Author: Trotzendorff

Das gibt zu denken

Neulich im Chat: Weit­ere unfass­bare Beispiele für die Umgangs­for­men der Inter­net-Gen­er­a­­tion find­en sich unter german-bash.org. Von heit­erem Müt­ter-Beschimpfen bis zur Diskus­sion darüber, ob Män­ner Lin­ux ähneln und Frauen MacOS. Wahnsinn … Trotzen­dorffs Lieb­ster kommt gle­ich hier:

Lesestoff

Heute ist frisches Mate­r­i­al für mein Bücher­re­gal angekom­men. Die Neuer­schei­n­un­gen »Good­bye Tristesse« von Camille de Tole­do und »Kol­laps« von Jared Dia­mond zieren seit eini­gen Minuten die Bücher­rei­hen. Tole­dos Werk wurde von der Süd­deutschen Zeitung bere­its als Nach­fol­ger von »Gen­er­a­tion Golf« gerühmt, jedoch als lei­den­schaftlich­er und poli­tis­ch­er. Es ist der Ver­such ein­er Rebel­lion, gegen den Kom­merz und das Unwohl­sein inner­halb der kap­i­tal­is­tis­chen Gesellschaft. Über­set­zt wurde das Buch übri­gens von »Zonenkinder«-Autorin Jana Hensel. »Kol­laps« (Unter­ti­tel »Warum Gesellschaften über­leben oder unterge­hen«) zeich­net die Wege nach, die Impe­rien in Rich­tung ihres Unter­gangs beschrit­ten haben. Darauf auf­bauend will uns der Autor mit­teilen, ob wir ein­er ähn­lichen Gefahr aus­ge­set­zt sind oder ob es in unser­er Hand liegt, die Zukun­ft zu bes­tim­men. Auf den ersten Blick mag das nach typ­isch amerikanis­ch­er Sen­sa­tion­slit­er­atur klin­gen, doch einige Stim­men zum Buch machen mehr als neugierig. »Kol­laps hat den Mut, endlich all die span­nen­den Fra­gen zu stellen, die lei­der nur sel­ten laut geäußert wer­den und noch sel­tener beant­wortet wer­den« (Gert Sco­bel, 3Sat Kul­turzeit). Ich bin neugierig, ob Dia­mond Antworten findet.

Wo warst Du?

Das Vorurteil des prü­den, lang­weili­gen Amerikan­ers hält sich hart­näck­ig in unseren Köpfen. Aber denkste! Was Mer­lin Bron­ques auf seinen Streifzü­gen durch die Nächte von Los Ange­les oder New York vor die Linse bekommt, sieht alles andere als zum Gäh­nen aus. Durchgek­nallte Transen, knutschende Massen, skur­rile Charak­tere und — nur hier und dort — ein wenig Exhi­bi­tion­is­mus. Alles verse­hen mit einem großen Ätsch-Bätsch in Form der Frage »where were you last night?«. Kein Wun­der, han­delt es sich bei den abgelichteten Ereignis­sen um solch illus­tre Ver­anstal­tun­gen wie die Release-Par­­ty des Hard­­core-Streifens »Joanna’s Angels«. Durch­weg sehenswerte Fotos hat Mer­lin da zus­tande gebracht. Und ein Blick über den Teller­rand hat ja noch nie­man­dem geschadet. Aber… Wo war ich eigentlich let­zte Nacht?!

Recycling

Diese Redak­tion ist sicher­lich nicht vor Irrtümern gefeit. Doch in der alltäglichen Werbe­do­sis eines bekan­nten, deutschen Pri­vat­senders fiel ein Spot ins Auge, der uns selt­sam bekan­nt vorkam. Der Sek­t­fab­rikant Kupfer­berg bewirbt in ihm sein Pro­dukt »Kupfer­berg Gold« und das, wie es scheint, bere­its zum wieder­holten Mal. Der Spot gle­icht näm­lich einem Film­chen aus Vor­wen­dezeit­en (max­i­mal lassen wir die Anfänge der 1990er Jahre gel­ten) beina­he bis aufs Haar, sprich­wörtlich gese­hen. Fröh­liche Men­schen mit Per­lenohrrin­gen und lange aus der Mode gekommen­er Mode freuen sich da über aufgepeppte Klas­sik, die Korken knallen hüb­sch im Takt, alles in allem eine schicke End-80er-Welt. Das erstaunlich­ste an dieser Wieder­hol­ung ist jedoch, dass die Wer­bung immer noch funk­tion­iert. Kein Wun­der, sieht sich die Mainz­er Kellerei doch als Pio­nier der Wer­bung, wie sie auf ihrer Inter­net­präsenz ein­drucksvoll unter Beweis stellt. Und daher ist es kein Wun­der, dass der Spot kaum etwas von seinem Charme und sein­er Wirkung ver­loren hat. Oder was glauben Sie, was seit heute Nach­mit­tag bei uns im Kühlschrank liegt?

Hahn auf!

Es gle­icht einem Erd­beben, zumin­d­est für kon­ser­v­a­tive Briten. Mor­gen wird die bish­er auf der Insel einge­hal­tene Sperrstunde offiziell aufge­hoben. Während einige Richter befürcht­en, dadurch werde die Zahl an Verge­wal­ti­gun­gen oder Raub sprung­haft ansteigen und der Lon­don­er Stad­trat kurz­er­hand beschlossen hat, Kun­st­ga­le­rien und Museen der Stadt eben­falls 24 Stun­den geöffnet zu lassen, um ein Konkur­ren­zpro­gramm zu ermöglichen, erweist sich die Neuerung für einige Pubbe­such­er als tat­säch­lich­es, weil logis­tis­ches Prob­lem. Ist doch mit einem fes­ten Zeit­punkt für das »tap toe« (Zapfhahn zu) auch die für rival­isierende Fuss­ball­fans damit ver­bun­dene, immer um 23:30 Uhr stat­tfind­ende Massenkeile in Gefahr. Nun wird man sich entwed­er trotz­dem tre­f­fen und hof­fen, danach trotz blauer Augen und blutiger Nasen wieder Ein­lass in die jew­eili­gen Etab­lisse­ments zu erhal­ten oder die Insel wird ein­fach ein wenig ruhiger. Wahrschein­lich­er ist aber, dass die Zahl der SMS in Großbri­tan­nien zukün­ftig hochschnellen wird.