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Nachdem das I‑HEART-RUHR-YORK-Gästebuch — in Form eines ganzen Raumes — bei den Duisburger Akzenten eingeschlagen ist wie eine Bombe, haben wir es ausgestellt und das Spektakel am Donnerstag im LehmbruckMuseum wiederholt. Ein Abend, wie ich ihn lange nicht erlebt habe — bunt, fröhlich, mit toller Musik und vielen witzigen Momenten. Ruhr York is where your heart is!
Im Alter von 14 Jahren bekam ich — ein Kind des Bildungsbürger_innentums — ein 20-bändiges Lexikon geschenkt, wie so viele andere Kinder, die ich kannte. Bis vor wenigen Jahren stand es in meinem Regal, benutzt aber habe ich es offen gestanden nur selten. Und wahrscheinlich ist das auch ganz gut so, denn sonst wäre mir, wenn der Zufall mitgespielt hätte, auf Seite 261 von Band 5 (Eit-Fle) vielleicht eines Tages dieser Eintrag aufgefallen:
Nun muss ich dazu sagen, dass für mich (gesellschafts)politische Fragen, bis ich 18 war, kaum Bedeutung gehabt haben. Die Rollenverteilung in meiner Familie und meinem näheren Umfeld war bis auf wenige Ausnahmen patriarchalisch geprägt, Feminismus, Gleichberechtigung, Diskriminierung, Rassismus und viele andere für mich heute wichtige Begriffe kamen in meiner Welt lange Jahre nicht vor. Hätte ich damals also auf Seite 261 von Band 5 diese »Feminismus«-Definition gelesen — sie hätte mich wohl abgeschreckt und in allem bestärkt, was bis dahin mein Weltbild ausmachte. Read More
Doch, ich hätte schon Lust gehabt, etwas zum Thema Leistungsschutzrecht zu bloggen, aber zu dem Thema ist in den vergangenen paar Tagen schon so viel Gutes geschrieben worden, dass ich mich lieber auf diese Videos konzentriere, die ich erst heute bei Ralf Schwartz entdeckt habe: »Everything is a Remix« von Kirby Ferguson. Read More
Zwischen den Toten Hosen und Deichkind, irgendwann nach Mitternacht, schickte die ARD gestern einen Reporter für ihren Spartensender EinsPlus über das Gelände von Rock am Ring, der die Aufgabe hatte, zehn Frauen zu finden, die ihm ihre Brüste zeigen.
Absatz.
Ich habe keine rechte Lust, an dieser Stelle die Frage zu diskutieren, warum die Frauen freiwillig vor laufender Kamera blankgezogen haben und ob das einen Unterschied macht. Noch weniger will ich zu Gunsten des Senders und seines Reporters ins Feld führen, dass unter den zehn Frauen auch ein Mann gewesen ist — Sexismus wird nicht dadurch besser, dass er als Witz gemeint ist. Und überhaupt keine Lust habe ich, mir zu überlegen, ob es denkbar gewesen wäre, dass eine Reporterin auf die Suche nach Männern geht, die bei diesem Festival intime Körperteile in die Kamera halten — ganz zu schweigen von der Frage, ob ich verwundert gewesen wäre, einen solchen Einspieler nicht bei der ARD, sondern bei Sport 1 oder RTL 2 zu sehen — oder bei ARTE. All das nämlich führt nur zu billigen Ausreden. Die Atmosphäre eines solchen Festivals sei nunmal aufgeladen, auch sexuell, schließlich passierten dort vor und hinter den Kulissen ganz andere Sachen. Es sei doch sogar lobenswert, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender wegkommt von der Prüderie früherer Jahre und — hey! Immerhin überträgt EinsPlus dieses Festival. Was für ein Gewinn! Ein Gewinn aber wäre für mich stattdessen eine Antwort auf die Frage, was für ein seltsamer Sport das ist, eine bestimmte Anzahl an Personen zu finden, die sich für das Fernsehen nackt machen. Ich hätte gerne eine Erklärung dafür, warum ich mir eine solche Berichterstattung gefallen lassen muss, die mich als Zuschauer vereinnahmt und mir Klischees und Geschlechterrollen als selbstverständlichen Teil dessen verkauft, was die Verantwortlichen bei EinsPlus offenbar über ihr Image und ihre Zielgruppe denken. Ich hätte gerne eine Antwort auf die Frage, was für ein_e Redakteur_in sich eine so plump sexistische Idee einfallen lässt, und ich will wissen, was für eine Redaktionskonferenz diese dann auch noch durchwinkt — und: wie die Reaktionen darauf waren. Die Frage, ob ich für so etwas wirklich Rundfunkgebühren bezahle(n muss), erübrigt sich ja leider von selbst.