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Lesestoff

Heute ist frisches Mate­r­i­al für mein Bücher­re­gal angekom­men. Die Neuer­schei­n­un­gen »Good­bye Tristesse« von Camille de Tole­do und »Kol­laps« von Jared Dia­mond zieren seit eini­gen Minuten die Bücher­rei­hen. Tole­dos Werk wurde von der Süd­deutschen Zeitung bere­its als Nach­fol­ger von »Gen­er­a­tion Golf« gerühmt, jedoch als lei­den­schaftlich­er und poli­tis­ch­er. Es ist der Ver­such ein­er Rebel­lion, gegen den Kom­merz und das Unwohl­sein inner­halb der kap­i­tal­is­tis­chen Gesellschaft. Über­set­zt wurde das Buch übri­gens von »Zonenkinder«-Autorin Jana Hensel. »Kol­laps« (Unter­ti­tel »Warum Gesellschaften über­leben oder unterge­hen«) zeich­net die Wege nach, die Impe­rien in Rich­tung ihres Unter­gangs beschrit­ten haben. Darauf auf­bauend will uns der Autor mit­teilen, ob wir ein­er ähn­lichen Gefahr aus­ge­set­zt sind oder ob es in unser­er Hand liegt, die Zukun­ft zu bes­tim­men. Auf den ersten Blick mag das nach typ­isch amerikanis­ch­er Sen­sa­tion­slit­er­atur klin­gen, doch einige Stim­men zum Buch machen mehr als neugierig. »Kol­laps hat den Mut, endlich all die span­nen­den Fra­gen zu stellen, die lei­der nur sel­ten laut geäußert wer­den und noch sel­tener beant­wortet wer­den« (Gert Sco­bel, 3Sat Kul­turzeit). Ich bin neugierig, ob Dia­mond Antworten findet.

15 halbe Jahre

So lange hat es gedauert, bis ich von der Brust mein­er Alma Mater entwöh­nt zu sein scheine. Seit exakt 45:00 Stun­den liegt meine Mag­is­ter­ar­beit nun in der Philosophis­chen Fakultät, um gründlich unter die Lupe genom­men zu wer­den. Und es sollte keine sieben Monate mehr dauern, dann werde ich vor­erst zum let­zten Mal durch ihre Räume schre­it­en. Aber so gibt es wenig­stens Hoff­nung, dass dem­nächst wieder etwas mehr Zeit bleiben wird, sich den Belan­gen mein­er Leser­schaft zu wid­men und Luft zu schnap­pen für den End­spurt. Sum ut fiam.

Guggenheim 2006

Nach MoMa 1992 und 2004 kommt im näch­sten Jahr ein weit­eres der inter­na­tion­al hochrangi­gen Museen nach Deutsch­land. Von Juli 2006 bis Jan­u­ar 2007 wird die Guggen­heim Foun­da­tion in der Bun­deskun­sthalle in Bonn weilen und Schätze der mod­er­nen Kun­st aus ihren fünf Häusern (New York, Bil­bao, Las Vegas, Venedig, Berlin) mit­brin­gen. Das ver­spricht so promi­nente Kün­stler wie Picas­so und Kandin­sky, van Gogh, Manet und Cha­gall, Mark Rothko, Licht­en­stein und Warhol, Richard Ser­ra oder Nam June Paik. Auf 6000 Quadrat­metern und über sechs Monate wird beina­he die gesamte klas­sis­che Mod­erne in Bonn vertreten sein. Vor allem aber bedeutet das ver­mut­lich einen ähn­lichen Besucheran­drang wie in Berlin und stun­den­lange Wartezeit­en. Eine inter­es­sante Vari­ante bietet die Ausstel­lung zwis­chen August und Novem­ber 2006: Neben der Samm­lung zeigt die Foun­da­tion dann ihre his­torische und architek­tonis­che Seite. Alle Visio­nen und Pro­jek­te, ob real­isiert oder nicht, wer­den in einem eige­nen Kon­text gezeigt. Guggen­heim als wel­tumspan­nen­des Netz kul­turellen Aus­tauschs. Eine inter­es­sante Aus­sage hat Thomas Krens, Direk­tor der Foun­da­tion schon heute in der Pressekon­ferenz getätigt, die sich­er auch die Ver­ant­wortlichen in der Kun­sthalle gefreut haben …

Pützchens Markt

Mehr als 1.000.000 Besuch­er, 550 Karus­sels, Los­bu­den, Saufzelte et aliter auf 4,5 Kilo­me­tern Frontlin­ie, fünf Tage Aus­nah­mezu­s­tand »op d’r Schäl Sick«. Das ist Pützchens Markt, wie jedes Jahr Pub­likums­mag­net der Region Bonn im Sep­tem­ber. Et bliev, wie et is, nur eins ändert sich jedes Jahr — und das sind die Preise. Als wirk­lich fairen Aus­gle­ich gibt’s schon tra­di­tionell kräftig Keil­erei um Rang und Anse­hen umson­st. Tre­ff­punkt: natür­lich das Bay­ern-Zelt. Viel Spaß …!

The Big Easy

New Orleans war ein­mal eine lebenslustige Stadt. Musik, Men­schen, Touris­mus, Kul­tur. Nun liegt sie unter Wass­er, die vor­mals fröh­lichen Men­schen plün­dern, verge­walti­gen, mor­den, ster­ben, veg­etieren dahin. Dabei kam die Katas­tro­phe alles andere als uner­wartet. Seit Jahren haben Experten vor einem solchen Hur­rikan und der fol­gen­den Flut gewarnt, einzig man hat nicht auf sie hören wollen. Und nun muss die Bevölkerung alleine sehen, wie sie das Dra­ma bewältigt, während Herr Bush hüb­sche Reden schwingt. 250.000 Sol­dat­en sind im Nahen Osten sta­tion­iert und im Süden Amerikas herrscht die blanke Anar­chie. New Orleans wird nie mehr sein wie noch vor eini­gen Tagen, vielle­icht wird die ganze Stadt auch ein­fach abgeris­sen. Schon ste­hen die Ersten Schlange, um Spende­nak­tio­nen ins Leben zu rufen, das Chaos wird medi­al aus­geschlachtet. Bei allem Grauen bietet New Orleans dieser Tage die per­fek­te Bühne für die großen Selb­st­darsteller. Wie sagte eine Kon­gress­ab­ge­ord­nete im Fernse­hen: »Shame, shame on Amer­i­ca«. The Big Easy bedeutet eben nicht nur »Die große Leichte«, son­dern auch »Der große Leichtsinn«.