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Durchgefavt: der Juni (anno 2012)

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Ruhr York is where your heart is!

Nach­dem das I‑HEART-RUHR-YORK-Gäste­buch — in Form eines ganzen Raumes — bei den Duis­burg­er Akzen­ten eingeschla­gen ist wie eine Bombe, haben wir es aus­gestellt und das Spek­takel am Don­ner­stag im Lehm­bruck­Mu­se­um wieder­holt. Ein Abend, wie ich ihn lange nicht erlebt habe — bunt, fröh­lich, mit toller Musik und vie­len witzi­gen Momenten. Ruhr York is where your heart is!

Danke

Im Alter von 14 Jahren bekam ich — ein Kind des Bildungsbürger_innentums — ein 20-bändi­ges Lexikon geschenkt, wie so viele andere Kinder, die ich kan­nte. Bis vor weni­gen Jahren stand es in meinem Regal, benutzt aber habe ich es offen ges­tanden nur sel­ten. Und wahrschein­lich ist das auch ganz gut so, denn son­st wäre mir, wenn der Zufall mit­ge­spielt hätte, auf Seite 261 von Band 5 (Eit-Fle) vielle­icht eines Tages dieser Ein­trag aufgefallen:

Fem­i­nis­mus [lat.], Rich­tung inner­halb der Frauen­be­we­gung, die durch Zusam­men­schluß nur von Frauen (bei gle­ichzeit­igem bewußten Auss­chluß von Män­nern) um Gle­ich­berech­ti­gung kämpft.

Nun muss ich dazu sagen, dass für mich (gesellschafts)politische Fra­gen, bis ich 18 war, kaum Bedeu­tung gehabt haben. Die Rol­len­verteilung in mein­er Fam­i­lie und meinem näheren Umfeld war bis auf wenige Aus­nah­men patri­ar­chalisch geprägt, Fem­i­nis­mus, Gle­ich­berech­ti­gung, Diskri­m­inierung, Ras­sis­mus und viele andere für mich heute wichtige Begriffe kamen in mein­er Welt lange Jahre nicht vor. Hätte ich damals also auf Seite 261 von Band 5 diese »Feminismus«-Definition gele­sen — sie hätte mich wohl abgeschreckt und in allem bestärkt, was bis dahin mein Welt­bild aus­machte. Read More

Ich verstehe das nicht

Zwis­chen den Toten Hosen und Deichkind, irgend­wann nach Mit­ter­nacht, schick­te die ARD gestern einen Reporter für ihren Spartensender Ein­sPlus über das Gelände von Rock am Ring, der die Auf­gabe hat­te, zehn Frauen zu find­en, die ihm ihre Brüste zeigen.

Absatz.

Ich habe keine rechte Lust, an dieser Stelle die Frage zu disku­tieren, warum die Frauen frei­willig vor laufend­er Kam­era blankge­zo­gen haben und ob das einen Unter­schied macht. Noch weniger will ich zu Gun­sten des Senders und seines Reporters ins Feld führen, dass unter den zehn Frauen auch ein Mann gewe­sen ist — Sex­is­mus wird nicht dadurch bess­er, dass er als Witz gemeint ist. Und über­haupt keine Lust habe ich, mir zu über­legen, ob es denkbar gewe­sen wäre, dass eine Repor­terin auf die Suche nach Män­nern geht, die bei diesem Fes­ti­val intime Kör­perteile in die Kam­era hal­ten — ganz zu schweigen von der Frage, ob ich ver­wun­dert gewe­sen wäre, einen solchen Ein­spiel­er nicht bei der ARD, son­dern bei Sport 1 oder RTL 2 zu sehen — oder bei ARTE. All das näm­lich führt nur zu bil­li­gen Ausre­den. Die Atmo­sphäre eines solchen Fes­ti­vals sei nun­mal aufge­laden, auch sex­uell, schließlich passierten dort vor und hin­ter den Kulis­sen ganz andere Sachen. Es sei doch sog­ar lobenswert, dass ein öffentlich-rechtlich­er Sender wegkommt von der Prüderie früher­er Jahre und — hey! Immer­hin überträgt Ein­sPlus dieses Fes­ti­val. Was für ein Gewinn! Ein Gewinn aber wäre für mich stattdessen eine Antwort auf die Frage, was für ein selt­samer Sport das ist, eine bes­timmte Anzahl an Per­so­n­en zu find­en, die sich für das Fernse­hen nackt machen. Ich hätte gerne eine Erk­lärung dafür, warum ich mir eine solche Berichter­stat­tung gefall­en lassen muss, die mich als Zuschauer vere­in­nahmt und mir Klis­chees und Geschlechter­rollen als selb­stver­ständlichen Teil dessen verkauft, was die Ver­ant­wortlichen bei Ein­sPlus offen­bar über ihr Image und ihre Ziel­gruppe denken. Ich hätte gerne eine Antwort auf die Frage, was für ein_e Redakteur_in sich eine so plump sex­is­tis­che Idee ein­fall­en lässt, und ich will wis­sen, was für eine Redak­tion­skon­ferenz diese dann auch noch durch­winkt — und: wie die Reak­tio­nen darauf waren. Die Frage, ob ich für so etwas wirk­lich Rund­funkge­bühren bezahle(n muss), erübrigt sich ja lei­der von selbst.