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Du bist die Welt

»Han­dle stets so, dass die Maxime deines Wil­lens jed­erzeit zugle­ich als Prinzip ein­er all­ge­meinen Geset­zge­bung gel­ten könne.« So lautet eine der Formeln des Kat­e­gorischen Imper­a­tivs von Kant. Eine ein­fach Sache, befand auch schon der Philosoph, die eine der Funk­tion­sweisen jed­er prak­tis­chen Ver­nun­ft darstellt. Sie im All­t­ag umzuset­zen, ist jedoch nicht immer ganz so leicht. Dafür gibt es jet­zt ein kleines Büch­lein mit dem Titel »Ein­fach die Welt verän­dern«, dass einen jeden von uns dabei unter­stützen soll, die Welt ein Stück bess­er zu machen. 50 Anweisun­gen sind darin enthal­ten, so etwa die, den Kau­gum­mi nicht auf die Straße zu wer­fen, keine Plas­tik­tüten zu benutzen oder ein Tes­ta­ment zu ver­fassen, dass anderen etwas Gutes tut. Das mag so manch­es Mal zu sim­pel klin­gen, aber vielle­icht ist es ja auch gar nicht so schw­er, etwas zu bewirken? Hier ein klein­er Auszug aus den 50 Vorschlä­gen: Das Buch ist aus der Ini­tia­tive »We are what we do« und zum größten Teil mit eher­e­namtlichem Engage­ment aller Beteiligten ent­standen. In eini­gen Län­dern ist es bere­its Teil des Schu­lun­ter­richts und wird Grundschulabgängern …

Nullrunde

Ken­nen Sie die großen Branchen dieses Lan­des? Sich­er, da wäre die Ernährungsin­dus­trie, der Auto­bau, die Energiewirtschaft. Irgend­wo dazwis­chen jedoch müsste eigentlich die Kul­tur­wirtschaft genan­nt wer­den, mit immer­hin 965.000 Erwerb­stäti­gen, einem Jahre­sum­satz von etwa 74 Mil­liar­den Euro (2003) und ein­er Wertschöp­fung von 35 Mil­liar­den Euro. Zum Ver­gle­ich: Die Wertschöp­fung der Soft­­ware- oder der Energiebranche lag jew­eils etwa bei 30 Mil­liar­den Euro.* Und doch, die Poli­tik überge­ht in ihren aktuellen Finanz­pla­nun­gen die Kul­tur und wen­det sich lieber öffentlichkeitswirk­sameren Sparten zu. Aus­ländis­ches Kap­i­tal fließt weit­er an kul­turellen Insti­tu­tio­nen vor­bei nach Deutsch­land, die Nach­haltigkeit kul­tureller Pro­jek­te wird sel­ten erkan­nt. Lediglich einige wenige Großbaustellen wer­den — unter Blit­zlicht­ge­wit­ter und mit Siegerlächeln — mil­lio­nen­schw­er gefördert, oft aus Einzelini­tia­tiv­en und Oppor­tunis­mus her­aus. Ist das die Zukun­ft? Möglich wären, so schreibt Bernd Fes­el, bis 2007 etwa 45.000 neue Arbeit­splätze in der europaweit führen­den Kul­tur­wirtschaft. Möglich. *Dat­en zur Kul­tur­wirtschaft: Bernd Fesel

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Mit Reliquien ist das so eine Sache. Trotz manch ange­brachtem Zweifel an der ein oder anderen Glaub­würdigkeit­s­these sind sie nach wie vor Mach­to­b­jek­te. Beson­ders das Schweiß­tuch der Heili­gen Veroni­ka, dass heute im Besitz des Vatikan ist, gilt als eine der heilig­sten Trophäen des Chris­ten­tums. Nun aber hat sie Konkur­renz bekom­men, und zwar so wirkungsmächtige, dass sog­ar der ehren­werte Köl­ner Erzbischof Kar­di­nal Meiss­ner bei ihrem Anblick niederknien musste. Was war passiert? In dem kleinen Zis­terzienserin­nen­kloster des Abruzzen­städtchens Manop­pel­lo ist ein weit­eres — und wie die Schwest­ern hier sagen, das wahre — Schweiß­tuch aufge­taucht. Das vatikanis­che Mod­ell hält man für eine Fälschung — und geht in der Mei­n­ung ein­her mit so manchem hochrangi­gen Wis­senschaftler. Die Frage nach der Darstell­barkeit des Her­ren und seines Sohnes ist nun eine Frage, die die Men­schen seit beina­he 2000 Jahren beschäftigt. Und seit jeher waren die »wahren« Abbilder, die Primär­reliquien, mit denen Chris­tus selb­st Kon­takt hat­te, immer eine Möglichkeit, sich des Dilem­mas zu entledi­gen, das da heißt: »Du sollst Dir kein Bild­nis machen«. Das Schweiß­tuch, da nicht von Men­schen gemacht, war die …

