Leben
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Die neue Hamburger-Schule

Es hat mal eine Zeit gegeben, da hat­ten die Schnell­restau­rants mit dem gold­e­nen «M» den Charme der Sty­ro­porver­pack­un­gen, in denen ihre Burg­er verkauft wur­den. Presss­chaum­mö­bel für die Gäste, ein skur­ril­er Clown als Wer­be­fig­ur und Toi­let­ten, für die sich sog­ar die Bahn in Grund und Boden geschämt hätte. In diesen Zeit­en waren Burg­er noch fet­tig und die Cola bestand noch zu 90 Prozent aus Eis. Eine Keramik­fig­ur des Kün­stlers Barn­a­by Bar­ford ist eben der Reklame­clown Ronald McDon­ald, der sich am Straßen­rand mit Dosen­bier besäuft. Bar­ford wird es vielle­icht nicht gewollt haben, aber es gab Zeit­en, da wäre das als Real­is­mus durchge­gan­gen. Die Jeans der Verkäuferin­nen sind noch diesel­ben, die Junk-Zeit­en aber sind vor­bei. Denn irgend­wann kamen Inte­ri­or-Design­er, Pro­duk­ten­twick­ler und der Ökotrend. Und so ver­speist man heute nicht mehr nur Burg­er, Pommes & Co, son­dern auch Obst oder Joghurt und wird gle­ichzeit­ig auf den Tablet­tauslegern über aktives Leben informiert. Das Ganze find­et in loungeähn­lichen Hallen statt, in denen man auch noch Kaf­fee bekommt, der mit dem Siegel der «Rain­for­est Alliance» zer­ti­fiziert ist, und die mit Gym&Fun-Ecken für die Kleinen aus­ges­tat­tet sind. Doch all das macht mich nicht stutzig. All das haben sich cle­vere Mar­ket­ing­fach­leute aus­gedacht, die ihren Job ver­ste­hen und die genug Geld in die Hand gedrückt bekom­men haben, um all das plus Hei­di Klum zu bezahlen. Fast­food verkaufen ist eine Kun­st, das ist das Ein­maleins der neuen Hamburger-Schule.

Es gibt aber ein Detail an der 180-Grad-Kehrtwende, die stutzig macht: Wann ist das alles eigentlich passiert? Und vor allem: Wer hat wann all die Restau­rants umge­baut?! Ist jemals ein Men­sch in ein McDon­alds-Restau­rant hereingekom­men, in dem eine Ecke ger­ade, von Staub und Schutt zugemüllt, zu einem McCafé umge­baut wurde? Hat jemals ein Men­sch gese­hen, wie ein Mitar­beit­er einen vergilbten, schimm­lig riechen­den Ronald-McDon­ald-Pap­pauf­steller heim­lich aus der Tür getra­gen hat? Hat jemals jemand die Verän­derung mit­bekom­men? Irgend­wie war sie doch ein­fach da, oder? Über Nacht. Liest man sich auf der Home­page der Kette die Fir­mengeschichte durch, scheint es, als wäre das eine Entwick­lung gewe­sen. 1993: In Mel­bourne eröffnet das erste McCafé. 2003: Eröff­nung von zwei McCafés in Köln und Ein­führung des neuen Marke­nauftritts und des Claims «Ich liebe es». 2004: Die Salate, die Frucht­tüte und die Joghurts wer­den einge­führt. 2006: McDon­ald’s informiert über die Nährw­erte der Pro­duk­te. 2007: Eröff­nung des 300. McCafé in Deutsch­land. Das wollen sie uns glauben machen. Doch sie wollen uns auch glauben machen, Biele­feld gäbe es wirk­lich. Mit mir nicht, Freunde!

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I'm a runner and blazing trails for Spot the Dot — an NGO to raise awareness of melanoma and other types of skin cancer. Beyond that my heart beats for specialty coffee, bike rides with the Gravelklub, and — coincidentally — I'm working for the largest financial services group in Europe. You can also find me on Instagram and Strava.

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