Wort & Tat
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Wortkarg die Welt retten

Ein in schwarzes Leder gekleideter Superheld blick grimmig in die Kamera

Die USA haben Super­man und Cap­tain Amer­i­ca, Kana­da hat Wolver­ine, Japan hat Pikachu und Deutsch­land Kurt »Night­crawler« Wag­n­er. So gut wie jedes Land hat min­destens einen Super­helden oder eine Super­heldin. Doch Finn­land? Ging bis­lang leer aus — lässt man den Wei­h­nachts­mann mal außen vor. Wie unfair! Doch ein Mann will das ändern: Jesse Haaja.

Fair­erweise muss man dazu sagen, dass Haa­ja, ein finnis­ch­er Com­ic-Zeich­n­er und Regis­seur, schon vor einiger Zeit damit begonnen hat, für etwas mehr Glob­al­isierung im Superheld*innen-Universum zu sor­gen. Vor 15 Jahren schuf der Inhab­er ein­er Design-Agen­tur im finnis­chen Mikke­li einen Charak­ter, der 2017 die Lein­wände erobern soll: Ren­del. Getrieben von Hass und Rache sorgt diese fin­stere Fig­ur, gespielt von Kristofer Gum­merus, für Gerechtigkeit.

»Ren­del him­self sports a black-on-black-on-black cos­tume, the scene takes place in the grimmest hour of night, and (save the strik­ing final shot) the footage is smat­tered with shad­ow. Everything’s cold­er in Fin­land, so it makes a cock­eyed sort of sense that theirs would be a bleak­er superhero.«
Charles Bramesco: »Fin­land gets its first super­hero in the trail­er for Rendel«

Bish­er ist allerd­ings nicht viel mehr bekan­nt über Ren­del und den Film. Der Trail­er zeigt uns — Charles Bramesco nen­nt das den »Dev­il Wears Pra­da approach« — keinen Zusam­men­schnitt action­lastiger Szenen, son­dern nur eine einzige, düstere Sequenz aus dem Film. In ihr sehen wir den Pro­tag­o­nis­ten in einem Kostüm, das durch seinen ver­schiede­nen Nuan­cen von Schwarz besticht.

Irgend­wie ist es beruhi­gend, dass Finn­land, ein Land, das cineast­isch dur­chaus von dem Kau­riskmä­ki-Brüdern geprägt wurde, einen Super­helden bekom­men soll, der nicht nur nicht zu sprechen scheint, son­dern dessen Super­helden­maske noch nicht mal eine Auss­parung für den Mund hat. Wortkarg die Welt ret­ten — was für großar­tige Aus­sicht­en. Dass die Musik, die Haa­ja dem Trail­er hin­ter­legt hat, klingt, als wäre sie einem schlecht­en Wolf­gang-Petersen-Remake entsprun­gen, kön­nte für eine gewisse Por­tion Ironie sprechen. Hof­fen wir zumin­d­est darauf.

Wer jet­zt neugierig ist, kann zumin­d­est schon mal einen Blick in die Geschicht­en rund um diesen son­der­baren finnis­chen Super­helden wer­fen. Das erste Com­ic-Heft über Ren­del ist auf dem Markt, und die ersten 1.000 Exem­plare sind schon ver­grif­f­en. Allerd­ings, so ver­rät es der Auss­chnit aus dem Heft, sind die Comics auf Finnisch. Alle, die diese Hürde scheuen, wer­den sich noch bis März 2017 gedulden müssen — und kön­nen ja bis dahin noch ein biss­chen Kau­ris­mä­ki guck­en. Auch deren Filme drehen sich ja eigentlich um wortkarge Superhelden.

Foto: rendelmovie.com

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