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Gedreht, gewendet, gelandet

Mehr als 80 Seit­en ohne Wer­bung, alleine das sorgt bei mir schon für Verzück­en. Mehr als 80 Seit­en ohne Wer­bung und auch noch mit Inhalt hinge­gen, das ist in Zeit­en, in denen so viele die Medi­en gern an die Wand reden, ein dick­es Ding. Das FROH! Mag­a­zin hat das schon zum zweit­en Mal geschafft, ein drittes und viertes Mal sollen fol­gen. Nach dem Wei­h­­nachts-Heft 2008 ist seit Fre­ita­gnacht die Wen­­den-Aus­­gabe im Han­del käu­flich zu erwer­ben, bish­er nur im Online-Shop, glaube ich, die ver­suchen aber irgend­wie, in Köln noch Büd­chen aufzutreiben oder so. Doch zum Inhalt: Wen­den liegt ja nahe, 20 Jahre nach der Wende aller Wen­den. Diesen Begriff aber zu drehen, zu wen­den und auf sich selb­st anzuwen­den, das passiert sel­ten. Hier schon.

Zweimal werden wir noch wach …

Ich bin, das muss ich sagen, ein klitzek­leines biss­chen aufgeregt. Am Fre­itag näm­lich fahre ich nach Köln. Nun bin ich nicht wegen Köln aufgeregt, was wiederum nicht bedeuten soll, dass ich Köln nicht mag oder dass man wegen Köln nicht aufgeregt sein kön­nte. Im Gegen­teil. Ist ja auch ein Stück Heimat. Mir aber geht es um den Abend und eine kleine feine Ver­anstal­tung in Ehren­feld. Da näm­lich wird das neue FROH! Mag­a­zin vorgestellt. The­ma: Wen­den. Und zufäl­lig, rein zufäl­lig, habe ich einen Beitrag zu diesem Heft geleistet.

Ich bin stolz, ein Sachse zu sein

Gut, ich weiß. Eigentlich bin ich gar kein Sachse. Eigentlich bin ich Rhein­län­der. Aber ich lebe hier, seit drei Jahren, und das gerne. Und das soll noch ein biss­chen so bleiben. Jet­zt aber kom­men sie wieder, all die klu­gen Köpfe, und zeigen mit dem nack­ten Fin­ger in den Osten, auf «die Sach­sen», auf «die Thüringer». Was wurde da aber auch wieder gewählt, die NPD in Sach­sen scheint die Fünf-Prozent-Hürde zu knack­en, in Thürin­gen bleibt sie knapp darunter. So zumin­d­est sieht es derzeit aus. Bei Twit­ter gibt es genü­gend Kom­mentare, die das allen Sach­sen in die Schuhe schieben. Teil­weise dumpfe Polemik wie hier oder hier, die kein Men­sch braucht und die die Debat­te gewollt in eine unsach­liche Ecke treibt. Und einige hauen gle­ich auch noch auf Sach­sen-Anhalt ein, obwohl dort gar nicht gewählt wurde. Unerträglich.

Parteiisch, theatralisch, großartig

Ric O’Bar­ry ken­nen heute wohl nur noch die wenig­sten, sein berühmter Schüt­zling aber ist ger­adezu zu einem Syn­onym für eine ganze Spezies gewor­den: Flip­per. O’Bar­ry war Tier­train­er für die Haupt­darsteller dieser Serie (1964–1967) und somit ein­er der Aus­lös­er des Delfin-Booms, der auch zu Freizeit­parks wie Sea World geführt hat — heute ein Mil­liar­dengeschäft. Und dieses Geschäft kostet tausende von Delfinen jährlich das Leben. Darüber hat Louie Psi­hoyos mit O’Bar­ry einen Film gedreht, der in den USA bere­its für Schlagzeilen gesorgt hat und der am 22. Oko­to­ber auch in den deutschen Kinos anläuft: «The Cove». Er erzählt vom großen Delfin-Schlacht­en in der japanis­chen Stadt Tai­ji, in der jedes Jahr ab Sep­tem­ber inner­halb weniger Wochen 23.000 dieser Tiere getötet wer­den. Er erzählt von Ver­braucher­be­trug und poli­tis­chen Lügen, vom Geschäft mit der Natur und der Fasz­i­na­tion der Delfine. Ein Werk, das den Namen Doku­men­tarfilm eigentlich nicht ver­di­ent, und das ist ein Kom­pli­ment. Der Film ist abso­lut partei­isch, dra­matur­gisch per­fekt insze­niert, the­atralisch und ein­fach großar­tig. Ein Thriller, der seines Gle­ichen sucht, der einem die Trä­nen in die Augen treibt …