Visionen
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Ello? Ello!

Vögel fliegen am Himmel

Da ist sie wieder, diese Trägheit. Ein neues Soziales Netzwerk entsteht, eins, das es besser machen will in Sachen Datenschutz, das die Nutzer*innen nicht als Produkt sieht. Und die ersten Reaktionen? Sind ernüchternd. »Das wird sich doch eh nicht durchsetzen.« Oder: »Um damit was zu verdienen, braucht es eine kritische Masse. Das wird nicht leicht.« Oder: »Viel schwieriger wird es, den Nutzern zu verklickern, sich überhaupt erst mal anzumelden.« Es ist zum Seufzen.

»Nach dieser Kränkung muss ein neuer Internetoptimismus entwickelt werden. Eine positive Digitalerzählung, die auch unter erschwerten Bedingungen in feindlicher Umgebung funktioniert.
Sascha Lobo

Sicher, auch ich habe von Diaspora seit Monaten nichts mehr gehört. Auch ich weiß, dass Friendica eine Katastrophe ist. Und auch ich hatte gehofft, dass app.net noch mal aus den Puschen kommt. Aber es ist ein bisschen wie mit der Liebe. Obwohl ich schon ein paar Enttäuschungen erlebt und mir das Herz schon ein paar Mal habe flicken müssen, gebe ich doch die Hoffnung nicht auf. Bloß weil nicht jede Beziehung gut geht, lasse ich mich doch trotzdem bei jeder wieder auf’s Neue begeistern. Und das Facebook das Ende der Fahnenstange sein soll? Nein, das kann mir niemand erzählen.

»Hört auf zu erzählen, das Internet sei eine Gefahr«

Ich erinnere mich noch gut an den neuen »Internetoptimismus«, den Sascha Lobo vor ziemlich genau einem halben Jahr gefordert hat. Ist er das? Diese Zögerliche? Diese Skepsis? Ich erinnere mich auch noch gut an die Worte, mit denen ich kurze Zeit später den französischen Blogger Okhin zitiert habe:

»Das ist es, was wir den Menschen sagen müssen: Dass sie keine Angst vor dem Internet haben sollen, weil das Internet sie nicht ausspäht. […] Wir müssen die Augen der Internetnutzer öffnen, um sie zu Internetakteuren zu machen. […] Und das geht nicht, indem man Angst schürt. […] Also hört auf zu erzählen, das Internet sei eine Gefahr. Das ist eine Lüge. Im Internet gibt es nur IP-Pakete. Alles andere steckt in unserer Gesellschaft. Die müssen wir ändern.«Okhin: »We need optimism, not fear«

Und jetzt sind da sieben Jungs, die wollen etwas ändern. Die haben ein Manifest, das mich schon überzeugt hat, bevor ich auch nur einen Pixel vom eigentlichen »Produkt« gesehen habe. Weil ich ihnen das abnehmen, was sie da schreiben. Weil ihre Kommunikation glaubwürdig ist. Weil sie ein Netzwerk entwickelt haben, das eigentlich nur für sie war. Und deshalb hatte ich heute Morgen, als ich aufgewacht bin und meinen Invite für Ello im Postfach gefunden habe, ein breites Grinsen im Gesicht — und habe es noch immer. Weil da gerade etwas Neues entsteht, und am Ende dann doch ein paar Menschen positiv reagiert haben und mitmachen wollen und Optimismus verbreiten.

Das Ello-Logo ist ein simpler Smiley. Das hat seinen Grund.

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