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Roboter, alles Roboter!

Vor­sicht, ver­all­ge­mein­ernde Ein­leitung, die auch noch längst bekan­nte und deshalb nicht mehr als Weisheit­en zu beze­ich­nende Wahrheit­en enthält: Die Automa­tisierung unser­er Gesellschaft hat in den ver­gan­genen Jahren mit ein­er beängsti­gen­den Geschwindigkeit beängsti­gende Aus­maße angenom­men. Das wis­sen vor allem diejeni­gen, die schon ein­mal mit Abteilun­gen namens «Sup­port» zu tun gehabt haben. Also eigentlich alle. Ich mei­de diese Abteilun­gen so gut es geht, doch nicht immer gelingt das. Am Sam­stag zum Beispiel (allein daran sieht man schon, dass Sup­port-Abteilun­gen in Sachen Automa­tisierung Vor­re­it­er sein müssen) habe ich eine E‑Mail erhal­ten, die mit den fol­gen­den fre­undlichen Worten begann:

Ihre Kun­den­num­mer: xxxxxxxx
Sehr geehrter Herr Blaschke,
anbei erhal­ten Sie Ihre Rech­nung vom 11.04.2009.

Man stelle mir 17,94 Euro für weit­ere sechs Monate pro­fes­sionelles Mailen in Rech­nung, teilte mir «meine» GMX Inter­net Ser­vices GmbH mit fre­undlichen Grüßen mit. Und das, obwohl ich diesen Ser­vice vorauss­chauend schon vor langer Zeit abbestellt hat­te. Nach ein­er kurzen Nachricht an den Rech­nungssup­port bekomme ich heute eine zweite Mail, ohne weit­ere Mit­teilung, ohne Erk­lärung. Nur diesen Text:
Ihre Kun­den­num­mer: xxxxxxxx
Sehr geehrter Herr Blaschke,
anbei erhal­ten Sie Ihre Gutschrift vom 13.04.2009.

Robot­er, alles Robot­er! Aber wenig­stens arbeit­en die auch an Feiertagen.

«Ich hab da extra auf den Marktplatz gespuckt»

»Hast Du Dein Dings­da? Wie heißt das denn nochmal? Dieses Fahrkar­ten­teil … Navi!« // »Reiben oder Tupfen? Sag mal schnell ein­er!« // »Wer ist denn eigentlich dieser Uwe Mojela?« — »Uns Uwe?« // »Was würde Kant wohl dazu sagen?« — »Er würde sagen: fickt euch.« // »Halt jet­zt mal meine Hand! Wir sind in der Innen­stadt, falls Du’s noch nicht gecheckt hast.« // »Das ist die reine Ver­nun­ft, dass ich für Bay­ern bin, der Pott muss ein­fach nach Deutsch­land.« — »Du meinst, heim ins Reich?« // »Die Zeit verge­ht. Wie schnell ist nichts getrunk­en.« // »Guten Mor­gen! Bei­ihneneinen­wun­schkaf­fee?« // »Ich bin ja eher ein san­ft­mütiger Men­sch. Bis ich eine Pack­ungs­beilage zusam­men­falte.« // »Luca Toni kommt aus Mod­e­na, da bin ich ganz sich­er. Ich hab da extra auf den Mark­t­platz gespuckt.« // »Guck mal, ein Tier­arzt für Zoo- und Wildtiere. Da kön­nte ich das Zebra abgeben, dass ich ger­ade gegessen hab. Ich glaub, dem geht’s nicht so gut.«

Das Orig­i­nal dieser Rubrik find­en Sie als «Dialogfet­zen» bei der Gefühlskonserve.

