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»Ich bin kein Vandale. Ich bin ein Pirat«*

Vier Tage vor der Europawahl wird langsam klar, dass es die Poli­tik vie­len Wäh­lern ziem­lich leicht gemacht hat in diesem Jahr. Zu viele Ohrfeigen wur­den aus­geteilt, zumin­d­est an die, die das Inter­net als ern­sthaftes Medi­um betra­cht­en. Zumin­d­est an die, die mit dem Inter­net, im Inter­net, für das Inter­net leben und arbeit­en. Eine Poli­tik, die mit Mit­teln aus analoger Zeit ver­sucht, sich in ein­er dig­i­tal­en Zeit zu behaupten und sie mit zu gestal­ten, mag dem einen die heimelige Sicher­heit bieten, die er von sein­er Sitzecke gewohnt ist, vie­len aber erscheint sie als Kriegserk­lärung. Die gute Nachricht: Es gibt Alter­na­tiv­en. Die schlechte Nachricht: Es scheint nicht so ein­fach zu sein, sie auch tat­säch­lich als solche zu erken­nen. Clemens Boms­dorf beispiel­sweise schrieb in der Zeit gestern über die Piraten­partei in einem Stück mit der Über­schrift «Wenig Ziele, viele Anhänger» etwas von einem «monothe­ma­tis­chen Pro­gramm». Mit Sicher­heit nicht ganz falsch, aber eben auch nicht ganz richtig. Oder zumin­d­est zu kurz gegrif­f­en. Ein Leserkom­men­tar zu diesem Text aber legt noch eine Schippe drauf: «Diese Partei kommt in Schwe­den an die …

Termine, Termine, Termine

Keine 24 Stun­den nach der Wieder­wahl Horst Köh­lers zum Bun­de­spräsi­den­ten hat das Bun­de­sprä­sidi­alamt seine Ter­mine für die kom­mende Woche bekan­nt­gegeben. Der Mann stürzt sich eben gle­ich wieder in die Arbeit für dieses Land. Getreu sein­er gestri­gen Ansprache: «Ich freue mich auf die kom­menden fünf Jahre, und ich ver­spreche Ihnen, liebe Land­sleute: Ich werde weit­er mein Bestes geben.» Die Amt­süber­gabe hätte zwar eh erst am 1. Juli stattge­fun­den, vielle­icht aber sind Gesine Schwan, Peter Sodann und der Dings ja nun doch ganz froh, dass das gestern nicht geklappt hat mit dem höch­sten Staatsamt.

Roboter, alles Roboter!

Vor­sicht, ver­all­ge­mein­ernde Ein­leitung, die auch noch längst bekan­nte und deshalb nicht mehr als Weisheit­en zu beze­ich­nende Wahrheit­en enthält: Die Automa­tisierung unser­er Gesellschaft hat in den ver­gan­genen Jahren mit ein­er beängsti­gen­den Geschwindigkeit beängsti­gende Aus­maße angenom­men. Das wis­sen vor allem diejeni­gen, die schon ein­mal mit Abteilun­gen namens «Sup­port» zu tun gehabt haben. Also eigentlich alle. Ich mei­de diese Abteilun­gen so gut es geht, doch nicht immer gelingt das. Am Sam­stag zum Beispiel (allein daran sieht man schon, dass Sup­­port-Abteilun­­gen in Sachen Automa­tisierung Vor­re­it­er sein müssen) habe ich eine E‑Mail erhal­ten, die mit den fol­gen­den fre­undlichen Worten begann: Man stelle mir 17,94 Euro für weit­ere sechs Monate pro­fes­sionelles Mailen in Rech­nung, teilte mir «meine» GMX Inter­net Ser­vices GmbH mit fre­undlichen Grüßen mit. Und das, obwohl ich diesen Ser­vice vorauss­chauend schon vor langer Zeit abbestellt hat­te. Nach ein­er kurzen Nachricht an den Rech­nungssup­port bekomme ich heute eine zweite Mail, ohne weit­ere Mit­teilung, ohne Erk­lärung. Nur diesen Text: Robot­er, alles Robot­er! Aber wenig­stens arbeit­en die auch an Feiertagen.

Grüne Hierarchie

Von wegen alter­na­tiv, alles kann bei den Grü­nen ja auch nicht anders sein. In der Geschäftsstelle der Umwelt­partei etwa herrscht eine klas­sis­che Hier­ar­chie, wie son­st wohl wäre diese E‑Mail zu deuten: Die Volon­tärin, na klar.

Der Teufel ist ein Eichhörnchen mit Lohntüte

Doch, ich mag diesen Min­dest­lohngedanken. Klingt gut, nach Gerechtigkeit, nach men­schen­würdi­gen Arbeits­be­din­gun­gen. Zwar auch ein biss­chen nach Weltverbesser­ertum, aber das nur am Rande. Trotz­dem kann ich mit einem geset­zlich geregel­ten Min­dest­lohn, zumin­d­est für alle Beschäftigten, nichts anfan­gen. Es sträubt sich in mir. Nicht, weil ich glaube, dass er sich nicht durch- und umset­zen ließe, wie etwa das bedin­gungslose Grun­deinkom­men, das eine Utopie für Tagträumer bleibt. Nein, ein Min­dest­lohn wäre mach­bar und mit Sicher­heit für viele betrof­fene Beschäftigte ein Segen. Aber er würde auch Opfer fordern. Keine volk­swirtschaftlichen vielle­icht, aber ide­al­is­tis­che. Er würde Nis­chen bedrohen.