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Ach, Jacques!

Ich bin ein großer Fan von Jacques Bern­dorf und seinen Eifel-Krim­is, ein­er der vielle­icht besten deutschen Krim­irei­hen über­haupt, auch, wenn Bern­dorf in den ver­gan­genen Jahren etwas nach­lässt. Über­durch­schnit­tlich aber ist jedes einzelne sein­er Büch­er den­noch, vor allem, weil dieser bemerkenswerte Mann, der früher unter anderem für Stern und Spiegel geschrieben hat, nun schon etliche Jahre in Dreis-Brück lebt und man jed­er Zeile anmerkt, wie sehr er diese Land­schaft liebt und wie gut er sie ken­nt. Auch deshalb ist Bern­dorf prädes­tiniert dafür, einen Reise­führer über die Eifel zu schreiben. Und das hat er denn auch getan und 2008 das Buch «Gebrauch­san­weisung für die Eifel» ver­fasst, erschienen im Piper-Ver­lag. Dur­chaus gelun­gen, fast ein typ­is­ch­er Bern­dorf, aber auch ein­er mit Schön­heits­fehlern, wie ein kleines Zitat aus dem Kapi­tel «Unheil über der Eifel» zeigt.

Möge der Saft mit Euch sein (3)

«Brüder, zur Sonne, zur Frei­heit! Brüder, zum Lichte empor!» Manch­mal glaube ich, dieses Lied aus unser­er Küche zu hören. Doch wenn ich dann durch die Tür komme, ist alles mucksmäuschen­still. Offen­sichtlich ist zudem, dass nicht in allen Töpfen gesun­gen wird, guckt man sich an, was für unter­schiedliche Fortschritte die kleine Chili-Kom­­mune macht. Während die «Jalapeño»- und die «Anaheim»-Gruppe sich zum Beispiel Stück für Stück nach oben arbeit­en und inzwis­chen bei offiziell bestätigten 6,0 beziehungsweise 4,9 Zen­time­tern über Nor­mal­null sind, ist Kam­er­ad «Demon Red» erstens noch immer alleine und zweit­ens noch ziem­lich niedlich. Ich glaube ja, das ist eine Falle. Bes­timmt hat dieses kleine Biest seine «Brüder», noch unter der Erde, still und heim­lich abge­murkst, um in ein paar Monat­en pfeifend und harm­los drein­blick­end im Topf herumzuste­hen und zu warten, bis ich die — wahrschein­lich einzige — Frucht pflücke und ver­speise. Mit der aber kön­nte man, da bin ich jet­zt schon sich­er, ganz großes Unheil anricht­en. Der will mich fer­tig­machen. Die Inderin Anan­di­ta Dut­ta Tamu­ly hat übri­gens kür­zlich in zwei Minuten 51 Chilischoten ver­speist, um damit ins …

Grobkariert

Da reden Sie alle vom Inter­net und der immer­währen­den Ver­füg­barkeit von Infor­ma­tio­nen und Din­gen, als sei das Netz ein Selb­st­be­di­enungsladen ohne Anfang und Ende. Doch sie lügen sich und uns in die Tasche — Gegen­beispiele sind schnell gefun­den. Wie dieser Schal, der mir an Alfre­do Häberlis Hals per Wer­be­prospekt ins Haus flat­terte. Gewor­ben wurde für Geschirr von Iit­ta­la, das allerd­ings — ohne damit seinen Reiz schmälern zu wollen — tat­säch­lich immer­während ver­füg­bar ist, ob im Inter­net oder per Einzel­han­del. Der Schal aber war nir­gends zu find­en. Nun gut, wir haben Her­rn Häber­li aber auch unter­schätzt, in einem Mann seines Kalibers einen Burber­ry- oder Paul-Smith-Kun­­den zu ver­muten … Die let­zte Chance also war der Meis­ter selb­st. Und auf die E‑Mail mit der etwas skur­rilen Anfrage, was für einen Schal er denn da getra­gen habe, als Shoot­ing und Inter­view für Iit­ta­la stattge­fun­den hat­ten, kam tat­säch­lich auch zügig Antwort aus Zürich. Ein Mitar­beit­er seines Büros erk­lärte mir fre­undlich, nein, so ungewöhn­lich sei die Anfrage gar nicht, die bekäme man nicht zum ersten Mal, der Schal stamme aus der …

Noch 48 Wochen und zwei Tage

Das war’s für mich, Ende der Fas­ten­zeit, erst­mal einen Schritt zurück­treten und sich das Mal­heur anschauen. Nach dem ersten Spöt­teln und den ersten Recht­fer­ti­gun­gen stelle ich fest: Nein, ich habe nicht ver­sagt, bin nicht gescheit­ert. Denn es ging nicht darum, mir etwas zu beweisen. Das hat­te ich schon. In den Jahren zuvor, mit den teil­weise krampfhaften Ver­suchen, sieben Woche ohne Alko­hol oder Zigaret­ten auszukom­men. Doch inzwis­chen geht es beim Fas­ten um etwas anderes. Es geht darum, eine neue Per­spek­tive auf Abghängigkeit und Genuss zu bekom­men, um eine neue Wahrnehmung. Eine kleine Reise durch die eigene Psy­che. Und die tritt man bess­er nicht unter Druck an. Dafür braucht es einen freien Kopf, Neugi­er und vor allem Konzen­tra­tion. In ein­er Zeit aber, in der der Kopf beset­zt, die Neugi­er schon fest gebucht und die Konzen­tra­tion nahezu ausverkauft ist, wird die Fas­ten­zeit zum Gegen­teil dessen, was sie sein soll. Zum Krampf. Sie fordert nicht, son­dern sie zehrt. Das war nicht das Ziel. Aus diesem Grund habe ich jet­zt noch 338 Tage bis Ascher­mittwoch, 48 Wochen und zwei Tage …