Die reine Essenz der Britishness

Wer ein­mal vor den trau­ri­gen Über­resten von Brightons «West Pier» ges­tanden hat, diesem verkohlten gus­seis­er­nen Skelett, dass da aus dem Wass­er ragt, kann sich kaum vorstellen, dass die ein­stige Touris­te­nat­trak­tion jemals wieder zum Leben erwachen kön­nte. Doch es gibt Men­schen, die genau davon träu­men, die dieses gespen­stis­che Mon­strum wieder auf­bauen wollen — Der «Brighton West Pier Trust» zum Beispiel. Sie klam­mern sich an den Denkmalschutz, der den Abriss ver­hin­dert. Vielle­icht ver­ste­ht man das bess­er, wenn man die Geschichte des Piers ken­nt, der 1866 erbaut und 1975 aus Sicher­heits­grün­den geschlossen wurde. Den Wellen und dem Sturm preis­gegeben ver­fiel er Jahr für Jahr, stürzte teil­weise ein wurde durch Brand­s­tiftung zulet­zt fast voll­ständig niederge­bran­nt, während der «Palace Pier» nebe­nan, heute «Brighton Pier» genan­nt, mit zwei Mil­lio­nen Besuch­ern jährlich zu den meist­be­sucht­en Attrak­tio­nen in Sus­sex wurde. Read More

Grüne Hierarchie

Von wegen alter­na­tiv, alles kann bei den Grü­nen ja auch nicht anders sein. In der Geschäftsstelle der Umwelt­partei etwa herrscht eine klas­sis­che Hier­ar­chie, wie son­st wohl wäre diese E‑Mail zu deuten:

«Sehr geehrte Damen und Her­ren, liebe Kol­legin­nen und Kollegen,
während der Oster­feiertage (10. bis 13. April 2009) bleibt die Press­es­telle von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN geschlossen.
In drin­gen­den Fällen erre­ichen Sie vom 10. bis 11. April unsere Volon­tärin Xxxxxx Xxxxxx unter der Handy-Nr. xxxx/xxx xxxx …»

Die Volon­tärin, na klar.

Grobkariert

Da reden Sie alle vom Inter­net und der immer­währen­den Ver­füg­barkeit von Infor­ma­tio­nen und Din­gen, als sei das Netz ein Selb­st­be­di­enungsladen ohne Anfang und Ende. Doch sie lügen sich und uns in die Tasche — Gegen­beispiele sind schnell gefun­den. Wie dieser Schal, der mir an Alfre­do Häberlis Hals per Wer­be­prospekt ins Haus flat­terte. Gewor­ben wurde für Geschirr von Iit­ta­la, das allerd­ings — ohne damit seinen Reiz schmälern zu wollen — tat­säch­lich immer­während ver­füg­bar ist, ob im Inter­net oder per Einzel­han­del. Der Schal aber war nir­gends zu find­en. Nun gut, wir haben Her­rn Häber­li aber auch unter­schätzt, in einem Mann seines Kalibers einen Burber­ry- oder Paul-Smith-Kun­den zu ver­muten … Die let­zte Chance also war der Meis­ter selb­st. Und auf die E‑Mail mit der etwas skur­rilen Anfrage, was für einen Schal er denn da getra­gen habe, als Shoot­ing und Inter­view für Iit­ta­la stattge­fun­den hat­ten, kam tat­säch­lich auch zügig Antwort aus Zürich. Ein Mitar­beit­er seines Büros erk­lärte mir fre­undlich, nein, so ungewöhn­lich sei die Anfrage gar nicht, die bekäme man nicht zum ersten Mal, der Schal stamme aus der Werk­statt Sonnhild Kestlers (S.K. Hand­druck) und sei bei The­ma Selec­tion in Zürich erhältlich.

Er sei jedoch lei­der ausverkauft.

Eine Klein­serie also. Hoff­nung Inter­net? Online-Auk­tion­shäuser? Google Prod­uct Search? Nun, es gibt Fir­men, und The­ma Selec­tion und Sonnhild Kestler gehören wohl ein­deutig dazu, die scheinen sich um solche Ver­trieb­swege über­haupt nicht zu küm­mern. Handgemacht­es verkauft man eben per Hand. Richtig so. Dass ich dadurch jet­zt noch immer nicht zu meinem Schal gekom­men bin und wahrschein­lich auch niemals kom­men werde, ist schließlich nicht ihr Prob­lem. Wenn aber zufäl­lig mal jemand Alfre­do Häber­li über den Weg laufen sollte und er zufäl­lig diesen Schal …