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De caritatis

»Wende dich hin, wende dich her, o Sulamith! Wende dich hin, wende dich her, daß wir dich schauen! Was seht ihr an Sulamith beim Reigen im Lager? Wie schön ist dein Gang in den Schuhen, du Fürsten­tochter! Die Run­dung dein­er Hüfte ist wie ein Hals­geschmei­de, das des Meis­ters Hand gemacht hat. Dein Schoß ist wie ein run­der Bech­er, dem nim­mer Getränk man­gelt. Dein Leib ist wie ein Weizen­haufen, umsteckt mit Lilien. Deine bei­den Brüste sind wie junge Zwill­inge von Gazellen. Dein Hals ist wie ein Turm von Elfen­bein. Deine Augen sind wie die Teiche von Hes­chbon am Tor Bat-Rab­bim. Deine Nase ist wie der Turm auf dem Libanon, der nach Damaskus sieht. Dein Haupt auf dir ist wie der Karmel. Das Haar auf deinem Haupt ist wie Pur­pur; ein König liegt in deinen Lock­en gefan­gen. Wie schön und wie lieblich bist du, du Liebe voller Wonne! Dein Wuchs ist hoch wie ein Palm­baum, deine Brüste gle­ich den Wein­trauben. Ich sprach: Ich will auf den Palm­baum steigen und die Zweige ergreifen. Laß Deine Brüste sein wie Trauben …

Überfluss

Ich weiß, ich werde nicht behaupten kön­nen, ich habe von nichts gewusst. Die Prü­fun­gen ste­hen an und das bedeutet Ler­nen. Ler­nen bedeutet Lesen und das tut man eben auch aus Büch­ern. Nun stapelt sich also vor mir Fach­lit­er­atur neben Lyrik, Romane neben Zeitschriften, Auf­sätze neben Noti­zen. Kür­zlich erst habe ich Bern­hard Schlinks »Vor­leser« begeis­tert been­det, es liegen da unter anderem noch Wielands »Agath­on«, Moritz’ »Anton Reis­er« oder die »Bud­den­brooks«. Dazu besitze ich seit gestern das zur Auf­frischung nüt­zliche, aber etwas schnar­chig klin­gende Werk »Roman­the­o­rie und Erzählforschung«, im Regal wartet die Gesam­taus­gabe Schillers auf mich und verzweifelt über­lege ich, warum zum Teufel ich mir aus der Uni­ver­sitäts­bib­lio­thek Band 5 ein­er Sim­mel-Aus­­gabe bestellt habe. Selb­st beim Durch­blät­tern bin ich nicht mehr drauf gekom­men. Dafür aber habe ich mir eben­falls gestern — als seel­is­chen Aus­gle­ich — »Deutsch für Profis« von Wolf Schnei­der zugelegt. Irgend­wie bin ich dem Mann ohne­hin schon ver­fall­en, doch bere­its die Über­schrift des 1. Kapi­tels (»Der Duden hat kapit­uliert«) hat mich davon überzeugt, dass sich der Kauf gelohnt hat. Neben alle­dem stapeln sich zu meiner …

Elchsuppe

99 Dosen Elch­suppe, das ist der größte Bestandteil der Ehrung, die der Schrift­steller und Titan­ic-Mit­­grün­der Hans Traxler im kom­menden Jahr im Rah­men des Deutschen Satirepreis­es »Göt­tinger Elch« erhält. Daneben gibt es zwar auch noch eine Brosche und 3333,33 Euro, aber das erscheint bei ein­er solchen Mahlzeit doch neben­säch­lich. Ich empfehle, als Vor­speise Paula, die Leucht­gans zu schlacht­en und zum Nachtisch entwed­er das Fromme Krokodil oder Pro­peller tra­gende Kühe zu ver­putzen. Nur Spaß, liebe Tier­schützer und Kinder­buch­leser. Meine Verehrung!

Stirb, Harry. Stirb!

Hat­ty Pot­ter soll ster­ben, im siebten Band, zumin­d­est meldet das der »Dai­ly Mir­ror«. Was in der einge­fleis­cht­en Fange­meinde für einen Auf­schrei sorgt — schließlich musste man schon den Tod so geliebter Men­schen wie Sir­ius Black oder Albus Dum­b­le­dore verkraften — erweist sich auf den zweit­en Blick wohl eher als cle­vere Mar­ket­ingstrate­gie. Eröffnet doch nur Har­rys Tod die Möglichkeit, eine zweite Serie schick­er Büch­er zu schreiben. Im Jen­seits, vere­int mit den Eltern und seinen Lieb­sten (wo sich natür­lich auch Lord Volde­mort wieder rumtreiben wird) näm­lich kann der Jung­magi­er dann neue Aben­teuer erleben. Die Brüder Löwen­herz lassen grüßen. Welch schau­rige Vorstel­lung, Har­ry Pot­ter doomed, inmit­ten von Untoten und engels­gle­ichen Gestal­ten, im neuer­lichen Kampf gegen das Böse, nur eben unsterblich. Nun aber genug mit den Gruselmärchen, bestätigt ist bis dato noch nichts. Und bis jet­zt zumin­d­est lebt der gute Har­ry ja noch.

Lesestoff

Heute ist frisches Mate­r­i­al für mein Bücher­re­gal angekom­men. Die Neuer­schei­n­un­gen »Good­bye Tristesse« von Camille de Tole­do und »Kol­laps« von Jared Dia­mond zieren seit eini­gen Minuten die Bücher­rei­hen. Tole­dos Werk wurde von der Süd­deutschen Zeitung bere­its als Nach­fol­ger von »Gen­er­a­tion Golf« gerühmt, jedoch als lei­den­schaftlich­er und poli­tis­ch­er. Es ist der Ver­such ein­er Rebel­lion, gegen den Kom­merz und das Unwohl­sein inner­halb der kap­i­tal­is­tis­chen Gesellschaft. Über­set­zt wurde das Buch übri­gens von »Zonenkinder«-Autorin Jana Hensel. »Kol­laps« (Unter­ti­tel »Warum Gesellschaften über­leben oder unterge­hen«) zeich­net die Wege nach, die Impe­rien in Rich­tung ihres Unter­gangs beschrit­ten haben. Darauf auf­bauend will uns der Autor mit­teilen, ob wir ein­er ähn­lichen Gefahr aus­ge­set­zt sind oder ob es in unser­er Hand liegt, die Zukun­ft zu bes­tim­men. Auf den ersten Blick mag das nach typ­isch amerikanis­ch­er Sen­sa­tion­slit­er­atur klin­gen, doch einige Stim­men zum Buch machen mehr als neugierig. »Kol­laps hat den Mut, endlich all die span­nen­den Fra­gen zu stellen, die lei­der nur sel­ten laut geäußert wer­den und noch sel­tener beant­wortet wer­den« (Gert Sco­bel, 3Sat Kul­turzeit). Ich bin neugierig, ob Dia­mond Antworten findet.