Das Atelier Pfister aus dem schweizerischen Suhr macht Möbel, schöne Möbel — Punkt. Damit hat es in Sachen Gestaltung ohnehin schon mein Herz erobert, inzwischen aber bin ich schlicht über beide Ohren verliebt. Schuld daran: die iPhone-App des Unternehmens. Halb Möbelkatalog, halb Hochglanzmagazin bietet sie über das hinaus die Möglichkeit, Produkte am Bildschirm in der eigenen oder auch einer virtuellen Wohnung zu platzieren und zu testen, wie sie wirken. Noch schöner wäre es eigentlich nur noch, wenn sie zeitgleich auch noch die Preise der Möbelstücke mit dem eigenen Konto abgleichen und gegebenenfalls eine Warnmeldung ausgeben würde. So ist man zwar immer wieder entzückt — aber eben auch enttäuscht zugleich.
Latest Posts
Im Schloss (12)
»Wir brauchen vor Facebook keine Angst zu haben«
Wollte Twitter noch wissen, was wir gerade machen, interessieren sich Location Based Services vor allem für das Wo. Und während sich Anbieter wie Foursquare oder Gowalla schon etabliert haben, die Werbeindustrie bereits mit den Hufen scharrt und inzwischen auch Facebook mit seinem Places-Dienst auf dem Geodaten-Markt mitmischt, steckt loca.li noch in den Kinderschuhen. Aufgebaut haben das in Wiesbaden beheimatete Projekt Sonja Ludscheidt und Jesse Adler. Doch ist da noch Platz zwischen all den Anbietern? Lässt sich mit Location Based Services Geld verdienen? Und wie hält es loca.li mit dem Datenschutz? Das und mehr habe ich Sonja gefragt. Über manches hat sie offen gesprochen, über manches aber schweigt sie auch — noch. Read More
Schaufensterbummel
»An einem heißen Tag im Juli schlenderten die beiden gemächlich durch den Berliner Westen und betrachteten die Schaufenster. Eigentlich schlenderte ja der Professor ganz allein. Mäxchen schlenderte nicht, sondern stand in des Professors äußerster Brusttasche. Er hatte die Arme auf den Taschenrand gelehnt, als sei die Tasche ein Balkon, und interessierte sich besonders für die Spielzeugläden, Delikatessengeschäfte und Buchhandlungen. Aber es ging nicht immer nach seinem Kopf. Dem Professor gefielen auch Auslagen mit Schuhen, Hemden, Krawatten, Zigarren, Schirmen, Weinflaschen und allem Möglichen.«* Immer wieder muss ich in letzter Zeit an diese wunderbare Szene denken, an diesen Schaufensterbummel, die Auslagen, Mäxchens Staunen. In bestimmten Vierteln Kölns hätten er und der Professor keine Freude gehabt. Sicher, Schaufenster gibt es auch hier, und nicht wenige interessante Geschäfte. Immer wieder jedoch stößt man auch auf solche, die man nicht versteht. Schaufenster, hinter denen sich Ladenlokale verbergen, die beinahe so leer sind wie der Whitecube einer 80er-Jahre-Galerie. Vielleicht gibt es ein Bücherregal an der Wand, vielleicht eine Ablage für die Espresso-Maschine. In manchen Räumen lässt sich von morgens bis abends keine Menschenseele blicken, in anderen wiederum sitzen kreativ dreinblickende Menschen, die jeden Romanisten-Lookalike-Wettbewerb spielend gewinnen würden, stundenlang an Schreibtischen, auf denen nichts steht, außer einem Macbook — weiß. Sie hocken hinter Fassaden, an denen nichts hängt, keine Reklame, nicht einmal Öffnungszeiten, kein Hinweis darauf, wer hier arbeitet — und was. Was tun diese Menschen in ihren Lokalen? Warum überhaupt beziehen sie solche Lokale, wenn sie doch offensichtlich keinen Wert auf Laufkundschaft legen? Mäxchen und der Professor zumindest wären enttäuscht an ihren Häusern vorbeigelaufen. Wie auf einer Bühne sitzen sie dort, und doch begreift man das Stück nicht, das sie spielen. Früher, als meine Eltern sonntags zum Schaufensterbummel aufgebrochen sind, habe ich auch nicht begriffen, warum sie das tun. An Auslagen vorbeischlendern, wohl wissend, dass sie nichts kaufen können. Doch zumindest gab es etwas zu gucken, im besten Fall kamen sie voller Vorfreude auf den nächsten Einkauf zurück. Doch hier? Hier weiß man noch nicht einmal, was man kaufen soll, und ob es überhaupt etwas zu kaufen gibt. Ich verstehe das nicht.
*Aus: Erich Kästner: »Der kleine Mann«
FROH! macht Licht macht froh
Geschenke, sagt der Autor Thomas Kastura, das zeige schon die Verpackung, dienten seit der Kindheit der Beschäftigungstherapie. Vielleicht funktioniert das FROH!-Magazin auch aus diesem Grund so gut, weil all die Autoren, Fotografen und Illustratoren dem Non-Profit-Projekt nicht nur ihre Texte und Bilder (und dem Leser »neue und überraschende Blickwinkel«) schenken, sondern sie mit ihrer Arbeit zugleich auch sich selbst etwas gutes tun. Auch ich habe das schon zweimal erleben dürfen, mit »Licht« jedoch ist am Freitag wieder eine Ausgabe erschienen, an der ich nicht beteiligt war. Und so hätte ich den Machern an diesem so verregneten Abend eigentlich nicht viel mehr schenken können, als meine Anwesenheit bei der Release-Party, vielleicht ein bisschen Mund-Propaganda und eine kleine Spende. Wäre mir nicht, kurz bevor ich aufgebrochen bin, doch noch eine Idee gekommen, über die ich im Nachhinein umso glücklicher bin, als Chefredakteur Spu diesen Abend nicht miterleben durfte, sondern ihn malad im Bett verbracht hat. Und so ist dieses Video, mein Geschenk an FROH!, neben schamloser Werbung vor allem ein Geschenk für ihn und all diejenigen, die nicht da sein konnten. Und es ist auch ein Geschenk an all diejenigen, die gezweifelt haben, ob sich der Weg lohnen würde. Und für das nächste Mal sei ihnen gesagt: Er lohnt sich. Für das Magazin, für die entspannte Athmosphäre und für die vielen guten Gespräche, die sich im Motoki-Wohnzimmer jedes Mal wieder führen lassen. FROH! heißt nicht nur so. Und weil das so ist, eignet es sich auch so wunderbar als Geschenk, womit wir den Kreis wieder geschlossen hätten. Bald soll ja dieses Weihnachten wieder vor der Tür stehen.
Es folgent auch noch einige Fotos und ein Interview zum aktuellen Heft. Bald, an dieser Stelle.