar nicht gewählt wurde. Unerträglich.

Es ist leicht, aus der Entfernung Schuldige zu suchen. Auch einer meiner ersten Gedanken war: »In was für einem Land lebe ich hier eigentlich?« Ich war drauf und dran, mich zu schämen. Doch das tue ich nicht. Ich habe gegen Parteien wie die NPD angewählt, ich lebe auch hier, um Rechts weniger Platz einzuräumen. Das jetzige Ergebnis aber führt wieder dazu, dass Menschen, die nie hier gewesen sind, sich eine Meinung von den Neuen Ländern bilden, die mit der Realität nichts zu tun hat. Es führt dazu, dass Menschen selbst dann, wenn sie hier Arbeit angeboten bekommen, nicht in den Osten ziehen. Ich erlebe seit einem Jahr, wie spärlich die Reaktionen auf solide Jobangebote ausfallen. Polemiken wie die nach dieser Wahl tragen ihren Teil dazu bei, dass das so bleiben wird.

Zugegeben, die Gegenargumente sind leicht zu finden. Denn um ernsthaft für Zuzug in Sachsen oder Thüringen zu sorgen und etwas an den politischen Verhältnissen zu ändern, braucht es mehr als nur Einzelbeispiele. Es braucht einen stabilen Arbeitsmarkt, eine attraktive Infrastruktur und ein lebenswertes Umfeld auch außerhalb von Städten wie Leipzig. Somit sind diese Zeilen auch Ausdruck einer gewissen Hilflosigkeit. Der Osten steckt in einem Dilemma. Er hat ein Problem mit Rechts, kann aber denjenigen, die daran etwas ändern könnten, zu wenig bieten. Ich aber lebe hier, ich habe hier gewählt und mir wird schlecht, wenn ich lesen muss, was aus einem Wahlergebnis wie dem sächsischen gemacht wird. Plumpe Parolen haben wir hier schon genug.

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5 Kommentare

  1. Recht so. Natürlich ist jede Stimme für die NPD eine zu viel, aber ich will mal das Bundesland sehen, in dem es nicht ein paar Prozent Brote gibt.

  2. Was sich mir aber nicht erschließt, ist der Grund des Stolzes darauf, Sachse zu sein. Aber schön, dass es Dir hier gefällt ;-)

  3. Hm. Glaubwürdige Aussage, aber nur wenn die nächste Überschrift – unabhängig vom Posting – »Fußball, Ficken, Alkohol!« lautet. ;-)

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