Author: Trotzendorff

Recycling

Diese Redak­tion ist sicher­lich nicht vor Irrtümern gefeit. Doch in der alltäglichen Werbe­do­sis eines bekan­nten, deutschen Pri­vat­senders fiel ein Spot ins Auge, der uns selt­sam bekan­nt vorkam. Der Sek­t­fab­rikant Kupfer­berg bewirbt in ihm sein Pro­dukt »Kupfer­berg Gold« und das, wie es scheint, bere­its zum wieder­holten Mal. Der Spot gle­icht näm­lich einem Film­chen aus Vor­wen­dezeit­en (max­i­mal lassen wir die Anfänge der 1990er Jahre gel­ten) beina­he bis aufs Haar, sprich­wörtlich gese­hen. Fröh­liche Men­schen mit Per­lenohrrin­gen und lange aus der Mode gekommen­er Mode freuen sich da über aufgepeppte Klas­sik, die Korken knallen hüb­sch im Takt, alles in allem eine schicke End-80er-Welt. Das erstaunlich­ste an dieser Wieder­hol­ung ist jedoch, dass die Wer­bung immer noch funk­tion­iert. Kein Wun­der, sieht sich die Mainz­er Kellerei doch als Pio­nier der Wer­bung, wie sie auf ihrer Inter­net­präsenz ein­drucksvoll unter Beweis stellt. Und daher ist es kein Wun­der, dass der Spot kaum etwas von seinem Charme und sein­er Wirkung ver­loren hat. Oder was glauben Sie, was seit heute Nach­mit­tag bei uns im Kühlschrank liegt?

Hahn auf!

Es gle­icht einem Erd­beben, zumin­d­est für kon­ser­v­a­tive Briten. Mor­gen wird die bish­er auf der Insel einge­hal­tene Sperrstunde offiziell aufge­hoben. Während einige Richter befürcht­en, dadurch werde die Zahl an Verge­wal­ti­gun­gen oder Raub sprung­haft ansteigen und der Lon­don­er Stad­trat kurz­er­hand beschlossen hat, Kun­st­ga­le­rien und Museen der Stadt eben­falls 24 Stun­den geöffnet zu lassen, um ein Konkur­ren­zpro­gramm zu ermöglichen, erweist sich die Neuerung für einige Pubbe­such­er als tat­säch­lich­es, weil logis­tis­ches Prob­lem. Ist doch mit einem fes­ten Zeit­punkt für das »tap toe« (Zapfhahn zu) auch die für rival­isierende Fuss­ball­fans damit ver­bun­dene, immer um 23:30 Uhr stat­tfind­ende Massenkeile in Gefahr. Nun wird man sich entwed­er trotz­dem tre­f­fen und hof­fen, danach trotz blauer Augen und blutiger Nasen wieder Ein­lass in die jew­eili­gen Etab­lisse­ments zu erhal­ten oder die Insel wird ein­fach ein wenig ruhiger. Wahrschein­lich­er ist aber, dass die Zahl der SMS in Großbri­tan­nien zukün­ftig hochschnellen wird.

Millimeterarbeit

Musik­grup­penbe­sitzer aufgepasst. Zumin­d­est, wenn Wer­be­fläche gesucht wird. Denn die Domain tenthousandbands.com bietet genau diese — auf Mil­lime­ter, respek­tive Pix­el genau zugeschnit­ten und mit passen­dem Logo auszus­tat­ten, wenn man solcher­lei Grafiken denn Logos nen­nen kann. Die Idee scheint nicht neu zu sein. Bere­its Alex Tew hat mit seinem Pro­jekt milliondollarhomepage.com Kle­inst­wer­be­flächen ver­mi­etet und seine Idee scheint von Erfolg gekrönt zu sein, ist doch die obere Hälfte der Seite bere­its belegt. Da scheint es höch­ste Zeit zu sein, meine Seite zu rastern und zu ver­mark­ten. Denn, wie Mr. Tew so schön aus­führt, geht es um ein Stück Inter­net­geschichte, das man so erobern kann. Genau da aber lehrt die Erfahrung, lieber die Fin­ger von zu lassen. Geschichte wieder­holt sich, und aus solchen Wieder­hol­un­gen hält man sich bess­er raus. Via openPR.de

15 halbe Jahre

So lange hat es gedauert, bis ich von der Brust mein­er Alma Mater entwöh­nt zu sein scheine. Seit exakt 45:00 Stun­den liegt meine Mag­is­ter­ar­beit nun in der Philosophis­chen Fakultät, um gründlich unter die Lupe genom­men zu wer­den. Und es sollte keine sieben Monate mehr dauern, dann werde ich vor­erst zum let­zten Mal durch ihre Räume schre­it­en. Aber so gibt es wenig­stens Hoff­nung, dass dem­nächst wieder etwas mehr Zeit bleiben wird, sich den Belan­gen mein­er Leser­schaft zu wid­men und Luft zu schnap­pen für den End­spurt. Sum ut fiam.

Der-i-saadet

Das Mag­a­zin »du« hat in sein­er neuesten Aus­gabe Istan­bul unter die Lupe genom­men, die »Hippe Stadt am Horn«, wie der Titel etwas unpassend lautet. Denn was sich im Inneren auf 86 Seit­en aus­bre­it­et, ist mehr als nur hip. Es sind kleine, lebendi­ge Geschicht­en von Autoren wie dem Frieden­spreisträger Orhan Pamuk oder dem Ver­leger Egon Ammann, welche die Per­le am Bosporus lebendig wer­den lassen und die Sehn­sucht weck­en nach ein paar Tagen zwis­chen Ori­ent und Okzi­dent, zwis­chen Tak­sim und Üskü­dar. Eine wun­der­schöne Aus­gabe, bebildert von der nieder­ländis­chen Fotografien Ilse Frech, auch oder ger­ade für alle, die noch nie die »Der-i-saadet«, die Pforte der Glück­seel­igkeit besucht haben, aber vielle­icht mit dem Gedanken spie­len. Doch Vor­sicht, spätestens nach dieser Lek­türe lässt einen das Fer­n­weh nicht wieder los.