Die Sache mit der Telearbeit
Aus einem Artikel («Ungeliebte Infobahn») von Uwe Jean Heuser aus der Zeit von 1995: Und heute? Heute («Unser Leben im Netz», 2008) schreibt Heuser gemeinsam mit Gero von Randow: [sic]
Aus einem Artikel («Ungeliebte Infobahn») von Uwe Jean Heuser aus der Zeit von 1995: Und heute? Heute («Unser Leben im Netz», 2008) schreibt Heuser gemeinsam mit Gero von Randow: [sic]
Doch, ich mag diesen Mindestlohngedanken. Klingt gut, nach Gerechtigkeit, nach menschenwürdigen Arbeitsbedingungen. Zwar auch ein bisschen nach Weltverbesserertum, aber das nur am Rande. Trotzdem kann ich mit einem gesetzlich geregelten Mindestlohn, zumindest für alle Beschäftigten, nichts anfangen. Es sträubt sich in mir. Nicht, weil ich glaube, dass er sich nicht durch- und umsetzen ließe, wie etwa das bedingungslose Grundeinkommen, das eine Utopie für Tagträumer bleibt. Nein, ein Mindestlohn wäre machbar und mit Sicherheit für viele betroffene Beschäftigte ein Segen. Aber er würde auch Opfer fordern. Keine volkswirtschaftlichen vielleicht, aber idealistische. Er würde Nischen bedrohen.
(Update) Komponist Johannes Kreidler hat den Song zur Finanzkrise komponiert. «Melodien aus Aktienkurven, arrangiert mit der Microsoft Komponiersoftware ‹Songsmith›. Der Billion-Dollar-Song zur Finanzkrise, ein vorfinanzierter Hörsturz.» Ein großartiges Projekt, in Teilen sogar mit recht akzeptablen Melodien. Dass nun ausgerechnet der Chart von Warner Music derart ungenießbar klingt, ist aber mit Sicherheit Zufall. Auch wenn Kreidler nicht ganz zu Unrecht fragt: «Ob die Musikindustrie mich für dieses Sampling verklagen wird?» Doch das Plattenlabel ist nicht alleine, unangenehm wird es auch bei der Kurve zu den Toten GIs im Irak (Zugegebenermaßen keine Aktienkurve), die Melodie von Heckler & Koch reißt das aber allemal wieder raus. (Update) Scheint, als hätte sich Kreidler gerade bei Heckler & Koch keine Freunde gemacht: «In einer noch zu verifizierenden Mail droht mir ein Anwalt wegen Rufmords an der deutschen Waffenfirma Heckler & Koch, die in den Irakkrieg exportiert und deren steigenden Aktienkurs ich vertont habe.» Via Johannes Kreidler
Für den Deutschen an sich hat es wohl seit vielen, vielen Jahren kein schöneres Ereignis mehr gegeben als die aktuelle Finanzkrise, die ihr klebriges Netz rund um den Globus spinnt. Sicher, sie kostet Nerven, Geld und am Ende wohl auch tausende von Arbeitsplätzen. Doch sie nutzt uns mehr, als wir vielleicht denken. Denn: Jeder von uns — glaubt man Schuldnerberater Peter Zwegat — hat durchschnittlich 8500 Euro Schulden. Gut, mit Sicherheit nicht die ganze Summe bei der Hausbank, aber einen gewissen Teil doch sicherlich. Als Dispo- oder Ratenkredit, als Hypothek, als Darlehen. Den Rest, für den einmal in der Woche die Buben von Moskau Inkasso vor der Tür stehen, vernachlässigen wir für unsere Rechnung der Einfachheit halber einmal. Nun wäre es doch wünschenswert, wenn die US-Krise auch die deutschen Banken mit in den Abgrund reißen würde. Mit einem Schlag wären wir alle ein Stück unserer Sorgen los. Und die, auch das weiß Zwegat, führen schließlich nicht nur zu Ebbe im Portemonnaie, sondern auch zu psychischen und sozialen Problemen. Bis hin zu Drogenkonsum, Selbstmord oder gar …
Erfolg ist eine unglaublich langweilig Sache. Nicht nur für Außenstehende, auch für den Erfolgreichen selbst. Aufgrund dieser Tatsache und natürlich auch wegen des großen Erfolgs geht »Die Show des Scheiterns« in zweite Runde. Kennen Sie nicht? Sollten Sie aber. Freiwillige berichten über Vorhaben und Projekte, die nicht zustande kamen: Versandete Geschäftsideen, ein unvollendeter Roman oder ein anfälliges Entwässerungssystem für den Garten. Die Botschaft lautet: Scheitern ist etwas Sympathisches, für das man sich nicht zu schämen braucht. Im Gegenteil, nur wer etwas versucht, kann auch scheitern. Belastet Sie ein unvollendetes Werk? Dann sprechen Sie darüber. Wägen Sie ab, ob an der Sache noch was dran ist, oder ob Sie sich während der Show in einer rituellen Vernichtung endgültig davon verabschieden wollen. Das alles findet Platz im Kampnagel in Hamburg, willkommen sind Projekte aller Art: Künstlerische, technische, wirtschaftliche, soziale oder Freizeit- und Bastelprojekte. Also denn, gehen Sie mal wieder vor die Tür, erleben Sie eine vernichtende Niederlage und genießen Sie — später im Kampnagel — den Erfolg des Gescheitertseins.