Entwicklungsschub 2

Noch vor eini­gen Tagen haben Jacques Schus­ter und Roger Köp­pel in der Welt geschrieben, die Türkei gehöre nicht zur EU und habe das noch nie getan, wed­er kul­turell, noch geografisch. »Das Erbe der Antike, die jüdisch-christliche Ethik, die Renais­sance und die Aufk­lärung sind an ihr genau­so vorüberge­gan­gen wie an uns die Kul­tur des Harems.« Was ist dran an dieser These, was würde ein Beitritt der Türkei kul­turell bedeuten? Zunächst zu oben­ste­hen­der — zugegeben­er­maßen mutig zu nen­nen­der Behaup­tung. Das Erbe der Antike — ein her­rlich weit gefasster und daher schw­er zu wider­legen­der Begriff — zeigt sich natür­lich nicht in Stät­ten wie Tro­ja und Eph­esos. Unbe­deu­tende Orte, kaum His­to­rie und schon gar keine Entwick­lung. Die jüdisch-christliche Ethik, fun­da­men­tal ver­schieden von der islamis­chen, kann nicht, wie manche ver­messene His­torik­er ver­muten, auch in der heuti­gen Türkei gefun­den wer­den. Außer Acht lassen muss man da wohl, dass das Byzan­ti­nis­che Reich zu den ersten christlichen Staat­en der Welt zählt. Renais­sance und Aufk­lärung, soweit kann man den bei­den Autoren ent­ge­gen kom­men, musste das »Land« lei­der ohne Dür­er und Michelan­ge­lo erleben. Die Entwick­lung der …

Wer ist Deutschland?

Laut der gestern erst­mals geschal­teten Medi­en-Ini­­ti­a­­tive »Du bist Deutsch­land« lässt sich diese Frage recht ein­fach beant­worten. 25 Medi­enun­ternehmen und ein Dutzend Promi­nente haben einen Werbespot für Deutsch­land gedreht — ger­ade in ein­er Sit­u­a­tion, in der ohne­hin nicht klar ist, wer dieses Land wie weit­er­brin­gen kann. »Ziel der Kam­pagne ist es, in Deutsch­land eine neue Auf­bruch­stim­mung zu erzeu­gen«, so Organ­isator Bernd Bauer. Vor­bildlich waren dabei die Mitwirk­enden. Wed­er die Akteure, noch die Agen­turen von Ber­tels­mann und Jung von Matt sehen einen Pfen­nig Geld, auch Hon­o­rare für die son­st übliche Wer­bezeit wer­den nicht berech­net. Eine Kalku­la­tion schätzt den tat­säch­lichen Wert der gesamten Kam­pagne auf 30 Mil­lio­nen Euro. Fraglich ist, ob das Konzept aufge­ht und durch solche Kam­pag­nen (»Du bist Deutsch­land« läuft vier Monate lang auf allen wichti­gen Sendern) tat­säch­lich mehr Engage­ment und Auf­bruchsstim­mung entste­hen kann. Immer­hin, der Spot ist gelun­gen. Nicht zuviel Pathos, größ­ten­teils glaub­würdi­ge Promi­nente und ein guter Plot. Also denn, Du bist Deutsch­land! Nach­trag 20.37 Uhr: Der Spot zeigt Wirkung. Zurzeit scheint die Inter­net­seite des Pro­jek­ts auf­grund zu viel­er Zugriffe nicht erre­ich­bar zu sein.