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Der Teufel ist ein Eichhörnchen mit Lohntüte

Doch, ich mag diesen Min­dest­lohngedanken. Klingt gut, nach Gerechtigkeit, nach men­schen­würdi­gen Arbeits­be­din­gun­gen. Zwar auch ein biss­chen nach Weltverbesser­ertum, aber das nur am Rande. Trotz­dem kann ich mit einem geset­zlich geregel­ten Min­dest­lohn, zumin­d­est für alle Beschäftigten, nichts anfan­gen. Es sträubt sich in mir. Nicht, weil ich glaube, dass er sich nicht durch- und umset­zen ließe, wie etwa das bedin­gungslose Grun­deinkom­men, das eine Utopie für Tagträumer bleibt. Nein, ein Min­dest­lohn wäre mach­bar und mit Sicher­heit für viele betrof­fene Beschäftigte ein Segen. Aber er würde auch Opfer fordern. Keine volk­swirtschaftlichen vielle­icht, aber ide­al­is­tis­che. Er würde Nis­chen bedrohen.

Relax, Dance, Sing, Enjoy

(Update) Kom­pon­ist Johannes Krei­dler hat den Song zur Finanzkrise kom­poniert. «Melo­di­en aus Aktienkur­ven, arrang­iert mit der Microsoft Kom­ponier­soft­ware ‹Song­smith›. Der Bil­lion-Dol­lar-Song zur Finanzkrise, ein vor­fi­nanziert­er Hörsturz.» Ein großar­tiges Pro­jekt, in Teilen sog­ar mit recht akzept­ablen Melo­di­en. Dass nun aus­gerech­net der Chart von Warn­er Music der­art unge­nießbar klingt, ist aber mit Sicher­heit Zufall. Auch wenn Krei­dler nicht ganz zu Unrecht fragt: «Ob die Musikin­dus­trie mich für dieses Sam­pling verk­la­gen wird?» Doch das Plat­ten­la­bel ist nicht alleine, unan­genehm wird es auch bei der Kurve zu den Toten GIs im Irak (Zugegeben­er­maßen keine Aktienkurve), die Melodie von Heck­ler & Koch reißt das aber alle­mal wieder raus. (Update) Scheint, als hätte sich Krei­dler ger­ade bei Heck­ler & Koch keine Fre­unde gemacht: «In ein­er noch zu ver­i­fizieren­den Mail dro­ht mir ein Anwalt wegen Ruf­mords an der deutschen Waf­fen­fir­ma Heck­ler & Koch, die in den Irakkrieg exportiert und deren steigen­den Aktienkurs ich ver­tont habe.» Via Johannes Kreidler

Wundervolle Bankenkrise

Für den Deutschen an sich hat es wohl seit vie­len, vie­len Jahren kein schöneres Ereig­nis mehr gegeben als die aktuelle Finanzkrise, die ihr kle­briges Netz rund um den Globus spin­nt. Sich­er, sie kostet Ner­ven, Geld und am Ende wohl auch tausende von Arbeit­splätzen. Doch sie nutzt uns mehr, als wir vielle­icht denken. Denn: Jed­er von uns — glaubt man Schuld­ner­ber­ater Peter Zwe­gat — hat durch­schnit­tlich 8500 Euro Schulden. Gut, mit Sicher­heit nicht die ganze Summe bei der Haus­bank, aber einen gewis­sen Teil doch sicher­lich. Als Dis­­po- oder Ratenkred­it, als Hypothek, als Dar­lehen. Den Rest, für den ein­mal in der Woche die Buben von Moskau Inkas­so vor der Tür ste­hen, ver­nach­läs­si­gen wir für unsere Rech­nung der Ein­fach­heit hal­ber ein­mal. Nun wäre es doch wün­schenswert, wenn die US-Krise auch die deutschen Banken mit in den Abgrund reißen würde. Mit einem Schlag wären wir alle ein Stück unser­er Sor­gen los. Und die, auch das weiß Zwe­gat, führen schließlich nicht nur zu Ebbe im Porte­mon­naie, son­dern auch zu psy­chis­chen und sozialen Prob­le­men. Bis hin zu Dro­genkon­sum, Selb­st­mord oder gar …

Heute schon gescheitert?

Erfolg ist eine unglaublich lang­weilig Sache. Nicht nur für Außen­ste­hende, auch für den Erfol­gre­ichen selb­st. Auf­grund dieser Tat­sache und natür­lich auch wegen des großen Erfol­gs geht »Die Show des Scheit­erns« in zweite Runde. Ken­nen Sie nicht? Soll­ten Sie aber. Frei­willige bericht­en über Vorhaben und Pro­jek­te, die nicht zus­tande kamen: Ver­sandete Geschäft­sideen, ein unvol­len­de­ter Roman oder ein anfäl­liges Entwässerungssys­tem für den Garten. Die Botschaft lautet: Scheit­ern ist etwas Sym­pa­this­ches, für das man sich nicht zu schä­men braucht. Im Gegen­teil, nur wer etwas ver­sucht, kann auch scheit­ern. Belastet Sie ein unvol­len­detes Werk? Dann sprechen Sie darüber. Wägen Sie ab, ob an der Sache noch was dran ist, oder ob Sie sich während der Show in ein­er rit­uellen Ver­nich­tung endgültig davon ver­ab­schieden wollen. Das alles find­et Platz im Kamp­nagel in Ham­burg, willkom­men sind Pro­jek­te aller Art: Kün­st­lerische, tech­nis­che, wirtschaftliche, soziale oder Freizeit- und Bastel­pro­jek­te. Also denn, gehen Sie mal wieder vor die Tür, erleben Sie eine ver­nich­t­ende Nieder­lage und genießen Sie — später im Kamp­nagel — den Erfolg des Gescheitertseins.